Hannover Warum Klassenfahrten so unfassbar wichtig sind
Niedersachsen will die Planung von Klassenfahrten vereinfachen. Wird das zu mehr Ausflügen an den Schulen führen? Hoffentlich.
Dass wir im Alltag, vor allem aber im Beruf, an so mancher bürokratischen Hürde scheitern, ist beinahe schon zur Gewohnheit geworden. Dennoch gibt es aber immer wieder Auswüchse, die selbst den leidensfähigsten Bürger an den Rand der Verzweiflung treiben dürften.
Dazu gehört beispielsweise die Vorgabe, dass Schulen ihre Klassenfahrten aufwändig ausschreiben müssen, wenn sie die Summe von 1000 Euro überschreiten – also eigentlich immer. Gleiches gilt übrigens auch für den Kauf von Schulbüchern. Investitionen von mehr als 1000 Euro sind ausschreibungspflichtig.
Kein Wunder, dass manche Lehrkraft in der Vergangenheit davor zurückgeschreckt ist, eine Klassenfahrt zu organisieren. Und gut, dass Niedersachsen die Grenze zur Ausschreibungspflicht von 1000 auf 10.000 Euro heraufsetzen will. Das dürfte Lehrer in der Tat dazu motivieren, mit den Schülern auf Reisen zu gehen.
Solche Schulfahrten sind nämlich von unschätzbarem Wert. Keine noch so interessant gestaltete Schulstunde kann die gemeinsame Zeit und das soziale Miteinander während einer Klassenfahrt ersetzen. Häufig lernen sich Kinder und Jugendlichen erst richtig kennen, wenn sie mehrere Tage gemeinsam verbringen. Hinzu kommen – etwa durch den Besuch von Gedenkstätten und Kultureinrichtungen – Bildungsinhalte, die dauerhaft in Erinnerung bleiben.
So gut und richtig es ist, den Hebel an die Ausschreibungspflicht zu setzen: Das allein reicht nicht. Noch immer sind Klassenfahrten für Lehrer mit Kosten und einem hohen Zeitaufwand verbunden.
Hier muss das Kultusministerium schauen, inwieweit das Land seinen Lehrkräften entgegenkommen kann. Denkbare Anreize wären erhöhte finanzielle Zuschüsse und die Befreiung von lästigen Verwaltungsaufgaben. Damit würde die Zahl der Klassenfahrten vermutlich rasant ansteigen – ein wünschenswerter Effekt.