Gasthof Germann  Archäologen waren schnell ernüchtert

Christin Wetzel
|
Von Christin Wetzel
| 02.02.2024 12:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Gelände des ehemaligen Gasthofes Germann in Westerende mit Blick auf die mittelalterliche Kirche. Foto: Romuald Banik
Das Gelände des ehemaligen Gasthofes Germann in Westerende mit Blick auf die mittelalterliche Kirche. Foto: Romuald Banik
Artikel teilen:

Das Grundstück des ehemaligen Gasthofs Germann in Westerende war für Archäologen interessant. Doch die Hoffnungen wurden schnell enttäuscht. Dafür hat nun der Investor freie Bahn.

Ihlow - Wer vom Grundstück des ehemaligen Gasthofs Germann über die Straße schaut, blickt auf die altehrwürdige Kirche. Diese Lage hat den Archäologen der Ostfriesischen Landschaft Hoffnung gemacht. Sie vermuteten wegen der Nähe zur mittelalterlichen Backsteinkirche spannende Funde unter dem Gasthof. Doch die Hoffnung wurde schnell enttäuscht. Dafür hat der Investor nun zügig mit den Bauarbeiten beginnen können. Das Projekt der Seniorenwohnungen hat damit nun freie Bahn.

„Vom ersten Tag an ist alles planmäßig gelaufen“, sagt Johann Tebben, einer der Geschäftsführer von Tell & Tebben Immobilien GmbH aus Norden. Der Investor möchte auf dem Grundstück des ehemaligen Germann Seniorenwohnungen mit Betreuung durch einen Pflegedienst einrichten sowie drei Reihenhäuser. Während der Abriss schon recht zügig vonstatten ging, gehen die Bauarbeiten jetzt genauso zackig voran. Derzeit seien die Erdarbeiten dran. Bagger haben in den vergangenen Tagen eifrig alles umgegraben. Sand war schon diese Woche großflächig zu sehen. Vom ehemaligen Gasthof, an dem zahlreiche Erinnerungen hingen, keine Spur mehr. Auch von der mittelalterlichen Geschichte des Dorfes konnten die Archäologen schon zuvor nichts mehr finden. Das teilte Sebastian Schatz, Pressesprecher der Ostfriesischen Landschaft, auf Nachfrage mit.

Erdschichten durcheinandergemischt

Die Erdschichten auf dem Gelände seien durch den letzten Bau des Gasthofs Germann stark verändert worden. Unter Germann war es auf dem Grundstück wider Erwarten stark fundamentiert, so Schatz. Die Bauarbeiter haben es offenbar beim Bau des Gasthofes zu gut gemeint. Es sei dort so stark ausgekoffert worden, sagt der Landschafts-Pressesprecher, dass die Erdschichten vermischt sind. Das was für die Archäologen also interessant gewesen wäre, konnte so nicht mehr untersucht werden, wie es sich die Forscher erhofft hatten.

Die Nähe zur mittelalterlichen Backsteinkirche hätte eventuell Rückschlüsse auf die Zeit geben können, in der sich das Dorf Westerende-Kirchloog in seinen Anfängen befand. Am Ortseingang endet etwa der Münkeweg. Die heutige Kreisstraße war im Mittelalter die Verbindung vom damaligen Ihlower Zisterzienserkloster im Wald zu den westlichen Gebieten hin. Anfang des 13. Jahrhunderts entstand das Kloster im Wald. 1408 findet der Ort Westerende-Kirchloog erstmals Erwähnung, das geht aus den Aufzeichnungen der Ostfriesischen Landschaft hervor, die in der historischen Ortsdatenbank zu finden sind. Es wird geschätzt, dass die Kirche in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden ist.

Doch die Bauarbeiten vor fast hundert Jahren haben nun den Archäologen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zu finden war nichts, weshalb der Neubau nun pünktlich starten konnte. Der Investor rechnet damit, dass die Seniorenwohnanlage Ende dieses Jahres fertig wird. Ein Partner für die Betreuung der Senioren hat die Firma aus Norden auch gefunden: das „Pflegeteam Nordwind“ aus Upgant-Schott, die inzwischen auch mit einem Standort in Ochtelbur vertreten sind.

Ähnliche Artikel