Hohe Kosten  Umzug der Krummhörner Verwaltung um jeden Preis?

Lotta Groenendaal
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Von Lotta Groenendaal
| 19.02.2024 16:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die ehemalige OLB-Filiale beherbergt nun Teile der Verwaltung der Gemeinde Krummhörn. Foto: Wagenaar/Archiv
Die ehemalige OLB-Filiale beherbergt nun Teile der Verwaltung der Gemeinde Krummhörn. Foto: Wagenaar/Archiv
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Hohe Mietkosten, langer Leerstand. War der Umzug der Krummhörner Verwaltung in das ehemalige OLB-Gebäude in Pewsum überhaupt notwendig? Wir haben bei der Bürgermeisterin nachgefragt.

Pewsum - Rund 73.000 Euro hat der Umzug der Verwaltung der Gemeinde Krummhörn in das ehemalige OLB-Gebäude bisher gekostet. Mit dieser Summe wurde im Jahr 2023 vor allem der Leerstand finanziert: Mitarbeiter konnten das Gebäude noch nicht nutzen, aber Mieten und Sanierungsarbeiten wurden bezahlt. Nun hat Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) zu den hohen Kosten Stellung bezogen.

Bereits die 2100 Euro Warmmiete im Monat (1.800 Euro kalt) sorgten unter Bürgern für Aufsehen. Bei einer Nutzfläche von rund 180 Quadratmetern leitet sich daraus ein Quadratmeterpreis von zehn Euro ab. Das liegt knapp unter dem Durchschnittswert von Büros mit mittlerem Nutzungswert in Deutschland, Großstädte inbegriffen. Nun ist Pewsum nicht Hamburg oder München, und auch in Berlin gibt es vergleichbare Angebote bei ähnlichem Nutzungswert.

Neues Gebäude für neuen Fachbereich

Auf Nachfrage dieser Zeitung heißt es, dass die rund 25.000 Euro Mietkosten im Jahr „unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren als angemessen erachtet (wurden), um die Bedürfnisse der Verwaltung zu erfüllen.“ Diese Bedürfnisse beinhalten vor allem den akuten Platzmangel im Rathaus. Der neu gegründete Fachbereich 4, „der neben dem Personalbereich für die innere Organisation, Gremienarbeit und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist,“ wird nun mit allen acht Mitarbeitern in das neue Gebäude umziehen.

Die Entscheidung für die Anmietung des Gebäudes falle vorwiegend unter die Kompetenz der Verwaltung, heißt es aus dem Bürgermeisteramt. Als Teil der sogenannten laufenden Verwaltungsgeschäfte konnte die ehemalige OLB-Filiale neben dem Rathaus somit ohne Rücksprache mit der Politik angemietet werden.

Andere Optionen wurden in Betracht gezogen

Nun hat die Gemeinde also ein weiteres Gebäude hinzugewonnen, um den Platzbedarf der Verwaltung zu decken. Und zwar für die vorhersehbare Zukunft, denn der Mietvertrag wurde über eine Mietdauer von zehn Jahren abgeschlossen. Die Gründe für diese Entscheidung erklärt die Bürgermeisterin wie folgt: „Ein Mietvertrag über zehn Jahre wurde abgeschlossen, um Planungssicherheit für die Verwaltung zu gewährleisten und die Kosten langfristig zu stabilisieren.“

Ohne genaue Angaben zu nennen, heißt es von der Bürgermeisterin, dass auch andere temporäre Optionen für den Umzug der acht Verwaltungsmitarbeiter in Betracht gezogen wurden. „Jedoch boten sie nicht die erforderlichen Vorteile hinsichtlich Lage, Größe und Kosten.“ Die ehemalige OLB-Filiale scheint demnach die ideale Erweiterung zu sein.

Die Arbeit von zu Hause als Alternative der Zukunft

Es gab auch Überlegungen von Seiten der Bürgermeisterin, die Anmietung eines neuen Gebäudes durch ein ausgebreitetes Angebot an Home-Office-Optionen zu ersetzen. In Teilbereichen werde davon bereits Gebrauch gemacht. Aber: Es gebe „bestimmte Aufgaben und Funktionen in der Verwaltung, die eine physische Präsenz erfordern, insbesondere im Umgang mit sensiblen Daten und Bürgeranfragen,“ heißt es aus dem Rathaus.

Auf lange Sicht wolle man aber daran arbeiten, dass nicht mehr alle Arbeitsplätze in der Verwaltung ständig belegt sein müssen. Konkret möchte die Gemeinde vor allem Digitalisierungsprozesse, Co-Working und andere flexible Arbeitsmodelle vorantreiben. So soll der bereits vorhandene Platz möglichst effektiv genutzt werden.

Sanierungskosten wurden von der Gemeinde getragen

Neben den Mietkosten haben vor allem die Umbauarbeiten der Gemeinde einiges gekostet. 46.000 Euro hat die Gemeinde für die Herrichtung bezahlt. Während dieser Umbauperiode, in der das Gebäude noch nicht nutzbar war, hat die Gemeinde trotzdem den vollen Mietpreis entrichtet. Die Bürgermeisterin begründet das damit, „dass die Räumlichkeiten für die Verwaltung reserviert waren“ und deshalb die vereinbarten Mietkosten über diesen Zeitraum aufgrund der vertraglichen Vereinbarungen voll gezahlt wurden.

Auch hinsichtlich der Zahlung der gesamten Sanierung durch die Gemeinde, ohne Beteiligung des Vermieters, hat sich die Bürgermeisterin gegenüber dieser Zeitung geäußert. So mussten die vorhandenen Räumlichkeiten an die spezifischen Bedürfnisse der Verwaltung angepasst werden. Dadurch wurde die Notwendigkeit der Übernahme der Kosten durch die Gemeinde begründet. Aber genau darin sieht die Bürgermeisterin auch Chancen: „Diese Investitionen sind langfristig von Nutzen und tragen dazu bei, die Effizienz und Funktionalität der Arbeitsumgebung zu verbessern.“

Nun ist der Umbau abgeschlossen und die Mitarbeiter der Verwaltung konnten das neue, alte Gebäude beziehen. Und sogar für einen zusätzlichen Mitarbeiteri ist Platz. Der neunte Büroarbeitsplatz kann von nun an zum Beispiel von Auszubildenden besetzt werden, die auf diese Weise Praxiserfahrungen sammeln können.

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