Berlin Schnecke, Klon-Hund, Huhn: Die verrücktesten Haustiere halten die Promis
Barbra Streisand klont ihren Baumwollhund, Patricia Highsmith bringt Schnecken zur Party. Churchill übermalt eine Rubens-Maus. Und Oscar-Preisträger Ben Kingsley liebt ein Huhn. Wir haben die verrücktesten Haustiergeschichten der Promis gesammelt.
Der Liebe zum Tier sind in der Regel praktische Grenzen gesetzt. Ein Haustier muss in die Wohnung passen, sich mit den Kindern vertragen und halbwegs finanzierbar sein. Welche originalen Formen die Mensch-Tier-Beziehung annehmen kann, zeigt sich erst dort, wo Ruhm, Reichtum und Exzentrik alle alltäglichen Erwägungen vom Tisch wischen: bei den Promis. Fünf Fallgeschichten.
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Wer den ausdrucksstarken Eierkopf von Ben Kingsley vor Augen hat, könnte es für einen Witz halten: Aber der Oscar-Preisträger ist tatsächlich Hollywoods prominentester Fürsprecher der Legehenne! Wie jeder Nebenerwerbsbauer sieht auch Kingsley das Nutztier im Huhn. In Interviews spricht er freimütig über die Eier, die er sich am Abend gerne brät. Aber es ist mehr.
Kingsley gelingt es, die schizophrenen Haltungen des Menschen zum Tier zu versöhnen – und baut zum Tier, das ihn ernährt, zugleich eine profunde Beziehung auf: „Ich habe nur ein Huhn, aber das ist mir ergeben“, sagte er einmal dem Magazin „The Talks“ – und begründete die Wahl seines Haustiers mit einer verblüffenden Beobachtung am Huhn: „Ich mag das Geräusch.“ Seine Henne sei ein „reizendes, kleines Tier“, so Kingsley. „Sie ist freundlich und hat eine starke Persönlichkeit.“ In jedem Wort spürt man: Die Liebe ist gegenseitig.
Filmfans verbinden Tippi Hedren mit Krähen und Möwen. Mit denen malträtierte Alfred Hitchcock sie in seinem Klassiker „Die Vögel“ (1963). Privat umgibt die Diva sich mit Löwen und Geparden. Lange vor dem Netflix-Hit „Tiger King“ machte Hedrens Privatzoo Schlagzeilen. Mit ihrem damaligen Mann Noel Marshall machte sie ihr Hobby 1981 sogar zum Film: Gedacht war „Roar“ eigentlich als abenteuerliche Komödie. In die Geschichte ging er dann als „gefährlichster Film aller Zeiten“ ein.
Rund 150 Löwen, Tiger, Leoparden und Geparden wirkten mit, alle nicht für die Kamera trainiert. Mindestens 70 Cast- und Crew-Mitglieder sollen in mehr als zehn Drehjahren verletzt worden sein. Marshall selbst erlitt lebensgefährliche Bisse und eine Wundbrandinfektion. Hedren zog sich beim Elefantenritt Knochenbrüche zu und wurde von einem Löwen gebissen. Ihre Tochter Melanie Griffith musste nach einer Löwenattacke zum Gesichtschirurgen.
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Auch finanziell war „Roar“ eine Katastrophe. Von 17 Millionen Dollar Produktionskosten spielte der Film nur zwei Millionen wieder ein. Hedrens Liebe zur Raubkatze überstand den Flop. Ihre Enkelin Dakota Johnson, der Star aus „Fifty Shades of Grey“, berichtete 2020, dass ihre Oma immer noch 13 oder 14 Löwen und Tiger besitze.
Hier sehen Sie den Trailer zur Wiederaufführung von Tippi Hedrens „Roar“:
Großer Katzenfreund war auch der frühere britische Premierminister Winston Churchill. Er adoptierte den ursprünglichen Chef-Mäusejäger der britischen Admiralität. Nachdem der einen großen Hund verscheucht hatte, benannte ihn ob seiner Heldentat in „Nelson“ um und nahm ihn mit in die Downing Street. Anders als sein Pudel Rufus I. – dem später noch Rufus II. folgte – durfte Nelson bei Besprechungen des Kriegskabinetts dabei sein.
In seinem Landhaus Chartwell hielt Churchill im hohen Alter unter anderem auch Kater Jock. Das Anwesen ging nach Churchills Tod an den National Trust – mit der Auflage, dass immer ein roter Kater mit weißem Lätzchen und weißen Pfötchen in Chartwell Dienst tun soll. Derzeit ist Jock VII. im Amt: Er hat eine beachtliche Karriere hinter sich, vom ehemaligen Tierschutzkätzchen zum diensthabenden Kater in Chartwell.
Aber nicht nur um Katzen, sondern auch um deren Kontrahenten kümmerte sich Churchill: In Chequers, dem Landhaus der britischen Premierminister, störte er sich derart an Rubens’ Gemälde „Der Löwe und die Maus“, dass er eines Tages selbst zum Pinsel griff. Weil die Maus auf dem Kunstwerk kaum zu sehen war, malte Churchill sie mit hellerer Farbe über. Wer heute auf dem Gemälde die Maus sucht, kann die Frustration des Premierministers nachvollziehen: Seine Korrekturen wurden in den 1970ern entfernt, die Maus ist wieder so gut wie unsichtbar.
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Ein Kind, das seinen Sittich begräbt, begreift: Das Leben ist endlich. Aber nicht allen gelingt es, den Tod zu akzeptieren. Barbra Streisand beispielsweise konnte das Ende ihrer Samantha nicht ertragen. Unmittelbar vor dem Tod des Baumwollhunds schickte sie seine Zellen zur Klon-Firma ViaGen schicken. Die Klone dauern, der Schmerz ist groß: Streisand adoptiert auch noch den herrenlosen Maltipoo Sadie. Und dem Züchter der verstorbenen Samantha kauft sie einen weiteren Baumwollhund ab: Miss Fanny. Dann ruft ViaGen an: Gleich vier Klone sind gelungen beziehungsweise eher drei: Einer ist schon wieder tot. So ganz perfekt ist die Technik wohl nicht. Die drei Überlebenden kriegt Streisand auch noch.
Klon-Hunde auf Barbra Streisands Instagram-Account:
„Zu viel für mich“, schreibt sie in der „New York Times“. Sie hatte sonst immer nur einen Hund zurzeit und den dann immer bei sich. Mit dem Rudel geht das nicht. Streisand verschenkt den Sadie an Kollegen, einen den Klone auch. Die anderen zwei werden Miss Violet und Miss Scarlett getauft und mit Miss Fanny zusammengebracht. „Den Look eines Hundes kann man klonen, die Seele nicht”, schreibt die nachdenkliche Halterin später. Für Außenstehende sehen allerdings alle drei vollkommen gleich aus, auch das genfremde Tier. Womöglich kann man sich die 50.000 Dollar für das Klonen also auch sparen.
In Patricia Highsmiths Erzählung „Der Schneckenforscher“ beobachtet ein Finanzmakler zwei der Schnecken, die es eigentlich zum Dinner geben soll, bei der Paarung. Die Sinnlichkeit, aber auch die enorme Vermehrungsrate der Tiere fasziniert ihn. Er beginnt eine Zucht, wird wahnsinnig und findet unter Massen von Schnecken den Tod. Der Abgrund, in den die Autorin hier blickt, ist selbstverständlich ihr eigener: Auch die Thriller-Autorin hielt Schnecken als Haustiere. Am 28. Juli 1946 notiert sie im Tagebuch, dass sie einige der Tiere sammelt, am 28. September hat sie dann schon elf, am 15. November dann 33 – plus zwei Höhlen voller Eier. Später sollen es Hunderte geworden sein.
Zum Legendenschatz der Highsmith-Philologie gehören Partys, auf denen die Autorin mit Handtaschen voller Schnecken erscheint. Und weil man Schnecken nicht nach Frankreich einführen durfte, soll sie ihre am Zoll vorbeigeschmuggelt haben – im Dekolletee. Warum jede einzelne das Risiko wert war, auch das erklären die Tagebücher. Am 11. August 1946 notiert die 25-jährige Highsmith: „Der Mensch hat nicht mehr Seele als eine Schnecke.“