Osnabrück  Andere Länder, andere Haustiere: Fünf ungewöhnliche Begleiter aus aller Welt

Arlena Schuenemann
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Von Arlena Schuenemann
| 30.01.2024 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Flauschig und niedlich: Alpakas sind mittlerweile auch in Deutschland sehr beliebt. In ihrer Heimat in Südamerika hat die Alpaka-Zucht eine lange Tradition. Foto: picture alliance/dpa
Flauschig und niedlich: Alpakas sind mittlerweile auch in Deutschland sehr beliebt. In ihrer Heimat in Südamerika hat die Alpaka-Zucht eine lange Tradition. Foto: picture alliance/dpa
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Hund, Katze, Meerschweinchen oder Wellensittich: Die Deutschen bleiben beim Thema Haustiere oft bei dem, was sie kennen. Manche Tierarten, die rund um den Globus zu den beliebtesten Haustieren zählen, sorgen daher hierzulande mitunter für Verwunderung. Warum sonst sollten in japanischen Kinderzimmern kampflustige Riesenkäfer zuhause sein?

Ob Borken- oder Kartoffelkäfer, in Deutschland sind die krabbelnden Insekten oft ein unbeliebter Plagegeist. In Asien, insbesondere in Japan, sind sogenannte Riesenkäfer, wie etwa der Nashorn- oder der Hirschkäfer, dagegen ein beliebtes Haustier.

Warum das so ist? Vor allem in Metropolen wie Tokio ist der Wohnraum begrenzt. Während Hund oder Katze viel Platz brauchen, sind Käfer mit vergleichsweise kleinen Terrarien zufrieden. Außerdem sind sie pflegeleicht und – wenn man es nicht gerade auf den ausgefallensten Käfer abgesehen hat – erschwinglich. Riesenkäfer gibt es bereits ab 800 Yen, was umgerechnet etwa fünf Euro sind.

Käfer einzufangen und als Haustier mit nach Hause zu nehmen, ist bei japanischen Kindern besonders im Sommer seit jeher eine beliebte Freizeitaktivität. Auch das Pokémon-Universum soll entstanden sein, weil Schöpfer Satoshi Tajiri als Kind ein begeisterter Insektenfänger gewesen war. Mittlerweile gibt es die verschiedensten Käferarten aus dem In- und Ausland aber auch in Zoohandlungen zu kaufen – ebenso wie sämtliches Zubehör, vom Terrarium bis hin zum Spezial-Vitaminfutter.

Manche Käfer sind nämlich regelrechte Athleten. Einige Japaner lassen ihre Käfer im Kampf gegeneinander antreten. Dabei treffen zwei männliche Käfer in einer Miniatur-Arena aufeinander. Siegreich ist, wer seinen Gegner in die Luft stemmt, auf den Rücken wirft oder aus dem Ring schiebt. Für die Tiere sollen solche Kämpfe ungefährlich sein. Ebenso wie in der Natur, wo die Männchen um ein Weibchen ringen, kämpfen die Käfer nicht bis zum Tod. Der Verlierer erkennt seine Niederlage an und zieht sich zurück.

Auch in Ägypten zählt eine Tierart, die hierzulande bei vielen Menschen unbeliebt ist, zu den gefragten Haustieren: Tauben. Die Taubenzucht hat im Nahen und Mittleren Osten, insbesondere in Ägypten, eine jahrhundertelange Tradition. Die charakteristischen turmartigen Taubenschläge aus Lehm sind im ganzen Land zu finden. In der Hauptstadt Kairo werden die Tauben hingegen auf den Dächern der Häuser gehalten, meist in luftigen Holzverschlägen, die mehrere Meter in den Himmel emporragen.

Früher wurden die Tauben in Ägypten größtenteils als Nutztiere gehalten. Ihr Fleisch diente als Nahrung, ihr Kot als Dünger. Heute ist die Taubenzucht ein beliebtes Hobby. Neben Rassetauben, die auf Shows ausgestellt werden, sind Brieftauben gefragt. Die Vögel kehren auch aus großen Distanzen zum heimischen Verschlag zurück.

Über den Dächern Kairos finden regelmäßig Wettstreite unter Taubenhaltern statt. Diese trainieren ihre Vögel so, dass sie auf bestimmte Kommandos und Pfiffe hören. Ihre Taubenschwärme lassen sie dann zeitgleich fliegen, sodass sich die Tiere miteinander vermischen. Wenn sie zurückgerufen werden, verirren sich einzelne Tauben und schließen sich einem fremden Schwarm an. Der jeweilige Halter darf die Fremdlinge behalten.

Mit ihren schlanken Körpern und glänzenden Knopfaugen haben Frettchen oft ein schelmisches Aussehen. Während die kleinen Raubtiere aus der Familie der Marder in Deutschland eher zu den Exoten unter den Haustieren zählen, erfreuen sie sich in den USA seit etwa vier Jahrzehnten wachsender Beliebtheit. Neben Hunden und Katzen gehören Frettchen dort zu den angesagtesten Haustieren.

Bereits vor Tausenden von Jahren sollen im alten Ägypten wildlebende Iltisse gezähmt worden sein. Aus den domestizierten Tieren ist im Laufe der Zeit eine eigene Art entstanden, das Frettchen. Sie wurden früher vor allem zur Jagd auf kleinere Beutetiere wie Mäuse, Ratten oder Kaninchen eingesetzt. Heute ist das Frettchen aufgrund seiner verspielten und zutraulichen Art vor allem als Haustier beliebt. Es kann sogar Tricks erlernen und auf den eigenen Namen hören.

Das Paradoxe ist: Während das Frettchen in den USA auf der Beliebtheitsskala weit nach oben geklettert ist, ist es in manchen Bundesstaaten und Städten sogar verboten. Etwa in Kalifornien, Hawaii und New York City dürfen keine Frettchen als Haustiere gehalten werden. Als Begründung wird unter anderem das Risiko genannt, die Tiere könnten ausbrechen, sich in freier Wildbahn vermehren und so zur Gefahr für die heimische Tier- und Pflanzenwelt werden.

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Wer an warmen Sommertagen an Feldern und Wiesen vorbeiläuft, wird oft vom unverkennbaren Zirpen der Grillen begleitet. In China werden die Insekten aus diesem Grund bereits seit Jahrhunderten als Haustiere gehalten. Die Tradition geht bis in die Kaiserzeit zurück und ist eng mit der chinesischen Kultur verwoben. Auch Mulan im gleichnamigen Disney-Klassiker hat eine mutige Grille zum Weggefährten, die ihr von ihrer Großmutter als Glücksbringer geschenkt wurde.

Die Grillen werden traditionell in Gitterkäfigen, in Keramikgefäßen oder in ausgehölten Kürbissen gehalten. Zur Kaiserzeit war die Herstellung möglichst aufwendig verzierter Behältnisse fast so beliebt wie das Haustier an sich. Da die Insekten in freier Wildbahn im Herbst sterben, sind sie und ihr Zirpen in der chinesischen Kultur zum Symbol des Sommers geworden. Im Winter halten einige Chinesen Grillen in ihren Häusern oder tragen sie in kleinen Behältnissen nah am Körper, damit ihr Zirpen sie an wärmere Tage erinnert.

Darüber hinaus werden die Insekten traditionell auch zum Kämpfen gehalten, ähnlich wie die Riesenkäfer in Japan. Die Kämpfe, ebenso wie der Handel mit Grillen, waren zur Zeit der kommunistischen Kulturrevolution von 1966 bis 1976 verboten. Seit dessen Ende sind die Insekten jedoch wieder in einige chinesische Häuser zurückgekehrt – auch wenn sie als Haustier nicht mehr so populär sind wie vor einigen hundert Jahren.

Lange Hälse, witzige Frisuren und kuscheliges Fell: In Deutschland sieht man mittlerweile immer mehr Alpakas. Die meisten Vertreter dieser kleinen Kamelart leben aber nach wie vor in ihrer Heimat, den Anden in Peru. Dort wurden sie vor Jahrtausenden domestiziert und bereits von den Inkas als Nutztiere gehalten. Auch heute noch besitzen viele peruanische Familien Alpakas. Insbesondere in ländlichen Regionen und bei der indigenen Bevölkerung sind die Tiere ein wichtiger Bestandteil des Lebens.

Anders als die größeren und stämmigeren Lamas, wurden Alpakas nicht als Lasttiere gezüchtet. Vielmehr werden sie wegen ihrer feinen Wolle gehalten. Diese ist nicht nur sehr weich, sie gilt auch als die wärmste Wolle weltweit. Aufgrund ihres sanften und freundlichen Wesens sind Alpakas aber auch als Haustiere beliebt. Sie gelten zudem als neugierig, intelligent und sozial. Oft werden sie bei geführten Spaziergängen oder als Therapietier eingesetzt.

Doch Achtung: Obwohl sie so flauschig aussehen, sind Alpakas keine Kuscheltiere. Sie lassen sich meist zwar streicheln, mögen aber keinen intensiven Körperkontakt. Zudem benötigen die Tiere viel Platz und den Kontakt zu Artgenossen, um sich wohlzufühlen. Als Haustiere im engeren Sinne sind sie daher nur bedingt geeignet.

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