Unfälle am Hoheberger Weg in Aurich  ADFC fordert bessere Überwege für Radfahrer

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 14.02.2024 18:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Juli vorigen Jahres wurde im Hoheberger Weg eine Radfahrerin tödlich verletzt. Der ADFC fordert daher mehr Sichtbarkeit für Radfahrer. Foto: Heino Hermanns
Im Juli vorigen Jahres wurde im Hoheberger Weg eine Radfahrerin tödlich verletzt. Der ADFC fordert daher mehr Sichtbarkeit für Radfahrer. Foto: Heino Hermanns
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Am Montag hat ein Lastwagen im Hoheberger Weg beim Abbiegen in die Sandhorster Allee eine Radfahrerin erfasst. Das ist nicht zum ersten Mal passiert.

Aurich - Es ist wieder passiert: Zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten ereignete sich am Hoheberger Weg ein Unfall zwischen einem Lastwagen und einer Radfahrerin an der Einmündung der Sandhorster Allee in den Hoheberger Weg. Am Montag wurde eine 39-Jährige verletzt, weil ein 35-jähriger Lkw-Fahrer sie beim Rechtsabbiegen übersehen hatte.

Dramatischer waren die Folgen im Juli vorigen Jahres. Damals verstarb eine 84-jährige Radfahrerin, nachdem sie von einem Lastwagen erfasst worden war. Auch damals wollte der Fahrer nach rechts in die Sandhorster Allee abbiegen und hatte das Zweirad übersehen.

Vorschlag: Ampel soll Radlern Vorrang geben

Für den ADFC Aurich ist die Sache klar: Der Hoheberger Weg, insbesondere die Einmündung der Sandhorster Allee an der provisorischen Ampelanlage, ist unsicher für Radfahrer. Es müsse etwas geschehen, fordert Albert Herresthal für die Radfahrervereinigung. „Es gibt keine einfache Lösung“, weiß auch der Fahrrad-Lobbyist. Das sei aber kein Grund, nichts zu unternehmen.

So könnte man bei der Ampelanlage zunächst nur den Radfahrern grünes Licht geben. Autos und Lastwagen müssten etwas warten. So hätten die schwächeren Verkehrsteilnehmer die Chance, die Sandhorster Allee gefahrlos zu überqueren. Das aber kann an der Stelle nur eine vorübergehende Lösung sein. Denn die Ampelanlage steht dort nur wegen der Bauarbeiten in der Fockenbollwerkstraße. Diese soll Mitte des Jahres fertig werden - dann verschwindet auch die große Ampel. Zurück bleibt lediglich eine Fußgängerampel.

Schwellen für Radfahrer gefordert

Deswegen wiederholt Herresthal eine Forderung des ADFC: „Radfahrer gehören auf die Straße, weil sie dann im Sichtfeld der Auto- und Lastwagenfahrer sind.“ Viele hätten das Gefühl, dass ein Radweg sicherer sei als die Fahrbahn. Gerade im Hoheberger Weg stimme das aber nicht. Denn dort gebe es keinen Radweg, sondern nur einen Gehweg, auf dem Radfahrer geduldet würden. Der Unterschied: Nutzen Radfahrer diesen Gehweg, dürfen sie nur Schrittgeschwindigkeit fahren.

Im Hoheberger Weg dürfen Radfahrer den Gehweg nutzen - aber nur in Schrittgeschwindigkeit. Foto: Romuald Banik
Im Hoheberger Weg dürfen Radfahrer den Gehweg nutzen - aber nur in Schrittgeschwindigkeit. Foto: Romuald Banik

Eine bauliche Veränderung, nicht nur an dieser Einmündung, könnte laut Herresthal am besten helfen. „Man müsste Geh- und Radwege an Kreuzungen nicht auf Straßenniveau absenken, sondern die Fahrbahn anheben.“ Entstehen würde eine Schwelle. Kraftfahrer würden deutlich wahrnehmen, dass sie einen Radweg kreuzen.

„Kleiner Damm“ nicht überall möglich

Nach dem tödlichen Unfall im vorigen Jahr hat es laut Helmut Lücht, Leiter des Auricher Ordnungsamtes, eine Begehung zusammen mit der Polizei gegeben. Danach habe es aber keine Änderungen an der Kreuzung gegeben. Das Problem gebe es an vielen Stellen im Stadtgebiet. „Radfahrer müssen besser wahrgenommen werden.“ Eine Erhöhung der Rad- und Fußwege, wie von Herresthal vorgeschlagen, kann sich auch Lücht vorstellen. Teilweise sei das ja auch im Stadtgebiet schon umgesetzt worden. Als Beispiele nannte er die Popenser Straße und den Eikebuscher Weg. Es sei auch an einer Einmündung in die Esenser Straße geplant, eine solche Schwelle für Radfahrer einzubauen.

Das funktioniere aber nicht überall, sagt Lücht. Wenn der Radweg zu nah an der Einmündung verlaufe, könne man keine Schwelle einbauen. Das sei zum Beispiel bei der Sandhorster Allee am Hoheberger Weg der Fall. Würde dort der Radweg auf einem kleinen Damm verlaufen, könnten Fahrzeuge, die aus der Sandhorster Allee kämen, sich dort nicht mehr richtig aufstellen. Anders sei das bei Einmündungen, bei denen der Radweg verschwenkt sei. Dort könne man so etwas überlegen. „Es ist aber auch immer eine Frage des Geldes.“

Ordnungsamt: Ampelschaltung würde Verkehrsfluss bremsen

Beim Hoheberger Weg verweist Lücht darauf, dass die Haltelinie an der Ampel bewusst zurückgesetzt sei. Haltende Fahrzeuge hätten so einen größeren Überblick über andere Verkehrsteilnehmer. Auch gebe es dort ein Blinklicht, das vor Fußgängern und Radfahrern warnt. Eine Bevorzugung für Radfahrer bei der Ampelschaltung sieht er hingegen nicht als umsetzbar an. Denn das würde den Verkehrsfluss hemmen, zumal es dann auch Begehrlichkeiten an anderen Kreuzungen und Einmündungen im Stadtgebiet geben würde.

Die Grundproblematik sei, so Herresthal, dass immer erst etwas passieren müsse, ehe etwas geändert werde. Im Hoheberger Weg habe es nun zwei Unfälle mit Radfahrerinnen gegeben. Es sei an der Zeit, dass sich dort etwas ändere.

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