Tiere gequält  Hund vor Ferienhaus angebunden und weggefahren

| | 26.02.2024 19:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Symbolbild zeigt einen zweijährigen Vizsla-Labrador-Mischling in Berlin. Foto: Riedl/dpa
Das Symbolbild zeigt einen zweijährigen Vizsla-Labrador-Mischling in Berlin. Foto: Riedl/dpa
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Anfang letzten Jahres ließ ein Mann seine zwei Hunde allein vor seinem Ferienhaus zurück und fuhr nach Hause. Tagelang waren sie Kälte und Schneeregen ausgesetzt, ein Hund sogar angebunden.

Landkreis Wesermarsch - Dass es den Hunden nicht gut ging, war wohl auf den ersten Blick zu erkennen. Dünn und abgehärmt saßen sie draußen zwischen diversen Kothaufen, ohne Wasser oder Futter. Eines der Tiere war sogar angeleint und hatte sich so weit verheddert, dass es sich kaum noch bewegen konnte. So schildert Melanie Schweizer vom Veterinäramt Jade-Weser die Szene, die sich Anfang letzten Jahres vor einem Ferienhaus in der Wesermarsch abspielte.

Wie lange die Hunde dort auf sich allein gestellt waren? Tagelang, sagt Schweizer, und das bei Schneeregen und Kälte. Offenbar hatte der Hundehalter seine beiden Hunde allein vor seinem Ferienhaus zurückgelassen und war nach Hause gefahren; also zu seinem Erstwohnsitz außerhalb dieser Küstenregion. Die Tiere blieben sich selbst überlassen. Der eine Hund lief demnach frei auf dem eingezäunten Gelände, das andere war angebunden. „Für die Hunde war das schlimm“, sagt die Veterinärin. Es ist einer der dramatischeren Tierschutz-Fälle, den das Veterinäramt 2023 hatte. Sein Gebiet umfasst die Kreise Wittmund, Friesland und Wesermarsch.

Der Hundehalter

In diesem Fall hatten Hinweise aus der Bevölkerung die Behörde alarmiert. Der ausgesendete Veterinär zögerte nicht lang, nahm die beiden Hunde mit und brachte sie in einem Tierheim unter. Man habe zwar zunächst versucht, den Hundehalter telefonisch zu erreichen, so Schweizer, das sei aber nicht gleich gelungen. Erst später habe man mit dem Mann gesprochen und ihm die Situation der Tiere geschildert. „Das tat dem dann auch leid“, sagt sie.

Nützte aber nichts mehr: Das Veterinäramt verfügte ein Tierhaltungs- und Betreuungsverbot gegen den Hundehalter. Das gilt übrigens bundesweit. Bis auf Weiteres darf der Mann also auch in seiner Heimatgemeinde keine Tiere halten oder auch nur hüten. Dazu kam eine Strafanzeige wegen Vergehens gegen das Tierschutzgesetz. Insgesamt führte das Veterinäramt Jade-Weser im vergangenen Jahr 1121 Tierschutzkontrollen in den drei Landkreisen durch und neben dem Urlauber in der Wesermarsch kassierten noch 27 andere Personen Tierhaltungsverbote.

Die Emotionen

Dass der Umgang mit Tieren oft emotional aufgeladen ist, zeigt sich übrigens auch an Handgreiflichkeiten bei Kontrollen. Im vergangenen Jahr habe es wieder tätliche Angriffe und Bedrohungen gegeben, heißt es im Jahresbericht des Veterinäramtes. Zum Beispiel sei eine Tierhalterin mit einer Forke auf die kontrollierenden Tierärztinnen losgegangen. Neben Konflikten bei Vor-Ort-Kontrollen erreichten das Veterinäramt aber auch Drohungen und Beschimpfungen per E-Mail oder Telefon.

Interessanterweise gibt es diese heftigen Gefühle nicht nur auf einer Seite. Laut Veterinäramt kommen die Aggressionen „sowohl von Tierhaltern, die sich vom Veterinäramt ungerecht behandelt fühlen und bestehende Mängel nicht einsehen, als auch von Bürgern, die meinen, dass das Veterinäramt 'mehr machen müsste‘“.

Dazu passt eine Pressemitteilung der Tierschutzorganisation Peta, die gerade erst die ihrer Ansicht nach besten und schlechtesten Veterinärämter Deutschlands kürte. Das für den Jade-Weser-Bereich kommt darin besonders schlecht weg. Hintergrund ist ein Tierschutzfall – ebenfalls mit einem Hund – im vergangenen Jahr in Schortens (Friesland). Die Tierschutzorganisation fand, dass das Veterinäramt nicht schnell genug handelte und forderte über ihre Internetseite alle „Tierfreundinnen und Tierfreunde landesweit“ auf, die zuständigen Behörden vor Ort um Hilfe für den Hund zu bitten. Das führte zu einer wahren E-Mail-Flut beim Veterinäramt, mehrere Tausend gingen dort ein.

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