Flensburg Flensburg-Krimi: Folge 2 will viel, ist aber ziemlich öde
Eigentlich tut die neue Folge des Flensburg-Krimis „Wechselspiele“ alles, um uns mit der Angst um ein entführtes Kind zu foltern. Leider nimmt die ARD-Redaktion sich noch so viel mehr vor, dass man den Jungen in seiner Not beinah vergisst.
Der Inbegriff des deutschen Mainstream-Fernsehens ist der Krimi zur Hauptsendezeit. Handball-Übertragungen dagegen galten lange als Nischenprogramm. Dann kam die Europameisterschaft und holte zuletzt fast zehn Millionen Zuschauer. Das ist mehr, als der durchschnittliche „Tatort“ erreicht. Dass die Deutschen Handball langweilig finden, ist damit widerlegt. Und dass Krimis spannend sind – das widerlegt jetzt der aktuelle Fall aus Flensburg.
Dabei ist der neue Fall „Wechselspiele“ sogar in der Handball-Szene angesiedelt. Der Titel bezieht sich auf den Profi-Handballer Mikkel Poulsen, der seinen Flensburger Heimatverein verlassen und nach Paris wechseln will. Um das zu verhindern, entführen ein paar wahnsinnige Fans Poulsens neunjährigen Sohn.
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Von hier aus lässt das Drehbuch nichts aus, was dem Publikum den Angstschweiß aus den Poren pressen soll: Weil die Entführer schlampig vorgehen, wird die Situation für das Kind lebensgefährlich. Als die Flensburger Kommissare Svenja Rasmussen und Tony Haller kurz vor dem Zugriff stehen, taucht ein neuer Täter auf, der das Kind von den Entführern kidnappt. Und zum Showdown verschwindet der Junge dann auch noch in der Förde.
Das Grauen eskaliert. Und trotzdem hat man selten entspannter um das Leben eines Krimi-Kindes gebangt. Auch die Ermittler selbst sind recht gelassen. Logisch, privat haben auch alle den Kopf voll. Kommissarin Rasmussen zankt mit ihrer Freundin um die Fernbeziehung. Und Kommissar Haller schiebt Nachtschichten auf dem Tanzparkett, weil sein Bruder an irgendeinem Casting teilnimmt. Und natürlich auch, weil Hallers Darsteller Eugene Boateng im ersten Bildungsweg Choreograf ist. So eine Gelegenheit zu traumhaften Tanzszenen wirft man nicht weg.
Neben dem Fall und dem Privatleben will der Krimi noch etwas Drittes: Etwas über die Vielfalt im Lande erzählen. Aus Sicht des Diversitäts-Checks liest die Flensburger Geschichte sich dann ungefähr so: Kommissar mit ghanaischen Wurzeln lindert Liebeskummer der lesbischen Kollegin – und zwar in Gebärdensprache. Gehörlos sind der Bruder und sein Darsteller Dodzi Komlan Dougban nämlich auch.
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Das ist natürlich alles gut und richtig. Jeder soll sich im Fernsehen wiederfinden: Rentner, Kinder, Rollstuhlfahrer, Vegetarier und auch Leute, die im Februar schon angrillen. Es ist nicht falsch, dass die Öffentlich-Rechtlichen sich da inzwischen mehr anstrengen. So angestrengt wirken wie hier sollte es dann aber auch nicht .
Sendetermin: Die ARD zeigt den neuen „Flensburg-Krimi: Wechselspiele“ am Donnerstag, 22. Februar 2024 um 20.15 Uhr im Ersten. In der ARD-Mediathek ist der Fall schon jetzt verfügbar.
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