Hannover Schulministerin hat noch viele Hausaufgaben vor sich
Noch immer sind Unterrichtsausfälle in Niedersachsen programmiert. Es gibt einfach zu wenige Lehrer. Unternimmt das Land genügend dagegen?
Die Unterrichtsversorgung in Niedersachsen hat sich verbessert. Also minimal, aber immerhin. Der Wert kletterte laut Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) um 0,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr und liegt nun bei 96,9 Prozent.
Das hört sich erstmal positiv an und ist es auch. Zumal die 100-Prozent-Marke damit greifbar zu sein scheint. Grund zum Jubeln besteht aber nach wie vor nicht. Denn im Normalbetrieb gibt es mit 96,6 Prozent noch immer zu wenige Lehrkräfte, um alle geplanten Unterrichtsstunden zu erteilen. Das würde übrigens auch bei einer 100-prozentigen Unterrichtsversorgung kaum klappen, denn Krankheit sieht die Statistik nicht vor.
Dabei ist es keine Seltenheit, dass Lehrer sich krankmelden. Gründe dafür dürften auch die hohe Arbeitsbelastung und die steigenden Herausforderungen an den Lehrerberuf sein. Nicht nur zugewanderte Kinder haben die unterschiedlichsten Probleme im Gepäck; immer öfter müssen Lehrer auch ausbaden, was in etlichen Elternhäusern an Erziehung, Bildung und Sprachförderung versäumt wird.
Wer Kinder am Gymnasium hat, weiß, wie häufig dort Unterricht ausfällt. Dabei ist die Unterrichtsversorgung an den Gymnasien im Land mit 99,6 Prozent am höchsten.
Das zeigt: Das Kultusministerium hat noch einen ganzen Berg voller Hausaufgaben vor sich. Kernproblem ist und bleibt der Lehrermangel. Dass auch sie keine neuen Lehrer backen kann, hatte die Ministerin schon bei ihrem Amtsantritt vor gut einem Jahr erklärt.
Das erwartet auch keiner. Ob fertig ausgebildete Lehrer von der Uni, Quereinsteiger oder ältere Lehrkräfte, die noch etwas weiter unterrichten, statt in Pension zu gehen: Das Kultusministerium muss alles daran setzen, dem Lehrermangel zu begegnen.
Ob das bisher in ausreichendem Maß geschehen ist, muss angesichts des nur marginalen Zuwachses an Lehrkräften bezweifelt werden.