Neue Pläne für markanten Ort  Stadt Norden hat Marktpavillon gekauft

Rebecca Kresse
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Von Rebecca Kresse
| 08.02.2024 16:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Pavillon auf dem Norder Marktplatz soll ein zentraler Begegnungsort werden. Foto: Rebecca Kresse
Der Pavillon auf dem Norder Marktplatz soll ein zentraler Begegnungsort werden. Foto: Rebecca Kresse
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Die Stadt Norden hat den Marktpavillon gekauft und will diesen dem neuen Verein Kulturbrennerei Doka zur Verfügung stellen. Geplant sind eine Begegnungsstätte und auch wieder ein Café.

Norden - Nach langem Hin und Her hat die Stadt Norden in der verganenen Woche den Pavillon auf dem Norder Marktplatz gekauft. Das bestätigte Bürgermeister Florian Eiben im Gespräch mit unserer Zeitung. Dieser soll einer „repräsentativen Nutzung“ zugeführt werden und zum Aushängeschild für die Stadt werden, heißt es von der Verwaltung. Dabei spielt der neue Norder Verein Kulturbrennerei Doka eine entscheidende Rolle.

Der Norder Marktplatz

Nordens Marktplatz ist von historischen Baudenkmälern wie der Mennonitenkirche, der Ludgerikirche mit freistehendem Glockenturm und dem Rathaus umgeben. Der Norder Marktplatz ist mit knapp sieben Hektar einer der größten baumbestandenen Marktplätze Europas. Auf dem zentralen Torfmarkt finden montags und sonnabends der Wochenmarkt statt. Hier schließt sich auch der denkmalgeschützte Marktpavillon an, der in den 1950er-Jahren als Wartehäuschen für die benachbarten Bushaltestellen errichtet und in der Vergangenheit unter anderem als Café genutzt wurde. 2022 ist das Café aus dem Marktpavillon ausgezogen. Um den Leerstand zu überbrücken, ist dort die Klaus-Peter-Wolf-Ausstellung eingezogen.

Der Verein will den gesamten Pavillon übernehmen, dort eine zentrale Begegnungsstätte mit Cafébetrieb und eine Ausstellung schaffen. Am Mittwoch präsentierten Vertreter des Vereins ihre Pläne im Ratsausschuss für Jugend, Bildung, Soziales und Sport. Grundsätzlich möchte der Verein ein Projekt auf dem Doornkaat-Gelände aufbauen (wir berichteten). Bis das Gelände tatsächlich nutzbar ist, wird es aber noch eine ganze Weile dauern. Deshalb gab es von der Stadt das Angebot, quasi als Übergang, den Marktpavillon zu nutzen, so Gesine Agena vom Vereinsvorstand.

„Kauf einen Kaffee für einen Freund“

Im Vordergrund stehe dabei ein „Marktpavillon für alle“. Das Konzept setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen. Zum einen soll ein gemeinwohlorientiertes Café für alle Menschen in Norden entstehen. Dort soll es eine Auswahl an heißen und kalten, aber nicht alkoholischen Getränken geben, ergänzt durch einen kleinen Mittagstisch. „Wir möchten die Gratwanderung gehen zwischen einem gastronomischen Betrieb, der sich wirtschaftlich so weit trägt, dass das Personal getragen werden kann, aber der den Gastronomen in Norden nicht die Kundschaft abgräbt“, sagte Vorstandsmitglied Tina Schipper. Dazu gehören zum Beispiel Aktionen wie: „Kaufe einen Kaffee für einen Freund“. So könnten Menschen, die kein Geld für einen Kaffee haben, ins Café kommen und sich einen Kaffee abholen, erklärte Schipper. Ein Gastronom, ein ehemaliger Norder, der seit Jahren in Hamburg in dem Bereich tätig ist, soll das Café leiten.

Dieses gastronomische Angebot soll eingebunden werden in einen kulturellen Begegnungsort, der im gesamten Marktpavillon Platz finden soll. Da, wo zurzeit noch die Norder Stadtwerke ein Büro haben, soll laut Schipper ein Ort entstehen, an dem sich Menschen beteiligen können, wo Menschen ihre Perspektive auf die Stadt Norden einbringen können. „Wir möchten gerne die Stadtgeschichte Nordens auf eine moderne Art darstellen und mit Menschen ins Gespräch kommen, was Norden für sie bedeutet, was sie sich wünschen für die Stadt“, erklärte Schipper. Außerdem seien kulturelle Veranstaltungen vorgesehen, wie zum Beispiel kleine Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen für Künstler. „Im Prinzip soll es eine Mikro-Form dessen sein, was wir gerne auf dem Doornkaat-Gelände machen wollen“, sagte sie.

Förderantrag beim Bundesministerium gestellt

Um die Pläne auch finanziell umsetzen zu können, hat der Verein beim Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung im Bereich soziale Dorfentwicklung einen Förderantrag gestellt. Eine Antwort auf diesen Förderantrag steht noch aus.

Zurzeit ist in einem Teil des Pavillons die Klaus-Peter-Wolf-Ausstellung untergebracht. Das war aber von vornherein nur für den Übergang geplant. Die Ausstellung soll grundsätzlich ins ehemalige Pflüger-Gebäude ziehen, wo sich schon die Filmstudios für die Drehs der Ostfriesenkrimis befinden.

Bürgermeister ist großer Unterstützer des Projekts

Zurzeit ist der Marktplatz und das Areal rund um den Marktpavillon laut Stadt und Polizei eher ein Gefahrenort. Jugendliche und junge Erwachsene halten sich oft am Pavillon auf, sind laut, trinken Alkohol, stehen unter sonstigem Drogeneinfluss und haben bereits mehrere Straftaten vor Ort begangen, heißt es in der Ausschussvorlage der Verwaltung. Von anderen Bürgern werde der Ort deshalb in den letzten Monaten vermehrt gemieden. Es wurde bereits ein runder Tisch zu dieser Thematik in der Stadt Norden eingerichtet, dem aktuell ein Mitglied der Kulturbrennerei Doka angehört, perspektivisch wird die Teilnahme ausgebaut werden, heißt es.

Deshalb ist es für Florian Eiben vor allem auch ein sozialpolitisches Projekt, den Marktpavillon dem Verein Kulturbrennerei Doka zur Verfügung zu stellen, wie er sagte. „Ich finde die Ideen des Vereins hervorragend“, sagte Eiben. Vor allem auch, weil es ein Verein ist, der nicht gewerbsmäßig im Pavillon ein Café betreiben will, in dem auch Speisen zubereitet werden. Das ist wegen der baulichen Voraussetzungen nicht möglich.

„Hier geht es um den sozialpolitischen Aspekt, es ist gemeinnützig oriententiert und wird auch viel über ehrenamtliche Beteiligung laufen“, so Eiben. Er selbst hofft auch auf eine richtige Kinderecke, damit auch Eltern mal in Ruhe einen Kaffee trinken können. So etwas gebe es noch nicht in Norden. Vor allem aber schaffe das neue Projekt eine Belebung des Marktplatzes – auch zu den Marktzeiten. Das sei der Wunsch vieler Norder. Aus Sicht des Bürgermeisters also eine „eine Win-win-Situation“ sowohl für die Stadt als auch für den Verein, der einfach schon mal loslegen kann, bis das Doornkaat-Gelände zur Verfügung steht.

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