Gefährliche Körperverletzung  Gericht rollt Gewalt-Randale bei türkischer Hochzeit neu auf

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 27.02.2024 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Vor dem Landgericht wird eine Schlägerei im Metadrom in Großefehn neu aufgerollt. Foto: Archiv/Ortgies
Vor dem Landgericht wird eine Schlägerei im Metadrom in Großefehn neu aufgerollt. Foto: Archiv/Ortgies
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Im Juni 2019 ist es bei einer Hochzeitsfeier im Metadrom in Großefehn zu einem Gewaltexzess gekommen. Hintergrund war offenbar ein rassistisches Motiv.

Großefehn - Der angeblich schönste Tag im Leben dürfte sich im Juni 2019 für ein türkisches Brautpaar genau ins Gegenteil verkehrt haben. Die Feier im Metadrom in Großefehn mit rund 600 Gästen wurde nämlich zu einem Gewaltexzess. Drei Brüder – ein 33-jähriger Leeraner und zwei Auricher im Alter von 27 und 37 Jahren − sollen drei Verwandte aus Schleswig-Holstein schwer verletzt haben. Laut Anklageschrift sollen sie eine Cousine mit einem Baseballschläger bewusstlos und auf die am Boden Liegende eingetreten haben. Ihr zur Hilfe geeilter Vater wurde auf dieselbe Art zu Boden gestreckt. Einer weiteren Frau sollen Schläge und Tritte zugefügt und ein Ohrring herausgerissen worden sein. Zwei der Angegriffenen flohen in ein Auto. Bevor sie wegfahren konnten, soll eine Gästeschar auf das Fahrzeug eingedroschen haben, sodass ein Schaden von 5000 Euro entstand.

Am 21. Oktober 2021 sind zwei der Täter deswegen vor dem Amtsgericht Aurich zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Die höchste Strafe war eine dreijährige Haft. Einer der Täter wurde auch wegen Landfriedensbruch verurteilt. Zweieinhalb Jahre später wird der Fall vor dem Landgericht erneut aufgerollt. Am Mittwoch, 28. Februar 2024, beschäftigt sich die Kleine Strafkammer für Berufungen gegen Schöffengerichtsurteile ab 9 Uhr mit dem Sachverhalt. Eine Sprecherin des Gerichts sagte im Vorfeld, dass mit hohen Sicherheitsauflagen für die Besucher und die Prozessbeteiligten zu rechnen sein werde. Ein Fortsetzungstermin ist für den 6. März, 9 Uhr, anberaumt.

Die Gewalteskalation vor fünf Jahren hatte offenbar einen rassistischen Hintergrund, was sich laut Richter Dr. Markus Gralla bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht auch strafschärfend auswirkte. Die Cousine aus Schleswig-Holstein sagte in der ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht: „Ich bin mit einem italienischen Mann verheiratet und meine Verwandtschaft ist dagegen.“ Gegen 20 Uhr seien sie an dem Hochzeitstag gewarnt worden, sie sollten die Feier verlassen. Draußen seien sie „von 20 Menschen, unter anderem meinen Cousins, mit Baseballschlägern und anderen Waffen“ angegriffen worden. Man habe sie mit den Worten „Schlampe, Hure“ und „Du bist 'ne Schande“ beleidigt. Zusammen mit ihrem Mann sei es ihr gelungen, mit dem beschädigten Auto zu fliehen.

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