Aktion in Burlage  So erlebt unsere Reporterin das erste Mal Blutspenden

| | 24.02.2024 09:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Die Anmeldung zur Blutspende ging online ganz einfach. Foto: Janßen
Die Anmeldung zur Blutspende ging online ganz einfach. Foto: Janßen
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Ich nehme Sie bei meiner ersten Spende bei einem Termin in Burlage mit: Wie eine Blutspende abläuft, wie ich mich dabei fühle – und was dabei schief geht.

Burlage - Fünf Stationen muss ich ablaufen, bevor ich mich auf den Stuhl legen darf und mir eine Malteser-Mitarbeiterin eine Nadel in den Arm sticht. „Was wir hier machen, ist Körperverletzung“, scherzt Wilfried de Buhr. Er ist Pressesprecher beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Springe und begleitet mein erstes Mal Blutspenden in der alten Grundschule in Burlage. Schöne Aussichten, denke ich mir und hinterfrage, warum ich mich überhaupt dazu bereit erklärt habe. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, was am Ende schief geht.

Aber der Reihe nach: Wozu ist eine Blutspende eigentlich gut? „Jeder von uns kann von heute auf morgen Blut benötigen“, erklärt Wilfried de Buhr. Jede vierte Spende werde für die Krebsheilfürsorge verwendet, erst dann kommen in der Häufigkeit Unfälle und Operationen. „Wenn nicht genügend Menschen Blutspenden, können wir die medizinische Versorgung nicht sicherstellen“, führt der 54-Jährige aus, „und dann sterben Menschen“, so jedenfalls im schlimmsten Fall. Es ist also eine gute Tat, die ich heute vollbringe. Ich helfe anderen, rette vielleicht sogar ein Leben. Außerdem wird mein Blut auf Infektionskrankheiten getestet.

Wilfried de Buhr (rechts) ist Pressesprecher beim Deutschen Roten Kreuz. Er erklärt mir zu Beginn das weitere Vorgehen. Foto: Weers
Wilfried de Buhr (rechts) ist Pressesprecher beim Deutschen Roten Kreuz. Er erklärt mir zu Beginn das weitere Vorgehen. Foto: Weers

So geht es los

Der erste Schritt beim Blutspenden ist die Anmeldung. Ein junger Mann vom Malteser-Hilfsdienst begrüßt mich und fragt nach meinem Personalausweis. Den müssen Spender immer dabei haben. Außerdem braucht er meine Telefonnummer. Die ist wichtig, um mir im Fall der Fälle mitteilen zu können, dass in meiner Probe Auffälligkeiten entdeckt wurden. Ich muss einen Sticker, einen Wappen mit der Aufschrift „Erstspender“, gut sichtbar an mein Oberteil kleben. Das sei zur Sicherheit, damit man ein besonderes Auge auf mich hat, erklärt de Buhr.

Dass ich Erstspenderin bin, darauf weist dieser Kleber hin. Den trage ich, damit die Menschen genauer auf mich achten. Foto: Weers
Dass ich Erstspenderin bin, darauf weist dieser Kleber hin. Den trage ich, damit die Menschen genauer auf mich achten. Foto: Weers

Nun muss ich einen mehrseitigen Fragebogen ausfüllen – mit teils sehr persönlichen Fragen. Aus diesem Grund stehen Einzeltische bereit, auf denen ein Sichtschutz aufgestellt ist. Es geht nicht nur um mein allgemeines Wohlbefinden und mögliche Krankheiten. Auch das Sexualverhalten in den vergangenen vier Monaten wird abgefragt. Diese Fragen seien im vergangenen Jahr erneuert worden, erklärt Wilfried de Buhr. Es gehe dabei um das Risiko auf zum Beispiel das HI-Virus. In dem man nicht die sexuelle Orientierung, sondern das Sexualverhalten abfragt, solle der Diskriminierung von homosexuellen Menschen vorgebeugt werden. „Wir sind froh, dass da ein Umdenken stattgefunden hat“, so der DRK-Sprecher.

Hier musste ich den Fragebogen ausfüllen. Foto: Weers
Hier musste ich den Fragebogen ausfüllen. Foto: Weers

Labor und Ärztlicher Check

Als nächstes geht es zum sogenannten Labor. Dort wird nicht nur meine Temperatur, sondern auch mein Hämoglobin-Wert im Blut getestet. Hämoglobin ist die Konzentration des roten Blutfarbstoffes. Wenn der Wert zu niedrig ist, könne das auf einen Eisenmangel hindeuten. Mit einem Eisenmangel wird man zum eigenen Schutz von der Spende ausgeschlossen. Peter Eckert piekst mir in den linken Mittelfinger, um mein Blut aufzunehmen. Ich zucke beim Stich zusammen, aber der Schmerz ist im nächsten Moment schon wieder vorbei.

Der Arzt misst unter anderem meinen Blutdruck. Foto: Weers
Der Arzt misst unter anderem meinen Blutdruck. Foto: Weers

Es hat sich gelohnt: Mein Wert sei super, so Peter Eckert. Also schickt er mich weiter zum ärztlichen Check. Der Arzt fragt, wie es mir geht, ob ich alles verstanden habe und ob ich genug gegessen und getrunken habe. Dann misst er meinen Blutdruck und meinen Puls. Der Doktor geht mit mir den Fragenbogen durch. Ich bekomme grünes Licht: Ich darf zur Spende.

Der vertrauliche Selbstausschluss

Nun muss ich einen sogenannten vertraulichen Selbstausschluss ausfüllen. Das ist ein Zettel, auf dem ich angebe, ob mein Blut gespendet werden solle oder nicht. Warum gehe ich zur Blutspende, wenn ich mein Blut letzten Endes gar nicht spenden möchte?

Mit dem Selbstausschluss kann ein Spender angeben, dass ein Risiko auf eine Krankheit besteht, ohne es vor Freunden oder Bekannten breittreten zu müssen. Dafür hat Wilfried de Buhr eine Erklärung: Eine Fußballmannschaft gehe regelmäßig zur Blutspende. Wenn ein Fußballer jedoch den Verdacht habe, eine Krankheit zu haben, die ihn von der Blutspende ausschließt. Mit dem Selbstausschluss könne er vor seinen Kollegen „das Gesicht wahren“.

Die Blutspende beginnt

Nyna Bruß nimmt mich entgegen. Sie zapft mir heute einen halben Liter Blut aus den Venen. Rund fünf Liter Blut fließen durch einen erwachsenen Körper. In dem Raum stehen mehrere Liegen aneinandergereiht bereit. „Rechter oder linker Arm?“, fragt mich die Leiterin. Jetzt spüre das erste Mal etwas Aufregung. Die Schritte davor habe ich abgearbeitet, mir keine Gedanken dabei gemacht. Ich nehme auf einer Liege Platz.

Für Nyna Bruß beginnt jetzt die Suche nach einer passenden Vene. Das ist bei mir immer etwas schwieriger, warne ich sie vor. Und tatsächlich wechselt sie mehrmals die Seiten, muss sogar meinen Arm abklemmen. „Sonst müssen wir das hier leider abbrechen“, sagt Bruß. Ich bin enttäuscht, denn daran soll es nun wirklich nicht scheitern. Sie gibt sich Mühe – und es klappt.

Das Blut läuft in den Beutel. Foto: Weers
Das Blut läuft in den Beutel. Foto: Weers

Der Stich in die Haut

Als sie mit der Nadel in meinen Arm sticht, schaue ich weg. Ich verziehe das Gesicht. Es ist ein unangenehmes Gefühl. Wie sie separat Blut in ein Röhrchen abnimmt – das ist für die spätere Laboruntersuchung –, bekomme ich gar nicht mit. Erst als sie fertig zu sein scheint und das Blut in den großen Beutel läuft, schaue ich wieder hin.

Während ich da so liege, lenkt mich mein Fotograf mit Small Talk ab. Das ist gut. Doch dann plötzlich merke ich, wie mein Kreislauf langsam versagt. Mir wird schwindelig, duselig im Kopf. Es kribbelt in meinem Körper. Es ist noch auszuhalten, denke ich mir. Ein bisschen schaffe ich noch. Doch ich gebe vorsichtshalber mal Bescheid. „Ich merke so ein bisschen meinen Kreislauf“, sage ich zu Nyna Bruß, als sie mal wieder nach mir schaut. „Dann müssen wir das hier leider abbrechen“, sagt sie und fängt an, an den Geräten zu fummeln. Erst 100 Gramm Blut ist im Beutel gelandet. Ich versuche mich noch zu erklären, ein bisschen würde ich noch aushalten, aber sie gibt keinen Platz für Diskussionen. Mein Wohl stehe an erster Stelle. Das betont auch Wilfried de Buhr: „Das höchste Gut ist die Gesundheit unserer Spender.“

Mein Fazit zur Blutspende

Und sie hatte wohl Recht: Ich kann gar nicht sagen, wie lange ich da noch lag, bis sich mein Kreislauf wieder beruhigt hatte – und ich ohne Probleme aufrecht sitzen konnte. Vielleicht waren es 20 Minuten. Ich habe mich aber zu jeder Zeit in guten Händen gefühlt. Was ich fühle, ist nur die Enttäuschung. „Vielleicht war die Aufregung doch zu groß“, sagt Nyna Bruß. Oder es liege am Stress.

Woran es auch gelegen hat, ich werde es auf jeden Fall noch einmal probieren. Denn: „Es spenden nicht mal vier Prozent der Deutschen“, erklärt Wilfried de Buhr. 44 Prozent könnten es aber. 15.000 Blutspenden brauche das DRK jeden Tag.

Eine Blutspende ist ab 18 Jahren möglich. Ein Spender muss mindestens 50 Kilogramm wiegen. Spendetermine sind unter anderem online unter www.drk-blutspende.de einsehbar. Der nächste Termin in Ostrhauderfehn ist am 1. März 2024 in der Vereins- und Dorfgemeinschaftsanlage von 15 bis 20 Uhr. In Völlenerfehn ist am 15. März in der Grundschule von 15.30 bis 19.30 Uhr Blutspenden möglich.

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