Gebäude verwahrlost  Kapitänshaus in Westgroßefehn sucht neuen Liebhaber

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 05.03.2024 13:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Bild aus hoffnungsvollen Zeiten: Vanessa und Moritz Messerer wollten das Kapitänshaus in Westgroßefehn restaurieren. Foto: Archiv/Ortgies
Ein Bild aus hoffnungsvollen Zeiten: Vanessa und Moritz Messerer wollten das Kapitänshaus in Westgroßefehn restaurieren. Foto: Archiv/Ortgies
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Moritz und Vanessa Messerer verabschieden sich von dem Traum, ein denkmalgeschütztes Kleinod zu restaurieren. Bei der Vermarktung haben sie einen naheliegenden Weg gewählt.

Westgroßefehn - Das Kapitänshaus in Westgroßefehn steht wieder zum Verkauf. Am Montag hat die aktive Vermarktung begonnen. Das hat Dajo Gontjes vom Immobilienkontor Hagen auf Anfrage der Redaktion bestätigt. Rund vier Jahre, nachdem Moritz und Vanessa Messerer das denkmalgeschützte Gebäude erworben haben, wollen sie sich wieder davon trennen. Verabschiedet hat sich das Paar auch von dem anspruchsvollen Wunsch, das Haus zu restaurieren. Diese Absicht haben die Westgroßefehntjer öffentlichkeitswirksam geraume Zeit verfolgt. Sie hatten ein Internet-Tagebuch veröffentlicht, um über einzelne Bauphasen zu berichten.

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Archiv: Das Kapitänshaus von Westgroßefehn wird restauriert
05.03.2024

So waren Medien auf das Vorhaben aufmerksam geworden. Unter anderem drehten Teams des NDR mehrfach vor Ort. Dann wurde es ruhiger um das Kapitänshaus, bis es im August vergangenen Jahres schließlich hieß, dass die Kraft für das nervenzehrende Projekt ausgegangen sei. Schon im Spätsommer kaufte das Paar ein neues Gebäude irgendwo in Ostfriesland. Wo, ist nicht bekannt. „Das haben sie damals durch meine Vermittlung bekommen“, sagt Dajo Gontjes. So sei der Deal entstanden, dass er auch den Verkauf des Kapitänshauses übernehmen solle. „Damit haben wir allerdings gewartet, bis das Wetter schön war“, erklärt der Makler. Am vergangenen Wochenende sei das der Fall gewesen.

Vermittlung über das Internet

Die Aufnahmen mit Schneeglöckchen im Vordergrund und tiefblauem Himmel sind jetzt unter anderem auf den Portalen Immonet und Immowelt zu sehen. Dort vermitteln 18 Bilder, darunter etliche Innenansichten, dass die Restaurierung offenbar nicht weit fortgeschritten ist. Auf die Frage der Redaktion, wie sich das in Prozent ausdrücken lasse, antwortet der Makler nicht. Die Wohnfläche gibt er mit 220 Quadratmetern an, die Zahl der Zimmer mit drei. Das Grundstück selbst verfügt über 47968 Quadratmeter. Für 296.000 Euro könnte die Immobilie den Besitzer wechseln.

Moritz und Vanessa Messerer hatten im Herbst Schwierigkeiten mit dem Denkmalschutz als Grund dafür genannt, dass sie die Lust am Restaurieren verloren haben. Die Behörde hatte darauf bestanden, dass ein Großteil der Arbeiten von Fachfirmen übernommen wird. Das gilt vor allen Dingen für eine ganze besondere Tapete, die vom Erbauer Kapitän Tole Janszen Wiese im Jahr 1804 bei der „Schilder, Druk en Behangelsfabriek“ im niederländischen Hoorn bestellt worden war. Sie wurde maßangefertigt und nach seinem Geschmack gestaltet. 40 dieser Leinentapeten soll es in den Bürgerhäusern Ostfrieslands gegeben haben.

Alterung wird beschleunigt

Derzeit existieren davon noch vier, darunter eine im Klasenschen Haus in Leer an der Mühlenstraße 31. Dort gibt es eine in Öl auf Leinwand gemalte Tapete mit niederländischen Landschaftsszenen aus dem späten 18. Jahrhundert. Experten haben bei dem Kapitänshaus immer wieder davor gewarnt, wie zersetzend sich der derzeitige Zustand auf die Tapete auswirkt. „Dadurch wird die Alterung des Materials beschleunigt“, sagte Diplom-Restauratorin Tanja Pieper-Beenken im Gespräch mit der Redaktion. Die Jeveranerin hatte vor Jahren ein Angebot für die Sanierung der Tapete abgegeben. Sie ist spezialisiert auf die Restaurierung von Gemälden, Rahmen, Ikonen und Skulpturen. Im Schloss in Jever hat sie vor drei Jahren unter anderem die dortigen Ledertapeten restauriert. Sie hält es für erforderlich, dass Luftfeuchtigkeit und Temperatur in dem Tapetenzimmer in Westgroßefehn auch nach der Restaurierung regemäßig kontrolliert werden.

Moritz und Vanessa Messerer wollten die Tapete im Kapitänshaus öffentlich zugänglich machen. Jetzt stellt sich langsam eher die Frage, ob es nicht zur öffentlichen Rettung des Juwels kommen sollte. Wie viele Winter ohne Heizung das empfindliche Material der Tapete noch übersteht, vermöchte Tanja Pieper-Beenken nicht einzuschätzen.

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