Kirche im Umbruch Katholiken starten „Räumungsverkauf“ in Emden und Pewsum
Die katholische Gemeinde Christ König räumt eine Kirche in Emden und ihre Kapelle in Pewsum. Wer ausgefallene Sitzmöbel sucht, könnte fündig werden. Das sind die Pläne.
Emden/Pewsum - „Räumungsverkauf“ bei den Katholiken: Wer ein ausgefallenes Sitzmöbel sucht, könnte in den nächsten Wochen bei der Gemeinde Christ König fündig werden. Denn sie leert ihre Kirche St. Michael in Emden und die Kapelle St. Hedwig in Pewsum. Die Bänke aus beiden Gotteshäusern werden teilweise nicht mehr gebraucht und sollen an zwei Terminen im März und April gegen Spenden an Interessierte abgegeben werden. Das geht aus dem jüngsten Pfarrbrief der Gemeinde Christ König hervor.
Die Gründe für die Räumung beider Kirchen sind unterschiedlich. Während die Kapelle in Pewsum im Sommer dieses Jahres ganz aufgegeben wird, laufen in St. Michael die Vorbereitungen für die Sanierung dieser Kirche am Hof von Holland in Emden. Das Vorhaben sei notwendig, um die die Stabilität eines Seitenschiffs zu gewährleisten, heißt es dazu im Pfarrbrief. Das Seitenschiff sei abgesackt und müsse neu gegründet werden, sagte Pfarrer Georg Pützer dieser Zeitung auf Nachfrage.
Emder Kirche wird innen umgestaltet
Im Zuge der Sanierung soll auch das Innere des Emder Gotteshauses erneuert und umgestaltet werden. „Mit einer Kombination aus Bänken und Stühlen soll die Nutzung flexibler werden“, so Pützer. Die Planungen seien schon „sehr weit“, Details der Umgestaltung seien aber noch in der Abstimmung.
Laut Pützer sind rund zwei Millionen Euro für die Sanierung veranschlagt. An der Finanzierung beteilige sich auch das Bistum Osnabrück. Der vorerst letzte Gottesdienst in St. Michael ist für Ostermontag, 1. April 2024, vorgesehen. In den beiden Wochen darauf soll die Kirche komplett geräumt werden.
St. Walburga wird noch benötigt
Die Gemeinde rechnet mit einer etwa neun Monate langen Bauphase. Während dieser Zeit werden die Gottesdienste an Werktagen im Gemeindehaus St. Michael sowie die Vorabend- und Sonntagsgottesdienste in der Kirche St. Walburga gefeiert.
Dieses Gotteshaus an der Hermann-Löns-Straße im Emder Stadtteil Barenburg bekommt damit vor seinem absehbarem Ende noch einmal eine besondere Bedeutung zu. Denn seit Längerem ist bekannt, dass die 1957 erbaute Kirche aus finanziellen Gründen und angesichts sinkender Mitgliederzahlen der katholischen Kirche profaniert, also entweiht, und danach abgerissen werden soll.
Es sollen Wohnungen entstehen
Auf dem etwa 5000 Quadratmeter großen Grundstück will die Stephanswerk Wohnungsbaugesellschaft mbH, deren Träger das Bistum Osnabrück ist, Wohnraum für Menschen verschiedener Altersstufen schaffen. Der Rat der Stadt Emden hat das Planverfahren dafür bereits auf den Weg gebracht. Ursprünglich hatte die Gemeinde Christ König geplant, einen Teil der Kirche zu einem Kolumbarium umzubauen. Das ist eine Beisetzungsstätte für Urnen. Dieses Vorhaben wurde aber zwischenzeitlich aufgegeben.
Wann die Kirche St. Walburga abgerissen wird, ist gegenwärtig noch offen. Der Zeitpunkt hängt von der Neubesetzung des Bischofsstuhls in Osnabrück ab. Er ist vakant, seitdem Bischof Franz-Josef Bode im März 2023 seinen Rücktritt erklärt hatte. Nach den Statuten der katholischen Kirche darf die Profanierung einer Kirche nur der residierende Bischof vornehmen.
Letzter Gottesdienst im Sommer
Abgerissen werden soll auch die Kapelle St. Hedwig Pewsum. Der Zeitpunkt hängt ebenfalls von der Bischofsnachfolge ab, ist aber seit langem beschlossene Sache. Dort will die Stephanswerk Wohnungsbaugesellschaft Seniorenwohnungen bauen. Die Pläne beinhalten auch einen Andachtsraum, damit das geistliche Leben vor Ort weiter möglich ist.
Die „Kirchorte aufgeben ist sicher mit Traurigkeit verbunden“, heißt es dazu im Pfarrbrief der Gemeinde Christ König. Viele Menschen hätten dort Gottesdienst gefeiert und Zeit mit Gott verbracht. Von St. Hedwig will sich Gemeinde deshalb im Sommer dieses Jahres in einem besonderen Gottesdienst verabschieden. Der genaue Termin steht noch nicht fest.
Zunächst aber sollen alle Kirchenbänke aus St. Hedwig sowie ein Teil der Bänke aus St. Michael an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht werden. „Wir denken dabei vor allem auch an Gemeindemitglieder, die Erinnerungen daran haben“, sagte Pützer.
Kirchenbänke warten auf Abholer
Die Termine sind am Sonnabend, 9. März 2024, in der Kapelle in Pewsum und am Sonnabend, 6. April, in der Kirche in Emden. Beginn ist jeweils um 10 Uhr. An beiden Tagen können sich Interessenten eine Bank selbst abholen. Sie benötigen aber Platz für die Sitzmöbel.
Die großen Bänke in St. Michael sind nämlich 4,15 Meter lang, 80 Zentimeter breit und gut einen Meter hoch. Die kleineren sind immerhin fast 2,7 Meter lang. Die Bänke aus St. Hedwig haben eine Länge von 2,3 Meter, eine Breite von 70 und eine Höhe von 90 Zentimetern.
Zur Gemeinde Christ König gehören etwa 5000 Gläubige aus Emden, der Krummhörn, Hinte und Wirdum. Mit der Gemeinde Maria Meeresstern bildet sie eine Pfarrgemeinschaft. Die Kirche St. Walburga in Emden und die Kapelle St. Hedwig in Pewsum sind das zweite beziehungsweise das dritte katholische Gotteshaus in Ostfriesland, die entweiht werden sollen. Bereits 2020 wurde die ehemalige Kapelle St. Franziskus in Ihrhove profaniert und abgerissen. Dort entstand eine Wohnbebauung.
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