Schwerer sexueller Missbrauch  Stieftochter missbraucht – Zeugen enthüllen Familiendrama

Bettina Keller
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Von Bettina Keller
| 09.02.2024 14:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wegen schweren sexuellen Missbrauchs muss sich ein Mann aus Wilhelmshaven vor dem Landgericht Aurich verantworten. Foto: Ortgies
Wegen schweren sexuellen Missbrauchs muss sich ein Mann aus Wilhelmshaven vor dem Landgericht Aurich verantworten. Foto: Ortgies
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Ein Wilhelmshavener soll seine Stieftochter und deren Freundin missbraucht haben. Zeugen berichten im Auricher Landgericht Verstörendes.

Aurich - „Sie hat mir unter Tränen davon erzählt. Ich war sehr fassungslos“, sagte der Ex-Freund des mutmaßlichen Opfers im Prozess um schweren sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen in Wittmund vor dem Auricher Landgericht. Der 27-Jährige ist neben einer 26-jährigen Wiesmoorerin der einzige, der von der Geschädigten eingeweiht worden ist. Im familiären Umfeld ahnte hingegen niemand etwas von den schrecklichen Geschehnissen. Weder die Mutter, noch der Stiefbruder – das ergaben die Zeugenvernehmungen am Freitag, 9. Februar 2024.

Die Staatsanwaltschaft legt einem 55-jährigen Wilhelmshavener zur Last, sich zwischen März 2007 und Oktober 2010 in 132 Fällen an seiner Stieftochter vergangen zu haben, als das Kind zwischen neun und zwölf Jahre alt war. Im Zusammenhang mit den Taten soll er auf dem Computer Pornos laufengelassen haben. Einmal war eine Freundin des Mädchens sein Opfer. Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe zum Prozessauftakt am 19. Januar.

Ex-Freund fällt die Aussage schwer

Nach Würdigung der Aussage der inzwischen 27-jährigen Geschädigten geht die zweite Große Strafkammer von einer geringeren Anzahl von Taten aus als angeklagt, nämlich von 43 Fällen. Eine weitere Tat zum Nachteil einer damaligen Freundin des Mädchens bleibt bestehen.

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Der Ex-Freund berichtete dem Gericht, was er noch wusste: „Der Angeklagte hat sie sexuell missbraucht, angefasst und so, wohl auch öfter.“ Ihm falle es schwer, darüber zu reden, erklärte er stockend, als ihn der Vorsitzende Richter Bastian Witte nach Details fragte. „Ich weiß zu hundert Prozent, dass er sie nachts öfters angefasst hat“, meinte er schließlich. Er habe ihr geraten, zur Polizei zu gehen – „sie hatte fürchterlich Angst, ihr glaubt keiner“.

Rucksack mit Pornovideos auf dem Dachboden gefunden

Die 47-jährige Mutter des Opfers machte kein Hehl aus ihrer Abneigung gegen ihren Ex-Mann. Nach der Trennung habe sie einen Rucksack mit Pornovideos auf dem Dachboden gefunden, und zwei Taschen mit Rechnungen. Auf seinem alten Handy, das sie verkaufen wollte, habe sie Kinderpornos gefunden. Das Material existiere nicht mehr. „Ich habe alles vernichtet, denn ich wollte die Zeit mit ihm vergessen“, sagte die Zeugin. Aufgrund seiner Gelegenheitsjobs habe sie finanziell für die Familie gesorgt: „Ich war fünf Tage die Woche arbeiten.“ Er sei „so gut wie immer“ zu Hause gewesen. Hinterlassen habe er ihr „nur Schulden“.

Zusammen mit dem Angeklagten hat sie einen inzwischen 22-jährigen Sohn. „Ich kann mich ganz schwach erinnern, durch Zufall gewisse Videos gesehen zu haben, als er nicht vor dem Computer saß“, schilderte der eine Beobachtung, die er damals gemacht hatte. Zu seiner Stief-Schwester habe er ein brüderliches Verhältnis gehabt. Sie hätten über vieles wie Schule oder Beziehungen geredet. Dennoch: „Mir hat sie nie was gesagt“, meinte er. Über den Stiefvater habe sie „kein Wort“ gesprochen.

Auch Freundin der Stieftochter Opfer

Dass es zum Nachteil einer Freundin des Opfers eine Tat gab, bestätigte eine 35-jährige Zeugin aus Varel. Bei einem intensiven Gespräch über unschöne Erfahrungen in der Kindheit habe sie Folgendes erfahren: „Sie hat ihre Freundin besucht, doch sie war nicht da. Er hat sie hereingelassen, in einen Raum geholt, einen Porno angemacht und sie im Intimbereich angefasst.“

Der Prozess wird am 21. Februar ab 9 Uhr in Saal 116 beendet. Vor den Plädoyers soll per Videoschaltung ein Arzt vernommen werden.