Kitas und Schulen  Kehrt nach Bürgerentscheid in der Krummhörn endlich Ruhe ein?

| | 29.01.2024 17:09 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bevor das Ergebnis einer Bedarfsanalyse der Krummhörner Schulen feststand, war man davon ausgegangen, dass die Grundschule Jennelt (Foto) schließen würde. Danach war klar: Die Standorte Greetsiel und Loquard sollen in Kitas umgewandelt, die Schule Jennelt saniert werden. Das hat der Bürgerentscheid jetzt noch einmal verfestigt. Foto: Wagenaar/Archiv
Bevor das Ergebnis einer Bedarfsanalyse der Krummhörner Schulen feststand, war man davon ausgegangen, dass die Grundschule Jennelt (Foto) schließen würde. Danach war klar: Die Standorte Greetsiel und Loquard sollen in Kitas umgewandelt, die Schule Jennelt saniert werden. Das hat der Bürgerentscheid jetzt noch einmal verfestigt. Foto: Wagenaar/Archiv
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Wochenlang wurde heftig darüber diskutiert, wie die Bildungslandschaft in der Krummhörn in Zukunft gestaltet werden soll. Jetzt hat ein Bürgerentscheid ein denkbar knappes Ergebnis gezeigt. Wie geht’s weiter?

Krummhörn - Nach dem denkbar knappen Ergebnis beim Bürgerentscheid in der Krummhörn zur Zukunft der Grundschulen und Kitas stehen die Zeichen jetzt auf Versöhnung. „Wir steuern nicht dagegen, wir steuern zusammen. Es geht um die Kinder, Schmollen bringt nichts“, sagte Melanie Remijn, eine der Initiatorinnen des Bürgerentscheids und Schulelternratsvorsitzende der Grundschule Loquard, im Gespräch mit dieser Zeitung am Montag, 29. Januar 2024.

Melanie Remijn (rechts) und Stefanie Doolmann haben den Bürgerentscheid initiiert. Foto: Weiden/Archiv
Melanie Remijn (rechts) und Stefanie Doolmann haben den Bürgerentscheid initiiert. Foto: Weiden/Archiv

Am Sonntag, 28. Januar, war in der Gemeinde darüber abgestimmt worden, ob ein am 6. Juli 2023 gefasster Ratsbeschluss aufgehoben werden sollte. Der Beschluss sieht vor, die Grundschulen Jennelt und Pewsum zu erhalten und die Grundschulen in Greetsiel und Loquard als Schulstandorte aufzugeben. Die Räume sollen in Kindertagesstätten umfunktioniert werden. Die Grundschule Pewsum soll dreizügig werden, Jennelt zweizügig. Beide Schulstandorte sollen saniert werden. Zudem werden die kleinen, nicht entwicklungsfähigen Kita-Standorte aufgegeben. 2.129 Personen, oder 50,46 Prozent machten ihr Kreuz bei „Nein“ und unterstützten damit den im Juli 2023 getroffenen Ratsbeschluss. Nur 39 Personen weniger stimmten für „Ja“. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,76 Prozent.

Am Sonntag waren Krummhörnerinnen und Krummhörner aufgerufen, bei einem Bürgerentscheid ihr Kreuz zu setzen. Dem folgten allerdings nur rund 40 Prozent der Wahlberechtigten. Foto: Harms
Am Sonntag waren Krummhörnerinnen und Krummhörner aufgerufen, bei einem Bürgerentscheid ihr Kreuz zu setzen. Dem folgten allerdings nur rund 40 Prozent der Wahlberechtigten. Foto: Harms

Es besteht die Chance, aufeinander zuzugehen

Ein Grund zum Feiern ist weder das knappe Wahlergebnis noch die schlechte Wahlbeteiligung. Darin sind sich alle Beteiligten einig. „Wir haben einfach Glück gehabt“, sagte Jutta Lerche-Schaudinn, Vertreterin der Bürgerinitiative für den Erhalt des Grundschulstandortes Jennelt, auf Nachfrage. Bei einem Unterschied von nur 39 Stimmen hätte es auch leicht in die andere Richtung gehen können. Als Sieger fühlen sie sich nicht, sagte sie. Ihre Hoffnung ist es nun, nach sehr stressigen Wochen mit teils heftigen Diskussionen, dass jetzt friedvoller und gemeinsam an einer Lösung zum Wohle der Kinder gearbeitet werde.

Jutta Lerche-Schaudinn kämpft schon seit Jahren für den Erhalt der Grundschule Jennelt. Foto: Wagenaar/Archiv
Jutta Lerche-Schaudinn kämpft schon seit Jahren für den Erhalt der Grundschule Jennelt. Foto: Wagenaar/Archiv

Es sei auch ihr Eindruck, sagte Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos), dass niemand im Rathaus, wo einige Krummhörnerinnen und Krummhörner am Sonntag auf das Wahlergebnis warteten, nach Bekanntgabe in Jubel ausgebrochen seien. Es sei keine Schadenfreude oder Häme zu spüren gewesen, sagte sie. „Jeder hat für das gestritten, wovon er überzeugt ist“, so die Bürgermeisterin. Sie habe sich bereits am Sonntag mit den Initiatorinnen des Bürgerentscheids, Melanie Remijn und Stefanie Doolmann, unterhalten. „Sie akzeptieren das Ergebnis“, sagte Looden. „Wir gucken jetzt nach vorne.“

„Auf keinen Fall“ zweiten Bürgerentscheid

Das bestätigte Melanie Remijn auch gegenüber dieser Zeitung. Natürlich wäre ein klares Ergebnis, also etwa 70 zu 30 Prozent, besser gewesen – für beide Seiten, sagte sie. Das Ergebnis zeige die Unsicherheit auch in der Bevölkerung. Die schlechte Wahlbeteiligung müsse außerdem hinterfragt werden, sagte sie. Liege es daran, dass sich viele Krummhörnerinnen und Krummhörner nicht für den Bürgerentscheid interessierten, weil sie älter und nicht von dem Thema Kitas und Grundschulen direkt betroffen sind? Gleichzeitig betont sie, dass sie keinen zweiten Bürgerentscheid anstoßen werden. Das wäre in zwei Jahren wieder möglich. „Auf keinen Fall“, sagte sie.

Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) will jetzt zügig einen Zeitplan für die Umgestaltung der Bildungslandschaft in der Krummhörn erstellen. Foto: Wagenaar/Archiv
Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) will jetzt zügig einen Zeitplan für die Umgestaltung der Bildungslandschaft in der Krummhörn erstellen. Foto: Wagenaar/Archiv

Sie stehe zwar immer noch hinter der Aussage, dass unter anderem ein großer Schulstandort in Pewsum und XXL-Kitas keine Lösung seien, aber sie spricht von der klaren Bereitschaft, sich mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen. Hilke Looden habe ihr gegenüber signalisiert, dass man natürlich auch die Elternvertreterinnen und -vertreter brauche. Sie bleibe gerne auch ein weiteres Jahr Elternvertreterin, so Remijn.

Auch Ratsherr Roelf Odens zeigt sich versöhnlich. Seine Fraktion CDU/SWK hatte sich für eine andere als die jetzt gewählte Variante eingesetzt. Der zufolge sollte unter anderem die Grundschule Jennelt geschlossen, die Standorte Loquard, Greetsiel und Pewsum saniert beziehungsweise neu gebaut (Pewsum) oder erweitert werden. Jetzt sagte er zwar, dass er nachwievor davon überzeugt sei, dass ihr Weg der richtige wäre. Gleichzeitig akzeptiere er die Entscheidung der Bürger. Er sei gespannt auf die Detailplanung und auf die Finanzierbarkeit des Ganzen. Priorität sollte laut ihm nun auf „kommenden Kindern und einer lebenswerten Gemeinde“ liegen.

Bürgermeisterin: Man wolle „zügig anfangen“

Melanie Remijns Hoffnung ist es, dass man vielleicht gemeinsam noch einmal „über den Tellerrand“ schauen und sich eine ganz andere Lösung auftun könnte. Klar ist für sie aber: „Ich hoffe, dass es so bleibt, wie es jetzt ist.“ Gerne wüsste sie außerdem mehr zu einem groben Zeitplan für die Umwandlung der Bildungslandschaft.

Darauf von dieser Zeitung angesprochen, blieb Hilke Looden noch vage. Sobald es etwas zu berichten gebe, werde man berichten. Einen Termin, um sich mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen, gebe es noch nicht. Aber: Man wolle „zügig anfangen“, also „sehr kurzfristig die Planungen aufnehmen und den Zeitplan für die nächsten Jahre erstellen“, schreibt sie auch in einer Stellungnahme am Montag.

Das sei wichtig, damit für alle Beteiligten deutlich wird, wann sich wo, was verändert. „Selbstverständlich wird es in der Planung eine frühzeitige Einbindung der Beteiligten und Betroffenen geben“, schreibt sie. Man wolle vermeiden, dass Eltern aus Verunsicherung in diesem Sommer ihre Kinder nicht mehr bei Kitas oder Grundschulen anmelden, die laut Ratsbeschluss langfristig verändert werden sollen. Gleichzeitig betont sie, dass man nicht bei einer Kita oder einer Grundschule anfangen könne, man müsse bei einem Zeitplan stets alle beteiligten Einrichtungen im Blick haben.

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