Appen  Vegan und vegetarisch: Ernährungs-Doc erklärt, ob das wirklich so gesund ist, wie viele denken 

Anna Goldbach
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Von Anna Goldbach
| 06.03.2024 09:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Wie gesund ist eine vegetarische oder vegane Ernährung und was ist die optimale Ernährungsform des Menschen? Matthias Riedl hat Antworten. Foto: imageBROKER/joseantona /Anna Goldbach
Wie gesund ist eine vegetarische oder vegane Ernährung und was ist die optimale Ernährungsform des Menschen? Matthias Riedl hat Antworten. Foto: imageBROKER/joseantona /Anna Goldbach
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Ist Pizza wirklich so eine Sünde? Wie nehme ich richtig ab? Und was bringen Proteinshakes? In unserer sechsteiligen Serie mit Ernährungs-Doc Matthias Riedl nehmen wir Food-Trends unter die Lupe. Heute auf dem Prüfstand: Vegane und vegetarische Ernährung.

Alle, die auf Fleisch verzichten, können aufatmen. Ja, übermäßiger Fleischkonsum ist wirklich nicht gut für unseren Körper. Und Gemüse, wer hätte es gedacht, ist gesund. Und die einzigen Lebensmittel, wie Matthias Riedl, bekannt aus dem NDR-Format „Die Ernährungsdocs“, sagt, von denen man nicht zu viel essen kann. So weit, so gut.

Aber was ist mit Mängeln, die oft von Karnivoren angesprochen werden, sobald es um die Vor- und Nachteile einer pflanzenbasierten Ernährung geht? Kann bei fleischfreier Ernährung überhaupt noch von einem Trend gesprochen werden? Und was ist denn nun die optimale Ernährungsform des Menschen? Der Appener Matthias Riedl hat die Antworten.

Frage: Herr Riedl, mittlerweile findet sich in den meisten Restaurants eine vegetarische und auch vegane Alternative auf der Speisekarte. Kann man bei fleischfreier Ernährung noch von einem „Trend“ sprechen?

Antwort: Wenn Sie Bücher über vegane Ernährung herausbringen, erreichen die kaum Auflagezahlen. Es ist immer noch eine Minderheit, die sich vegan ernährt. Bei meinen Vorträgen erlebe ich nach wie vor: Die meisten sind anti-vegan eingestellt, ein großes Aufstöhnen, wenn es um fleischfreie Ernährung geht. Ich glaube, dass es sich bei der veganen Ernährung um einen Grundtrend handelt, der aber immer unter zehn Prozent bleiben wird. Einfach, weil es eine sehr extreme Variante ist. Anders sieht das bei der vegetarischen Ernährung aus: Die ist auch viel leichter durchzuführen. Dazu kommt, dass eine rein vegane Ernährung leider auch zur Mangelversorgung führt, weil man dann Supplemente nehmen muss. Definitionsgemäß ist Veganismus demnach keine artgerechte Ernährung. Denn: auch wenn wir das nicht gerne hören, wir brauchen evolutionsbedingt tierische Produkte. Dass wir Menschen daraus jedoch reine Fleischfresserei gemacht haben, ist allerdings eine Perversion! Und zwar eine, die wir unbedingt zurückführen müssen. Ein bisschen tierische Produkte zu uns zu nehmen, ist aber gut.

Frage: Wenn Sie jetzt sagen „ein bisschen tierische Produkte“, reicht es dann nicht, wenn man sich vegetarisch ernährt, also Eier und Milchprodukte konsumiert? Wäre die vegetarische dann nicht die optimale Ernährungsform?

Antwort: Das wäre dann eine sehr gute Ernährung, ja. Wenn man ab und zu vielleicht noch ein bisschen Fisch isst, ist alles paletti. Das liegt daran, dass der Mensch eine sehr lange Beziehung zum Fisch hat. Der war nämlich das am leichtesten zu jagende Tier. Der Trend der Zukunft ist, vegane oder vegetarische Gerichte im Rahmen einer flexitarischen Ernährung zu essen.

Frage: Also ab und zu auch Fleisch zu konsumieren und weg von der „Perversion“, wie Sie sagten?

Antwort: Genau. Deshalb fordere ich auch von den Restaurants, dass sie wegkommen von diesen Riesen-Fleischportionen.

Frage: Wo liegen denn die Vor- und Nachteile einer pflanzenbasierten, also vegetarischen und veganen, Ernährung?

Antwort: Sie wirkt gegen alle Zivilisationskrankheiten, das kann man so pauschal sagen. Also gegen Depressionen, Fettleber, Übergewicht, sie macht fitter. Es ist die artgerechte Ernährung des Menschen, so wie wir uns seit Zweimillionen Jahren ernährt haben und auch sollten. Wir sind da nur vom Weg abgekommen. In meiner Jugend waren wir noch gut dabei: Da gab es den Sonntagsbraten und das war ja auch irgendwie vertretbar, auch wenn er etwas zu groß war.

Frage: Apropos Braten: Ob Fleischsalat oder Schnitzel. Für fast alles gibt es heute eine fleischfreie Alternative. Was halten Sie von diesen Ersatzprodukten?

Antwort: Gar nichts. Das ist der Hauptkiller und ein Sprengstoff für unsere Gesellschaft, die müssen gebannt werden.

Frage: Inwiefern Sprengstoff der Gesellschaft?

Antwort: Diese hochverarbeiteten Produkte machen uns krank. Und wer krank ist, hat weniger Möglichkeiten zur Teilhabe, verdient weniger, muss früher aus dem Beruf ausscheiden, ernährt seine Kinder dann auch mit Fertigprodukten. Wir haben schon richtige Generationen, die mit Fertigprodukten groß geworden sind. Es werden Junkfood-Dynastien entstehen, mit einer erhöhten Rate von ADHS. Erwiesen ist auch, dass die Kinder von Müttern, die sich von hochverarbeiten Produkten ernähren, neurologische Defizite haben.

Frage: Gilt hier nicht wie so oft auch: Die Menge macht das Gift?

Antwort: Die deutsche Gesellschaft für Ernährung sagt, wenn man das mal isst, macht das nichts. Ich sage, würde ich nicht machen. Weil es empfindliche Menschen gibt, deren Darmflora auf die Chemie in den Lebensmitteln reagiert und dazu neigen, eine Autoimmunerkrankung zu entwickeln. Wir kennen Patienten, die waren einmal bei McDonalds und hinterher bekamen sie Darmbluten. Wir müssen weg von der Vorstellung, dass die Produkte aussehen sollen wie Fleisch und lernen Leckeres aus Gemüse zuzubereiten.

Frage: Worauf sollte man bei einer fleischfreien Ernährung achten?

Antwort: Wer sich Fleischfrei ernährt, muss viel Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkorn essen, sonst läuft man auf einen Mangel zu.

Weiterlesen: Ernährungs-Doc erklärt: Wovon lasse ich beim Einkaufen im Supermarkt besser die Finger?

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