Berlin Mehrheit der Frauen meidet Gehaltsverhandlungen: So bereiten Sie sich optimal vor
Unzufrieden mit dem eigenen Gehalt – aber für ein Gespräch mit dem Chef fehlt der Mut? So geht es vielen Menschen. Hier finden Sie Tipps, wie Sie sich darauf am besten vorbereiten können.
Im Durchschnitt verdient eine Frau in Deutschland immer noch weniger Gehalt als ein Mann. Der internationale Equal Pay Day am 6. März soll auf diese Lohnlücke zwischen Männern und Frauen hinweisen. Dazu hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov gemeinsam mit der Jobbörse Indeed eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass viele Menschen zu wenig Mut haben, nach einer Gehaltserhöhung zu fragen.
Fast jede zweite Frau hält ihren Lohn für unterbezahlt. Die Umfrage von YouGov zeigt, dass es bei den deutschen Frauen sogar 57 Prozent sind. 45 Prozent von ihnen haben trotz der Unzufriedenheit noch kein Gespräch mit dem Arbeitgeber geführt. Dies liege vor allem an der Angst vor Zurückweisung oder sogar negativen Folgen im Arbeitsalltag.
Wenn Sie gerne ein Gespräch mit ihrem Arbeitgeber über mehr Gehalt führen wollen, aber unsicher sind, empfiehlt Arbeitsmarktexpertin Annina Hering gegenüber „Focus“, sich zuerst Argumente zu überlegen, warum der Chef ihrer Forderung zustimmen sollte. Dabei sollten Sie konkret auf einzelne Projekte eingehen, da es vor allem in größeren Unternehmen häufig vorkommt, dass es nicht mehr übersichtlich ist, wer woran gearbeitet hat.
Die Frage nach dem Gespräch über mehr Gehalt ist für viele Menschen unangenehm. Um dieses zu umgehen, können Sie erst einmal um ein Mitarbeitergespräch bitten.
Wichtig ist, dass Sie gut abpassen, wann Ihr Gespräch am wahrscheinlichsten zu einem Erfolg führt. Ist das Unternehmen gerade selbst wirtschaftlich nicht gut aufgestellt oder ein Projekt ist gerade gescheitert, sollten Sie ihr Anliegen auf einen späteren Zeitpunkt verlegen. Besonders eignen würde es sich laut Hering, wenn Sie gerade einen Aufgabenbereich erfolgreich abgeschlossen haben.
Wer sich nach einer Gehaltserhöhung sehnt, sollte laut Statista damit in der Regel bis April warten.
Vor einer Gehaltsverhandlung ist es wichtig, einen konkreten Wunsch zu haben, wie viel Geld Sie zukünftig erhalten wollen. Dabei ist darauf zu achten, dass Ihre Vorstellung nicht weit über dem durchschnittlichen Branchengehalt liegt.
Wenn Sie nicht wissen, wie viel Geld sie künftig verdienen wollen, empfiehlt beispielsweise die Personalvermittlung Robert Half zehn Prozent mehr als das derzeitige Gehalt zu fordern. Die Berufsbörse Stepstone empfiehlt, den Gehaltswunsch bei gleichbleibendem Aufgabengebiet um drei bis fünf Prozent höher anzusetzen, da Arbeitgeber meist versuchten, den Gehaltswunsch herabzusetzen.
Außerdem empfiehlt die Personalvermittlung eine ungerade Zahl zu wählen, da Sie dem Arbeitgeber damit suggerieren, dass Sie sich mit der aktuellen Marktsituation beschäftigt haben. Die Summe sollten Sie dann so selbstbewusst wie möglich äußern, um zu vermitteln, dass sie selbst auch davon überzeugt sind, diesen Betrag zu verdienen.
Auch wenn Sie einen festen Gehaltswunsch haben, sollten Sie sich nicht zu sehr darauf beschränken. Da es sich um eine Verhandlung handelt, müssen Sie davon ausgehen, dass nicht der erste Wunsch sofort akzeptiert wird, ohne Nachfragen und Alternativen zu stellen.
Rechnen Sie damit, dass Ihr Arbeitgeber statt eines höheren Lohns mehr Urlaubstage oder Zusatzleistungen vorschlagen kann. Überlegen Sie sich, ob dies für Sie in Ordnung wäre oder legen Sie sich Argumente zurecht, warum dies keine Alternative für Sie darstellt.