Osnabrück  Vorletzter Einsatz im Norden: Wie gut ist der Kieler Tatort „Borowski und der Wiedergänger“?

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 25.02.2024 11:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Führt Greta Exner (Cordelia Wege) Borowski (Axel Milberg) etwa an der Nase herum? Foto: NDR/Thorsten Jander
Führt Greta Exner (Cordelia Wege) Borowski (Axel Milberg) etwa an der Nase herum? Foto: NDR/Thorsten Jander
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Wieso landet ein Vermisstenfall bei der Mordkommission? In seinem vorletzten Kieler Tatort muss Axel Milberg, alias Kommissar Borowski, tief in die Trickkiste greifen.

Greta Exner (Cordelia Wege) führt eine unglückliche Ehe. Als Tochter reicher Eltern führt sie zwar die Geschicke des börsennotierten Familienunternehmens. Aber viel lieber wäre sie Künstlerin. Doch die erhoffte Anerkennung als Fotografin bleibt aus. Im Kreise der blasierten Gesellschaft ihrer Eltern erntet sie allenfalls Spott. Und von ihrem Göttergatten Tobias (Pétur Óskar) pure Ignoranz.

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Der hat sowieso nur Augen für andere Frauen. Wer nicht bei drei auf den Bäumen sei, so formuliert es eine spätere Zeugin, lande unweigerlich mit ihm in der Kiste. Mit Greta ist der Filou nur verheiratet, weil er ihr Geld braucht.

Weshalb er auch immer zu Greta zurückkehrt. Aber dann lernt Tobias auf einer Dating-Plattform die ominöse „Kitty 13“ kennen. Gemeinsam schmieden die beiden einen Plan, die verhasste Gattin zu töten. Was Tobias nicht weiß – hinter „Kitty 13“ steckt Greta. Kurz darauf verschwindet Tobias spurlos. Und Greta spielt die verzweifelte Ehefrau.

In seinem vorletzten „Tatort: Borowski und der Wiedergänger“ bekommen es Kriminalhauptkommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und seine Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) mit einem Fall zu tun, bei dem Sahin zu Recht die Frage stellt, warum dieser Vermisstenfall bei der Mordkommission landet. Aber Borowski wäre nicht Borowski, wenn ihm hier nicht irgendetwas oberfaul vorkäme. Doch diesmal muss er tief in die Trickkiste greifen.

Regisseur Andreas Kleinert ist nach dem Drehbuch von Sascha Arango ein „Tatort“ gelungen, der sowohl als böse Charakter- und Milieustudie als auch als fesselnder Krimi überzeugt. Im Mittelpunkt steht natürlich die unglückliche Ehefrau, die doch nur ein kleines bisschen Liebe, Glück und Anerkennung sucht, aber letztendlich nichts als Ablehnung und Demütigungen erfährt. „Sie hat kein Leben. Ich geb‘ ihr eins“, erfährt Greta als „Kitty 13“ auf der Dating-Plattform, wo Tobias ihren Tod plant. Auch sonst ist ihr Leben geprägt von Kränkungen, die sie stoisch über sich ergehen lässt, bis das Fass irgendwann mal überläuft.

Ob sie nun wirklich am Verschwinden ihres Mannes beteiligt ist, das wissen erst einmal weder die Zuschauer noch die Kommissare. Ein perfekter Mord ohne Leiche endet in den Akten darüber hinaus schnell als Vermisstenfall. Da erweist sich auch Borowskis Vorgesetzter, Kriminalrat Roland Schladitz (Thomas Kügel), nicht als besonders hilfreich. Als Freund der Familie Exner will er den Fall so schnell wie möglich zu den Akten legen. Alles klar. Deckel darauf. „Tatort“ beendet?

Nein. Natürlich nicht. Aber Arango und Kleinert haben an dieser Stelle einen zündenden Gag eingebaut, der zumindest bei Teilen der „Tatort“-Fans Verunsicherung und ein paar Kontroversen auslösen könnte. Aber es geht ja weiter. Und am Ende gibt es selbst für die sonntägliche „Tatort“-Lästerblase bei X (vormals Twitter) keinen Grund, den Rundfunkbeitrag zurückzufordern.

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Dieser raffiniert eingefädelte und doppelbödig inszenierte Krimi aus dem Reich einer zutiefst gekränkten Seele lässt keine Fragen offen und lebt von der ersten bis zur letzten Minute von seinem außergewöhnlich spielfreudig agierenden Ensemble.

Auch wenn dies nun leider schon der vorletzte „Borowski“-Krimi ist – Fans des Kieler „Tatorts“ müssen nicht verzagen. Die ARD hat bereits durchblicken lassen, dass Kiel als „Tatort“-Standort erhalten bleiben soll und Almila Bagriacik ab 2026 die Nachfolge von Milberg antreten werde.

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Der „Tatort: Borowski und der Wiedergänger“, läuft am Sonntag, 03. März, um 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek.

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