Investoren machen Rückzieher Diese Bauvorhaben werden in Emden vorerst nicht umgesetzt
Viele Bauvorhaben wurden in Emden in den vergangenen Jahren vorgestellt. Um viele ist es ruhig geworden. Die Stadtbaurätin Irina Krantz sprach nun über die, die vorerst nicht umgesetzt werden.
Emden - Bei einigen geplanten Bauvorhaben in Emden hat man sich schon länger gefragt: Wann geht es endlich los? Investoren einiger Projekte haben sich zurückgezogen, wurde im Stadtentwicklungsausschuss des Emder Rats am 20. Februar deutlich. Bei anderen Plänen geht es indes voran. Wir stellen eine Übersicht vor.
Vier Hektar Bauland in Wybelsum
Im Stadtteil Wybelsum wollte ein Investor in dem Dreiecksfeld gleich bei der Hauptzufahrt von der Rysumer Straße aus auf rund vier Hektar Fläche eine Wohnbebauung ermöglichen. Zum einen sollten seniorengerechte Wohnformen beispielsweise in barrierefreien Reihenhäusern entstehen, zum anderen Baugrundstücke für Einfamilienhäuser sowie Flächen für den Gemeinbedarf. 2020 wurden deswegen Bauleitplanverfahren eingeleitet.
„Wir haben den Investor wiederholt angesprochen“, sagte Stadtbaurätin Irina Krantz. Dieser habe schließlich Ende Dezember 2023 sein Interesse verneint. Alternativ habe er vorgeschlagen, dort eine Freifläche mit Photovoltaik-Anlagen zu errichten. Das ist allerdings durch einen Ratsbeschluss von vor weniger als einem Jahr unmöglich. Dieser besagt, dass keine zusätzliche PV-Flächen im Außenbereich der Stadt errichtet werden dürfen. Flächennutzungs- und Bebauungsplan für die Wybelsumer Fläche wurden im Ausschuss also aufgehoben. Ob noch PV ermöglicht wird, könnte aber erneut zur Debatte stehen.
Wassergrundstücke beim Roten Siel
In bester Innenstadtlage am Falderndelft wollte ein Investor rückwärtig zur Bebauung an der Brückstraße eine bislang weitestgehend ungenutzte Grünfläche für eine verdichtende Bebauung nutzen. Damit hätten in dem Abschnitt neben der Feuerwehr Wohnungen am Wasser entstehen können. Der Beschluss zum Aufstellen des Bebauungsplans wurde im Juli 2021 beschlossen. Dabei hatte man, um es nicht zu kleinteilig zu gestalten, auch die Nebengrundstücke mit eingeschlossen. Doch: „Der Investor hat kein Interesse mehr“, sagte Irina Krantz.
„Da die Planung aber bereits konkret fortgeschritten ist, soll das Verfahren federführend durch den FD 361 Stadtplanung zu Ende geführt werden“, heißt es in der aktuellen Beschlussvorlage. „Wir wollen den Uferbereich gerne neu ordnen“, so Krantz. Für die Stadt würden für die Erstellung des Bebauungsplans nur „geringfügige Kosten“ anfallen. Der Beschluss war einstimmig.
Bauland in Borssum
Etwa 45 Einzel- und Doppelhäuser sollten am Wykhoffweg im Stadtteil Borssum auf grüner Wiese entstehen. Die Pläne wurden 2020 vorgestellt. Irina Krantz erklärte aktuell, dass die Flächen allerdings sehr hochwertig für die Natur seien und das Vorhaben aufgrund mehrerer Faktoren, wie etwa der Entwässerung und den Altlasten auf der Fläche, nicht wirtschaftlich wäre. Für den Investoren sei in der Nähe keine Alternative gefunden worden, so Krantz. Man schaue in Borssum aber noch weiter. Der Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan wurde nun aber für die ursprüngliche Fläche einstimmig im Ausschuss aufgehoben.
Wohnbebauung an der Hammer Straße
An der Hammer Straße im Stadtteil Port/Arthur Transvaal war 2021 ein etwa 4500 Quadratmeter großes städtisches Grundstück, das zuvor als Parkplatz genutzt wurde, von einem Investor-Duo abgekauft worden. Die Transaktion war nicht ganz unstrittig, weil der Kaufpreis relativ niedrig gewesen sein soll. Nun wollte Maria Winter (SPD) im Ausschuss wissen, was aus dem Vorhaben wird.
Irina Krantz‘ Sachstand, so sagte sie, sei aktuell, dass die ursprünglichen Ziele der Investoren sich offenbar nur schwer umsetzen ließen. Geplant waren unter anderem Büros, Gewerberäume sowie ein soziales Projekt. Konkrete Pläne seien ihr aktuell nicht bekannt, aber: Offenbar gehe die Überlegung der Investoren mittlerweile nur noch in Richtung Gewerbe.
Emsschule
Losgehen soll es indes endlich beim Projekt Emsschule und Hafentorplatz. Im Ausschuss wurde einstimmig beschlossen, dass die Aufstellungsbeschlüsse für Bebauungspläne beider Projekte aufgehoben werden. „Für eine effektivere Bauleitplanung wurden die nahgelegenen Geltungsbereiche der Bebauungspläne des A 24 ‚Emsschule‘ sowie des A 37 ‚Hafentorplatz‘ in einem neuen Plan zusammengelegt, welcher zudem die Bereiche der Verwaltungsgebäude I und II der Stadt Emden umfasst“, heißt es in der Beschlussvorlage. Der neue Bebaubauungsplan heißt A 24 „Emsmauerquartier“.
Beim Projekt Emsschule des Emder Investor Udo Fuhrmann tue sich was, sagte Krantz. Der Bebauungsplan für die Schule sei eingegangen. Man warte noch auf ein paar letzte Gutachten. „Wir hoffen, dass wir zügig die Baugenehmigung ausstellen können“, so Krantz. Der Bau könnte womöglich dann im Frühjahr losgehen. In dem denkmalgeschützten Gebäude soll auf drei Etagen eine Kita einziehen. Im Dachgeschoss sollen Büroflächen entstehen.
Der Hafentorplatz soll ebenfalls neu geordnet werden. Dabei ist insbesondere geplant, die Strandbar Delftstrand dauerhaft etablieren zu können. Im Sommer 2021 war die Bar das erste Mal eröffnet worden. Sie hat sich mittlerweile zu einem beliebten Treffpunkt an Sommertagen entwickelt.
Ültje
Weitergeht es auch beim Bauvorhaben auf dem ehemaligen Ültje-Gelände. Irina Krantz sprach von einem Meilenstein. Der Flächennutzungsplan sei endlich beschlossen und genehmigt. Nur ein kleiner Teil habe geändert werden müssen. Es habe keine Einwände nach der Offenlegung der Baupläne gegeben. Das Plangebiet umfasst eine Fläche von rund 3,7 Hektar und soll mit Wohnbebauung sowie einem Nahversorger und andere „wohnverträgliche Nutzungen“ belegt werden. Im Gespräch war auch schon ein gastronomisches Angebot im ehemaligen Ültje-Turm.
Parallel zum Bauleitplanverfahren will die Stadt Emden mit den Investoren Kaufverträge, Städtebauliche Verträge und einen Erschließungsvertrag abschließen. Diese Verträge sollen weitere Regelungen (z. B. zum sozialen, barrierearmen und seniorengerechten Wohnen mit Quoten oder zum Ausbaustandard der Erschließung), die nicht über die Festsetzungen des Bebauungsplans erfolgen können, enthalten.
Zur Vorbereitung der Erschließungs- und Hochbauarbeiten soll das Gelände im 1. Quartal 2024 nach Kampfmitteln untersucht und gegebenenfalls vorgefundene Kampfmittel entfernt werden. Dafür war bereits der Bewuchs auf dem Grünstreifen zwischen Bahnstrecke und Fürbringerstraße geräumt worden. In einem weiteren Schritt werden in der zweiten Jahreshälfte 2024 die Gebäude des an das Ültje-Gelände angrenzenden Supermarktes, es ist ein NP-Markt, und eines ehemaligen Gewerbebetriebes abgerissen und belastete Böden entfernt werden. Wenn alles nach Plan verläuft, könnte noch in diesem Jahr mit den Erschließungsarbeiten als Voraussetzung für die nachfolgenden Hochbaumaßnahmen begonnen werden, so die Stadt.