Maritime Wirtschaft Emder und Leeraner Häfen legen zu
Die Hafenstandorte Emden und Leer brauchen sich im niedersächsischen Vergleich nicht zu verstecken. Und das liegt tatsächlich an einem immer noch nicht ganz so angesagten Produkt.
Oldenburg - Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hat am Montag die Bedeutung der Seehäfen für ganz Europa betont. Insbesondere erwähnte er Emden und die Rolle des Hafens etwa für das Nato-Großmanöver „Steadfast Defender“. Zugleich sehen Experten aufgrund geopolitischer Spannungen aber auch wachsende Herausforderungen für die maritime Wirtschaft.
„Es geht auch um die geopolitische Bedeutung der Seehäfen – wie etwa Emden“, sagte Lies auf einer Bilanz-Pressekonferenz zu den Seehäfen in Oldenburg. „Es geht hier um unsere Sicherheit.“ Gemeint war in diesem Fall neben der militärischen auch die Versorgungssicherheit. Der Wirtschaftsminister spielte damit nicht zuletzt auf den jüngsten Zwischenfall an. Die militant-islamistischen Huthi im Jemen hatten erneut einen Frachter im Roten Meer angegriffen. Das Schiff habe „katastrophale“ Schäden erlitten, erklärte die Miliz am Montagmorgen. Die Außenminister der EU-Staaten haben derweil den Start eines neuen Militäreinsatzes zur Sicherung der Handelsschifffahrt im Nahen Osten beschlossen. Grund: Die Huthi-Angriffe wirken sich mittlerweile erheblich auf die Weltwirtschaft aus – und damit auch auf die Seehäfen.
Ein Minus von sieben Prozent
In der Tat hätten hohe Energiekosten, ein nachlassendes Wirtschaftswachstum und geopolitische Spannungen die Bilanz der neun Häfen Brake, Cuxhaven, Emden, Leer, Nordenham, Oldenburg, Papenburg, Stade und Wilhelmshaven negativ beeinflusst, sagte André Heim, Geschäftsführer der Hafenmarketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen, am Montag. Insgesamt fiel der Seegüterverkehr 2023 im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent auf 50,58 Millionen Tonnen. So sei insbesondere die Nachfrage nach Kohle, die 2022 aufgrund der Energiekrise hoch war, stark gesunken. Düngemittel seien wegen der Sanktionen gegen Russland rückläufig.
Ganz anders sieht die Lage in Ostfriesland aus. Besonders überraschend: Die Zahl der in Emden umgeschlagenen Elektro- und Hybridfahrzeuge erhöhte sich laut Bilanz von genau 364.658 auf 456.463 Fahrzeuge, was einer Steigerung von mehr als 25,2 Prozent entspricht. Die Absatzschwierigkeiten des ID.4 aus Emden hatten im vergangenen Jahr schließlich eine andere Sprache gesprochen. Unterm Strich stieg der Autoumschlag in Emden um 16,4 Prozent auf 1,29 Millionen Fahrzeuge, der Umschlag von Windenergiekomponenten sogar um 65 Prozent.
Ein Plus von 40 Prozent
Die Gesamtbilanz des Emder Hafens lag mit drei Prozent im Plus, die von Leer sogar bei 40 Prozent. Gestiegene Volumina von Ziersteinen und Marmorkies hätten zu dem positiven Ergebnis in Leer beigetragen, so Heim von Seaports of Niedersachsen.
Auch wenn der Anteil der E-Autos am Gesamtautoumschlag in Emden noch gering sein mag, messen sowohl Wirtschaftsminister Lies aus auch Heim den elektrischen Modellen eine wachsende Bedeutung zu. Sie seien nämlich schwerer als die Verbrenner und die Schiffe bräuchten daher mehr Tiefgang. Schlussfolgerung: Die Außenems müsse vertieft werden. Leider hake es derzeit beim Bund, so SPD-Minister Lies über die rot-gelb-grüne Bundesregierung.
Ein Votum für die Emsvertiefung
Hintergrund sei, dass die geplante Tideniedrigwasseranhebung auf der Ems mit Hilfe des Emssperrwerks bei Gandersum für kurzfristig variierende Wasserstände im Außenhafen sorge, so Holger Banik, Geschäftsführer der Niedersachsen Ports. Die Tidesteuerung solle helfen, die Verschlickung der Ems zu reduzieren. Allerdings sinke dann der Wasserspiegel im Außenhafen in wenigen Minuten um 40 Zentimeter. Das Absinken führe zu Problemen bei der Be- und Entladung der Schiffe. Diese Einwirkungen müssten sowohl baulich an den Kaianlagen als auch bei der Vertiefung der Liegewannen berücksichtigt werden, hieß es.
Umweltverbände sehen die geplante Vertiefung kritisch. Die Ems leidet seit Jahrzehnten unter massiver Verschlickung und Sauerstoffmangel. Die Hauptursache liegt laut Naturschützern in den vorherigen Ausbaggerungen des Flusses. Sie fürchten durch eine weitere Vertiefung eine Verschlechterung der Situation.