Uli Berns ist zurück Nach Krebs-OP – Germania Leers gute Seele massiert wieder
Der Kultbetreuer und Masseur von Germania Leer ist seit Beginn dieser Saison wieder an Bord. Der 75-jähirge Uli Berns ist ein Unikum und hat früher viele Kinder auch als Weihnachtsmann erfreut.
Leer - Die letzten Jahre waren für Ulrich Berns aus gesundheitlichen Gründen alles andere als einfach. Vor vier Jahren erlitt er einen Herzinfarkt. Wenig später wurde aufgrund von Schluckbeschwerden auch noch Speiseröhrenkrebs festgestellt. Aber der Masseur und Betreuer vom Fußball-Bezirksligisten Germania Leer ließ sich nicht unterkriegen. Die optimistische Lebenseinstellung und die große Unterstützung durch seine Familie haben ihm sicher auch dabei geholfen, die schwere Zeit zu überstehen. Auch im Gespräch vermittelt der 75-Jährige eine sehr positive Ausstrahlung. „Soweit geht es mir wieder ganz gut, mit einigen Einschränkungen muss ich natürlich leben.“
Mit Gleichgewichtsstörungen hat er etwas zu kämpfen, seine Stimme ist nach den Operationen etwas höher, auch auf das Autofahren muss er mittlerweile verzichten. Für längere Strecken in der Umgebung hat er sich ein Elektromobil zugelegt. Aber ohne seine Germania wollte er auch nach den gesundheitlichen Schicksalsschlägen nicht weiterleben. Vor der Saison sprachen sein Freund und Torwarttrainer Xavier Rieger und Chefcoach Erhan Colak mit der guten Seele von Germania Leer, ob er sich nach der krankheitsbedingten Auszeit eine Rückkehr vorstellen könne. Er konnte, auch wenn seine Frau und die Familie erst überzeugt werden mussten und von der Idee nicht gerade begeistert waren.
„Einfach ein herzensguter Mensch“
„Zunächst hatten wir uns darauf geeinigt, dass ich die Heimspiele mache, auf die Abend- und Auswärtsspiele verzichte. Mittlerweile bin ich aber wieder bei fast jedem Spiel dabei“, grinst Berns und freut sich, dass er wieder ganz fest zum Leeraner Team gehört. „Er ist einfach ein herzensguter Mensch“, meint Xavier Rieger.
Seit 2010 ist er nun schon für Germania Leer aktiv. Im Keller in seiner Wohnung in der Evenburgallee unweit des Stadions hat er sogar eine Massagebank, die Spieler können bei ihm vorbeikommen und ihre Beschwerden behandeln lassen. An der Kellerwand zeigt er ganz stolz auf die vielen Bildercollagen, die ihm zum Dank nach den ganzen Germania-Jahren geschenkt wurden. In dieser Spielzeit haben die Leeraner auch viele internationale Spieler, die die deutsche Sprache erst noch lernen müssen, aber die Verständigung ist für den gebürtigen Oberhausener überhaupt kein Problem. „Die tippen dann auf die Stelle, und dann kann ich loslegen.“
Als Zeitsoldat nach Leer gekommen
Schon 1969 kam er als Zeitsoldat in die Evenburgkaserne nach Leer und hat es nie bereut, in Ostfriesland ganz heimisch geworden zu sein. 1973 hat er seine Helga geheiratet, im letzten Jahr konnten sie ihre Goldene Hochzeit feiern, die Töchter Heike und Mirjam sowie Sohn Michael kamen in Leer zu Welt. Und so freut er sich über die regelmäßigen Besucher der großen Familie mit sechs Enkeln und schon vier Urenkeln, die alle in der näheren Umgebung wohnen.
Sein Sohn Michael spielte in den 80er Jahren einst auch für Borussia und Germania Leer, Berns selbst hat nie Fußball gespielt. „Ich war früher Extremsportler, habe kilometerlange Läufe in der Bundesuniform absolviert.“
Masseur ein „Traumberuf“
Der gelernte Schlosser entschied sich nach der 15-jährigen Phase als Zeitsoldat, eine Ausbildung als Masseur zu machen. „Ein Traumberuf, etwas Schöneres hätte ich nie starten können. Genauso wie ich mich jetzt auf den Fußballplätzen freue, viele alte Betreuer und ehemalige Spieler wiederzusehen, laufen mir auch viele alte Patienten dankend über den Weg. Das ist mir auch schon beim Urlaub im Sauerland passiert“, so Berns.
Täglich pendelte er zu seinen Arbeitsstätten an die ostfriesische Küste, in Bensersiel war er jahrelang in einer Kurklinik tätig. 2010 wurde er dann Betreuer und Masseur der zweiten Germania-Mannschaft, ein guter Freund und Nachbar hatte den Kontakt hergestellt. Zuvor knetete er bereits die geschundenen Waden der Spieler von Amisia Papenburg und Frisia Loga. „Mir macht die Arbeit mit den jungen Spielern unheimlich viel Spaß, die könnten ja auch vom Alter her alle meine Enkel sein.“ Manchmal findet er aber auch deutliche Worte. Als kürzlich ein Spieler mit der Schere einen Stutzen kürzen wollte, musste Berns lauter werden. Aber das ist bei dem Menschenfreund auch ganz schnell wieder vergessen.
Als Weihnachtsmann in Leer unterwegs
In früheren Jahren hatte er in der Weihnachtszeit noch eine weitere Nebenbetätigung. Unzählige Leeaner Kinder beglückte Uli Berns auch als Weihnachtsmann. „Den Bart und Bauch hatte ich damals ja auch schon“, muss Berns lachen.
Sein größtes sportliches Geschenk wäre es, wenn er nach bereits zwei erlebten Aufstiegen mit Germania Leer am Ende der Saison den Sprung in die Landesliga feiern könnte. Aufgrund der dann weiteren Auswärtsfahrten in der kommenden Saison müsste er über eine Verlängerung seiner Tätigkeit erst mit der Familie in die Verhandlungen gehen. Die Aussichten für Germania Leer dürften aber nicht so schlecht stehen, dass die gute Seele von Germania Leer auch eine Liga höher an Bord bleibt.