Hannover Gesprengte Geldautomaten: Muss es erst Tote geben?
Noch immer fliegen in Niedersachsen reihenweise Geldautomaten in die Luft. Das Land setzt auf Gespräche mit den Banken statt auf Verpflichtungen zum Schutz. Warum so zögerlich?
Deutschland ist ein Paradies. Jedenfalls für Geldautomatensprenger. Nachdem die Banken in den Niederlanden es den Tätern durch technische Vorkehrungen so unattraktiv wie möglich gemacht haben, kommen die Räuber regelmäßig über die Grenze nach Deutschland, um hier Geldautomaten in die Luft zu jagen und mit der Beute davonzurasen.
Dass es dabei bislang bei Sachschäden geblieben ist, grenzt an ein Wunder. Vollständig verwüstete Sparkassen-Vorräume zeugen von der Wucht der Detonationen. Hinzu kommen halsbrecherische Fluchten in hochmotorisierten Fahrzeugen. Die skrupellosen Täter scheinen zu allem bereit zu sein. Sie riskieren nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das von unschuldigen Menschen und von Polizisten, die die Verfolgung aufnehmen.
Zumindest in Niedersachsen sind die Explosionen rückläufig, seit die Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Osnabrück ihre Arbeit aufgenommen hat. Ein guter und richtiger Schritt, der aber nicht ausreicht.
Vielmehr müssen die Banken und Sparkassen selbst tätig werden, um Angriffe auf ihre Geldautomaten zu verhindern. Technische Systeme, die die Banknoten bei einer Explosion verfärben oder verkleben und damit unbrauchbar machen, gibt es längst, sie müssen nur angewendet werden.
Justizministerin Kathrin Wahlmann und der damalige Innenminister Boris Pistorius (SPD) waren sich eigentlich einig darin, die Geldinstitute gesetzlich in die Pflicht nehmen zu wollen und eine entsprechende Bundesratsinitiative zu starten. Pistorius‘ Nachfolgerin Daniela Behrens (SPD) allerdings gab zunächst Gesprächen mit Bankvertretern den Vorzug und bremste das Vorhaben damit aus.
Die Gespräche dauern seit Monaten an. Konkrete Ergebnisse wie etwa eine freiwillige Selbstverpflichtung der Banken, ihre Automaten besser zu schützen, gibt es bislang nicht. Warum lässt das Land sich so lange hinhalten und nimmt in Kauf, dass es beinahe wöchentlich neue Meldungen über explodierte Geldautomaten gibt?
Ob per Gesetz oder freiwillig: Die Geldautomaten gehören besser geschützt – und zwar so schnell wie möglich, bevor die gemeingefährlichen Sprengungen erste Menschenleben kosten.