Protest in Esens Schüler-Demo gegen rechts treibt Bürger auf die Straße
Rund 1500 Menschen demonstrierten am Montagabend auf dem Esenser Marktplatz gegen Rechtsextremismus. Die eindrücklichsten Worte finden zwei 17-jährige Schüler.
Esens - Ha Vy Le und Mihailo Micevic sind Schüler und besuchen das Internatsgymnasium in Esens. Mihailo stammt von der Insel Norderney, wo seine Eltern ein Lokal betreiben, und lebt im Internat der Schule. Ha Vy wohnt in Esens und besucht die Schule als normale Schülerin. Beide sind 17 Jahre alt und beide treiben die jüngsten Veröffentlichungen über „Remigrations“-Pläne im rechtsextremen Milieu um. Am Montagabend, 29. Januar 2024, treibt es sie auch auf eine Bühne auf dem Esenser Marktplatz. „Wir haben Migrationshintergrund, aber ein Hauptmerkmal unserer Persönlichkeit ist das nicht“, ruft Ha Vy in die Menge.
Es ist eine Kundgebung zum Abschluss eines Demonstrationszuges vom Internatsgymnasium am Rande der Stadt bis ins Zentrum. Die Schüler selbst haben diesen Protest gegen Rechtsextremismus organisiert. Etwa 400 laufen am frühen Abend los, unterwegs schließen sich noch Dutzende Schüler anderer Schulen an. Zum Schluss stehen auf dem Marktplatz rund 1500 Menschen. Zahlreiche Vereine, Parteien und auch Esenser Bürger haben sich den Schülern in ihrem Protest angeschlossen.
Die Schüler
Bevor der Demonstrationszug sich auf dem Schulgelände in Bewegung setzt, bleibt noch Zeit für ein paar Gespräche. Zum Beispiel mit Rieke Heyken, 18 Jahre alt und Mitglied der Schülervertretung am Internatsgymnasium. Nach den vielen Großdemos in größeren Städten müsse auch in kleineren Orten etwas passieren, findet sie. Lukas Thedinga ist mit dabei, weil er es nicht gut findet, „dass die AfD immer mehr Stimmen bekommt“. Wo sie der Partei überhaupt begegnen? „Auf Tiktok ist die AfD sehr präsent“, sagt einer seiner Mitschüler.
Besonders angefasst sind aber Schüler, die selbst einen Migrationshintergrund haben. Wie Mihailo Micevic, dessen Eltern aus Herzegowina im ehemaligen Jugoslawien kommen. „Ich fühle mich selbst betroffen“, sagt er mit Blick auf die rechten „Remigrations“-Überlegungen. Oder Nhi Hoang: Die 18-Jährige wohnt in Esens, ihre Eltern stammen aus Vietnam und betreiben ein Lokal in Carolinensiel. „Wenn man das hört, kommt schon Angst auf“, sagt sie. Und bei ihren Eltern gebe es jetzt eine gewisse Besorgnis.
Unterstützer und Gegner
Auf dem Marktplatz sind am Abend bei weitem nicht nur Schüler. Viele ältere Bürger sitzen und stehen am Rande der Veranstaltung. Auch aus der Gruppierung „Omas gegen rechts“ sind gut zwei Dutzend Frauen gekommen. Darunter auch eine 65-Jährige aus Friedeburg. Aus der Mitte werde es immer schlimmer, sagt sie, oft seien es Sätze wie dieser: „Das liegt an den Ausländern!“ Das regt sie auf. „Wir fahren jetzt auf jede Demo gegen rechts, die sich bietet“, so die Friedeburgerin. In Emden und Wilhelmshaven sei sie schon gewesen, die nächste Protestaktion stehe schon an.
Am Rande der Kundgebung steht übrigens auch ein einzelner älterer Herr mit einem AfD-Plakat. Zu Wort kommt er nicht und vor die Bühne dringt er auch nicht vor. Die Polizei verwickelt ihn in ein Gespräch und schirmt ihn ab. Möglicherweise zu seinem eigenen Vorteil. Denn als die Menge nach dem Ende der Kundgebung langsam an ihm vorbei abwandert, erntet der Mann viele sehr böse Blicke.