Geschäftsführung ist empört  Landrat und Trägergesellschaft äußern sich zu Klinik-Berichten

Rebecca Kresse
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Von Rebecca Kresse
| 26.01.2024 16:33 Uhr | 5 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Bericht eines Arztes über das Krankenhaus in Aurich sorgt weiter für Aufregung. Foto: DPA
Ein Bericht eines Arztes über das Krankenhaus in Aurich sorgt weiter für Aufregung. Foto: DPA
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Nach Vorwürfen eines Arztes der UEK Aurich, haben sich jetzt Landkreis, Rettungsdienst und Klinikleitung zu Wort gemeldet. Sie bezeichneten die Vorwürfe als haltlos.

Aurich - Zwei Tage nach dem Bericht eines Arztes über die „katastrophalen Zustände“ in der Auricher Notaufnahme in dieser Zeitung haben sich Landrat Olaf Meinen, der Rettungsdienst des Landkreises Aurich sowie die Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden zu Wort gemeldet. Darin zeigen sie sich empört über die Berichterstattung. Meinen bezeichnete diese in einer Stellungnahme als „Verunglimpfung der Geschäftsführung, aber auch aller Mitarbeiter in Krankenhaus und Rettungsdienst“. Durch die in dem Bericht wiedergegebenen Aussagen des anonymen Mediziners werde die Arbeit des Personals diskreditiert. Es würden in unverantwortlicher Weise Ängste in der Bevölkerung geschürt, stellt Meinen fest: „Das ist unerträglich.“

Meinen bezeichnete die Aussagen des Arztes, der nur deshalb anonym bleiben will, weil er Repressalien fürchten muss, wenn er namentlich auftauchen würde, als „ungeprüfte und ungefilterte Veröffentlichung einer Einzelmeinung“. Die Aussagen des Arztes wurden überprüft. Darüber hat Meinen nicht mit dieser Zeitung gesprochen. Der Landrat spekuliert, dass der Arzt ein „Kritiker der Zentralklinik“ sei. Er behauptet, ohne konkreter zu werden, es sei eine „gesteuerte Aktion“.

Rettungsdienst dementiert Blockaden an Klinik

Meinen bezeichnete es als „absoluten Unsinn“, dass es Fälle gegeben habe, bei denen Patienten während eines Krankenhaustransports verstorben seien. Das hatte der anonym zitierte Arzt auch nicht behauptet. Wörtlich sagte er: „Da versterben Patienten nach Fahrten von Norden nach Emden, von Emden nach Norden, durch dieses Hin- und Hergekarre.“

Marcel Schäfer von der Geschäftsführung der Rettungsdienst Landkreis Aurich gGmbH bezeichnet die Schilderung des anonymen Arztes, Rettungsfahrzeuge würden sich bei der Notaufnahme im Weg stehen, als unrichtig: „Eine gegenseitige Blockade findet nicht statt“, so Schäfer. Er bezeichnet die Berichterstattung als „Schlag in die Magengrube“ für den Rettungsdienst.

Rettungsdienst nennt Bericht „verletzend“ und „diffamierend“

Die Geschäftsführung, Eigenbetrieb und Betriebsrat des Rettungsdienstes haben eine gemeinsame Erklärung verfasst, in der sie die Art der Berichterstattung und die Vorwürfe des anonymen Hinweisgebers zurückweisen. Diese seien „verletzend“, diffamierend“ und ein „Schlag in die Magengrube aller Kollegen im Rettungsdienst“, heißt es in dem Schreiben. Die Mitarbeiter im Rettungsdienst seien allesamt hoch motiviert und sehr gut ausgebildet. Es gebe nahezu keine Beschwerden von Patienten, im Gegenteil, die Geschäftsführung ereile regelmäßig Lob und Dankbarkeit über die Qualität der Arbeit, das schnelle Handeln und die Empathie im Umgang mit den Patienten, heißt es.

Ebenfalls sei kein Fall bekannt, in dem ein Notarzt ohne einen Rettungswagen eine Reanimation durchführen musste. Zum einen würden Notärzte immer mit einem separaten Notarzteinsatzfahrzeug zu den Einsatzstellen transportiert, zum anderen würden die Notärzte mit den Rettungsfahrzeugen entweder gleichzeitig durch die Kooperative Regionalleitstelle Ostfriesland alarmiert und fahren entsprechend gemeinsam los oder der Rettungswagen lasse bei einem Einsatz einen Notarzt nachalarmieren, heißt es in der Stellungnahme.

Trägergesellschaft zeigte sich „entsetzt“

Die ärztlichen und pflegerischen Führungskräfte der UEK und des Klinikums Emden äußerten sich in einer Pressemitteilung der Trägergesellschaft „entsetzt“ über die Berichterstattung, die ein „Paradebeispiel für erlogene Falschdarstellung“ sei. Belege für diese Behauptung werden nicht genannt. „Wir dementieren die in der Berichterstattung getroffenen Aussagen vehement“, heißt es in der Mitteilung. Über den namentlich nicht genannten Arzt und seine Schilderungen schreiben die Führungskräfte: „Für uns ist auffällig, dass nach Eingrenzung der möglichen Quellen nur die Leistungsunwilligsten, um nicht zu sagen Inkompetentesten sich anmaßen, die Qualität der Versorgung zu bewerten und dies entsprechend zu veröffentlichen.“

Zur Umstrukturierung der Kliniken schreiben sie: „Die angegangenen Strukturveränderungen in den Häusern und insbesondere am Standort Norden sind lange überfällig gewesen, und weitere Schritte sind notwendig.“ Diese Strukturentscheidungen der Geschäftsführung würden von den Verfassern vollumfänglich unterstützt. Sie seien „kein Abbau von Leistungen, sondern eine Verbesserung und Verbreiterung des Leistungsspektrums“. Es sei nicht hilfreich, mit einer angsteinflößenden Berichterstattung die Leistungen der Krankenhäuser anzuzweifeln, heißt es. Es habe ein massiver positiver Wandel in der Leistungsbereitschaft und -fähigkeit der Häuser stattgefunden. Die daraus entstehenden Perspektiven würden auch dabei helfen, „unser wichtigstes Gut, das Personal, zu halten und neue Mitarbeiter zu gewinnen“, heißt es.

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