Fischerhäuschen in Neuharlingersiel Einschlafen und aufwachen mit maritimer Kulisse im Blick
Jedes der neun Fischerhäuschen ist außen wie innen ein Unikat; ihr Stil reicht von modern bis altes Kapitänshaus. Reizvoll ist eine Übernachtung in den Tiny Houses vor allem wegen der Lage.
Neuharlingersiel - Helle Naturtöne und das Kiteboard an der Wand oder dunkles, schweres Holz und das Ostfriesensofa mit Spitzendecke: So unterschiedlich sehen die neuen Vermietungsunterkünfte im Kurpark von Neuharlingersiel aus. Jeder Gast habe ja sein ganz eigenes Bild davon, wie Ostfriesland aussieht, sagt Andreas Eden, Geschäftsführer des Kurvereins Neuharlingersiel. Der hat seinen Campingplatz mit dem Ensemble um einen echten Hingucker, aber eben auch mit kleinen Ferienwohnungen für den gehobenen Anspruch an Design und vor allem Lage ergänzt.
Schon außen wird deutlich: Jedes Haus hat eine andere Form und Farbe. Benannt sind sie alle nach Neuharlingersielern. So findet man „Unkel Orni“ neben dem „Blonden Jonny“ oder „Lütt Jan“. Die Innengestaltung stammt von den Mitarbeitern des Kurvereins selbst. Jetzt sollen die ersten Exemplare erstmals vermietet werden. Die Redaktion hat sich vorab einen Schlüssel geben lassen und geschaut, was die Gäste hier erwartet.
Die Fischerhäuschen: Die insgesamt neun Fischerhäuschen sind vollausgestattete Ferienwohnungen mit circa 47 Quadratmetern Wohnfläche auf zwei Etagen. Sie waren ursprünglich als Tiny Houses geplant, erinnern aber in ihrer Umsetzung nicht wirklich an diese doch sehr minimalistische Art der Unterkunft. Alle haben einen identischen Schnitt, unterscheiden sich aber in der Form der Ausstattung. Je zwei Personen finden hier alles vor, was sie für einen (Kurz-)Urlaub am Meer benötigen.
In der unteren Etage gibt es eine kleine Küchenzeile samt Spülmaschine und Mikrowelle. Daran schließt sich ein Wohnbereich an, der in eine Terrasse übergeht. In der oberen Etage befindet sich neben einem Bad mit Dusche ein Schlafzimmer mit Doppelbett, von dem aus die Bewohner zu jeder Tages- und Nachtzeit eine atemberaubenden Sicht auf den See haben. Für einen Blick aufs Meer und über den Deich sind die Häuschen allerdings nicht hoch genug. Außen gibt es einen abschließbaren Abstellbereich für Räder oder E-Bikes.
Die Buchung: Vier der insgesamt neun Fischerhäuschen sind fertig. Die fünf Häuser gegenüber vom Deich werden derzeit fertiggestellt und sollen ab Frühjahr folgen. Die Buchungen werden komplett über den Campingplatz abgewickelt. Von dort erfolgt auch die Zufahrt.
Eine Nacht im Fischerhäuschen kostet 291 Euro für zwei Personen. Von Ostern bis Anfang November sowie über die Feiertage und den Jahreswechsel liegt die Mindestaufenthaltsdauer bei fünf Tagen, sonst bei drei. Im Preis enthalten sind neben Bettwäsche, Handtücher, WLAN sowie Endreinigung und Parkplatz auch Bademäntel für und der tägliche Eintritt ins Badewerk mit Meerwasserhallenbad und verschiedenen Saunen.
Die Lage: Der Kurpark von Neuharlingersiel befindet sich zentral im Sielort, zwischen dem Deich im Norden mit dem Strand direkt dahinter und der Ortsdurchfahrt im Süden. Westlich knüpft der Kurpark an den Campingplatz „Nordsee-Camping“ an. Östlich ist das Badewerk in unmittelbarer Nähe. Der Kurverein investierte etwa 2,5 Millionen Euro in den Kurpark mit einem runden See, einer Kaimauer und einem Seebauwerk. Zum Ensemble gehören zudem mindestens drei Plattbodenschiffe, von denen bislang nur eins, die „Pandion“, im Kurpark liegt. Für weitere 1,2 Millionen Euro entstanden die Häuser, genannt „Uns leve negen“.
Die Enten auf dem Kurpark-See sind die derzeit vielleicht meistfotografierten in ganz Ostfriesland. Wer dank des Seebauwerks bis in die Mitte des Sees flaniert, ist hier mit den Enten auf Augenhöhe. So hat es das fidele Federvieh bereits auf unzählige Urlaubsfotos und Schnappschüsse geschafft. Was für sie gilt, dürfte ähnlich auch für die künftigen Bewohner der Fischerhäuschen zutreffen: Wer hier auf der Terrasse sitzt, wird vor der Fassade seiner Unterkunft möglicherweise auch zum beliebten Fotomotiv. Außerhalb der Saison ist es jedoch trotz exponierter Lage vergleichsweise ruhig.
Der Kurverein: Nicht immer war der Bau der neun Ferienhäuschen unumstritten. Der erste Aufschlag verlief relativ reibungslos, Ende 2021 regte sich dann aber massiver Wiederstand bei einigen Vermietern. „Das hat zu Diskussionen im Ort geführt“, erinnert sich Eden. Das ist mittlerweile vorbei, sagt er. Für den Geschäftsführer erfüllen die Fischerhütten gleich drei Aufgaben: Sie sollen den Campingplatz und damit den Ort auch für Menschen attraktiv machen, die neugierig auf gehobene Übernachtungsmöglichkeiten im Campingambiente oder Glamping sind. Diese Luxusform des Campings zielt darauf ab, Übernachtungserlebnisse an besonderen Orten zu schaffen – meist auf minimaler Fläche, aber dennoch mit maximalem Komfort.
Die Vermietung der kompakten Ferienhäuser soll natürlich auch Geld einbringen. Der Kurverein Neuharlingersiel mischt anders als andere Kurvereine entlang der Küste bereits seit Jahren selbst als Vermieter mit und nimmt so Geld ein, um die touristische Infrastruktur auszubauen und zu unterhalten. Und nicht zuletzt ist das Ensemble Eden zufolge ein ganz wichtiges gestalterisches Element im Kurpark.
Der Gast: „Die Leute suchen etwas Besonderes mit Abenteuerfaktor“, sagt Wiebke Leverenz von der Ostfriesland Tourismus GmbH in Leer. Glamping in jeglicher Form erfreue sich seit Jahren großer Beliebtheit – und nichts deute aktuell darauf hin, dass der Trend abebbe. Im Gegenteil: „Jeder Ort hat ein kleines, feines Angebot.“ Diese würden sich immer weiter differenzieren – und damit gezielt Gäste anlocken. Die Art des Urlaubs sei recht unterschiedlich: Mal gehe es um einen Kurztrip, andere Unterkünfte eignen sich für einen mehrtägigen Urlaub.
Nicht zu unterschätzen sei zudem der Besuch an der Küste als Geschenk, weiß Leverenz. Gefragt sind demnach vor allem besondere und authentische Übernachtungen. Die Signalwirkung, die von Objekten wie den Fischerhäuschen oder dem Plattbodenschiff, einem Schlafstrandkorb in den Nachbarorten oder einer historischen Schlafboje am Harlesieler Strand ausgeht, sei der Touristikerin zufolge beachtlich: „Es ist ein wichtiger Marketingeffekt.“ Durch außergewöhnliche Angebote werde der Ort überregional besser wahrgenommen.