Hamburg Temu: So gefährlich sind die Waren, die man in der Billig-Shopping-App kaufen kann
Die chinesische Billig-Shopping-App wirbt auf allen Kanälen aggressiv um Kunden. Und viele Konsumenten lassen sich von den unschlagbar günstigen Preisen zum Kauf verleiten. Doch Testkäufe haben ergeben, dass insbesondere dort angebotenes Kinderspielzeug gefährlich ist.
18 von 19 auf Temu gekauften Spielwaren haben Sicherheitsmängel. Das teilte der Lobbyverband Toy Industries of Europe mit, der Ende 2023 Produkte für Kinder wie Kauringe, Rasseln und Plüschtiere über Temu erworben und von einem unabhängigen Labor hat überprüfen lassen. Zuvor hätten sich mehrere Mitglieder mit Bedenken hinsichtlich Temu an den Verein gewandt.
Zehn der Spielzeuge hatten laut Testlabor keine CE-Zertifizierung, bei sämtlichen Artikeln fehlte außerdem eine gültige Kontaktadresse in Europa. Beides ist für den Handel innerhalb der EU notwendig. Schwerer dürfte für Eltern allerdings wiegen, dass 18 Spielwaren nicht der Spielnorm EN 71 entsprachen. Diese Norm soll dafür sorgen, dass von Spielzeugen keine Gefahr für Kinder ausgeht, beispielsweise durch Schadstoffe.
In einem auf Temu gekauften Schleim-Spielzeug lag der Gehalt des Halbmetalls Bor 11-mal höher als der gesetzliche Grenzwert für Spielzeug zulässt. Bei anderen Spielzeugen habe die Gefahr bestanden, dass Kinder an Kleinteilen ersticken oder sich verletzen könnten.
Eine Temu-Sprecherin teilte dazu mit, dass sofort nach Erhalt der Testergebnisse eine interne Untersuchung eingeleitet worden sei. Alle 19 Produkte seien entfernt worden und seien auf der EU-Website nicht mehr verfügbar. „Die Produktsicherheit ist für uns von größter Bedeutung, und wir haben die Überwachung dieser Produktgruppe und der damit verbundenen Anforderungen verstärkt.“
Temu überprüfe die Händler, die auf dem Online-Marktplatz verkauften und führe selbst stichprobenartige Kontrollen der Produkte durch, erläuterte die Sprecherin weiter. Verstöße könnten zum Beispiel zu Strafen, Auslistung von Produkten oder Sperrung der Anbieter führen.
Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass Waren auf Temu durch Sicherheitsmängel auffallen. Bereits im Herbst ließ der Spielwaren-Verband Schweiz (SVZ) 18 der meistverkauften Artikel für Kinder von Temu und Shein in einem unabhängigen Labor testen.
Das Ergebnis war ähnlich alarmierend: Nur drei Spielzeuge waren unbedenklich. 15 wären in der Schweiz nicht für den Handel zugelassen, wie der Verband mitteilte. Sechs Produkte müssten nach hiesigem Recht sogar umgehend zurückgerufen werden.
Eine Kette von Temu mit einem Anhänger in Herzform und einem Einhorn enthielt beispielsweise viel zu hohe Werte des giftigen Schwermetalls Cadmium. Das Gleiche galt für einen Smiley-Fingerring von Temu. In 3D-Stickern von Temu wurden erhöhte Werte von Weichmachern gefunden.
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Bei einem Stoff-Fuchs ließen sich die Augen leicht ablösen. Aufgrund ihrer Größe können Kleinkinder daran ersticken. Eine Maske mit Beleuchtung enthielt unzureichend gesicherte Batteriefächer. Immer wieder sterben Kinder an den Folgen einer Gefäßentzündung, nachdem sie Knopf-Batterien verschluckt haben.
Eine Sprecherin von Temu sagte damals dem Schweizer Portal „20 Minuten“, Temu habe sofort Maßnahmen ergriffen, um alle Artikel zu überprüfen und zu entfernen, die nicht den Compliance-Standards entsprechen. „Wir arbeiten aktiv mit unseren Verkäufern zusammen, um zu bestätigen, dass ihre Waren die erforderlichen Kriterien erfüllen, und bitten alle Beteiligten um Beiträge, um unser Angebot und die Kundenerfahrung zu verbessern“, so die Sprecherin.
Das Unternehmen tritt selbst nicht als Verkäufer auf, sondern stellt den Händlern nur seinen Marktplatz als Plattform zur Verfügung. Hinter Temu steht das chinesische Unternehmen PDD Holdings.