Appen  Was hat NDR-Ernährungs-Doc Matthias Riedl an Lebensmitteln in seinem Kühlschrank?

Anna Goldbach
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Von Anna Goldbach
| 07.03.2024 12:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Manchmal muss es die Currywurst sein. Dann aber selbstgemacht. Welche Rolle Ernährung im Leben des Ernährungsmediziners Matthias Riedl spielt, warum er doch nicht Förster geworden ist und zu welcher Musik er immer tanzen kann, hat der NDR-Ernährungs-Doc uns erzählt.

Hell ist es bei Matthias Riedl zu Hause. Viel Glas, das den Blick in den Garten freigibt, den er zu renaturieren versucht. Eine Sumpfschildkröte habe er dort mal gesehen, erzählt er. Riedl lebt gerne in Schleswig-Holstein auf dem Land. Dort, wo man seine Nachbarn noch kennt, sich grüßt mit einem Lächeln auf den Lippen. Da fühlt er sich wohl.

Auf der Kochinsel in der offenen, geräumigen Wohnküche liegen Paprika und Karotte. Riedls Mittagessen. Er esse häufig im Auto. „Ich weiß, dass das ungesund ist“, sagt der NDR-Ernährungsdoc und lacht. „Aber Autofahren erholt mich ein bisschen und wenn ich dabei noch was knabbern kann, ist das ja besser als nichts zu essen“.

Matthias Riedl redet viel, er weiß auch viel. „Bremsen Sie mich“, sagt er freundlich. Denn bevor wir uns über Ernährung unterhalten, wollen wir über ihn sprechen. Riedl ist als mittleres von drei Kindern in Schleswig-Holstein 1962 geboren und dort aufgewachsen. Seit 2000 lebt er wieder in der Region, zuvor hat der Mediziner in Hamburg gelebt. „Ich bin sehr heimat- und familienverbunden“, sagt Riedl.

Er habe früher Förster werden wollen. Oder Journalist. Oder Arzt. Dass es dann tatsächlich das Medizinstudium geworden ist, hat Riedl seinen Erfahrungen mit Medizinern in seiner Kindheit zu verdanken. Mit acht Jahren sei er mit seiner Heuschnupfenerkrankung an einen älteren Arzt geraten, der ihn als „schwächlich“ abgestempelt und nach St. Peter-Ording verschickt habe. „Nazi-Medizin“ nennt Riedl das, „fand ich nicht toll“. Wenig später habe er einen jüngeren Arzt aufgesucht – der die Allergie als solche erkannt und eine Hypersensibilisierung vorgeschlagen habe.

Während des Medizinstudiums arbeitete er als freier Journalist. Mit Beginn des Ärztedaseins und seiner Stelle als Internist in der heutigen Regioklinik in Pinneberg ließ er das Schreiben vorerst hinter sich. Heute stapeln sich unter der leeren Garderobe im Eingangsbereich Bücher. Seine Bücher. Als Autor zahlreicher Ernährungsratgeber und Fachbücher hat er zum Schreiben zurückgefunden.

Dass er sich dem Thema Diabetes und Ernährung widmete, hat ebenfalls mit einer Begegnung zu tun, die Riedl als junger Arzt machte. Man habe ihm damals ein Buch in die Hand gedrückt und ihn damit zu einer jungen Patientin geschickt, die an Diabetes litt. Nach wenigen Minuten habe er keine der Fragen mehr beantworten können und der 18-Jährigen schlicht das Buch dagelassen. „Nie wieder machst du das, dachte ich“. Er habe ihr weder Informationen noch Trost spenden können. „Damals kam so langsam die Diabetologie auf“, erinnert er sich. „Ich habe dann ein Diabeteszentrum in Pinneberg gegründet“. Und damit begann alles.

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Riedl merkte, welche Rolle Ernährung in der Medizin spielt. Bluthochdruck, Übergewicht, Rheuma, Depressionen – all das ließe sich durch Essen steuern, teils heilen.

Aber wie ist das so als Ernährungsmediziner? Welche Rolle spielt Essen in seinem Leben, welche Verzicht? Aus dem Wasserhahn lässt er kochendes Wasser in seine Teetasse laufen. Pfefferminze. Er überlegt. Verzicht gebe es nicht wirklich. Weil er weiß, was bestimmte Lebensmittel mit seinem Körper anstellen, fühle sich das Weglassen dieser nicht wie Verzicht an. Dennoch: Auch ein Matthias Riedl greife bei Stress mal zu Snacks. Dunkler Schokolade oder Nüssen. Und manchmal, da muss es auch Marzipan sein, sagt er und lacht:

„Meine Ernährung ist relativ gut“, sagt Matthias Riedl. Ein Blick in Riedls Kühlschrank bestätigt das. Hier wird sich ausgewogen ernährt – genauer: flexitarisch. Auswärts esse er meist vegan, im Kühlschrank befinden sich aber auch Milchprodukte, wie Biokäse und Joghurt, aber auch Sojamilch, Fisch – „ich mag den Geschmack einfach“ –, frisches Gemüse und Sardellen, Kapern, Peperoni und Oliven. Hochverarbeitete Produkte? Fehlanzeige. Auch vegane Ersatzprodukte würden nicht in seinem Magen landen. Sein Comfort-Food? „Suppen, die habe ich eingefroren immer da“.

Die Ernährungsmedizin befinde sich derzeit im Wandel, so der zweifache Vater. Immer klarer sei, dass nicht jedes Symptom einzeln bekämpft werden müsse, sondern die Ursache dessen angegangen werden.

Vor zehn Jahren wurde Riedl dann auch noch TV-Arzt. Als Ernährungs-Doc des erfolgreichen NDR-Formats wird er häufig erkannt – auf der Straße, im Restaurant oder an der Supermarktkasse angesprochen. Stören tut ihn das nicht. Meist seien die Menschen dankbar, erzählten ihm von ihren Erfolgen – angestoßen durch ihn.

Es sei zwar gut über Lebensmittel zu sprechen, die gesund machen. Man müsse aber auch darauf schauen, welche krank machen. Und genau da müsse die Politik tätig werden. „Die Lebensmittelampel ist Bullshit!“. Ungesunde Lebensmittel müssten deutlicher als solche deklariert werden. „Wenn vorne draufsteht, wie viel Salz oder minderwertige Öle darin sind, würde Rügenwalder sofort seine Rezeptur verändern“. Lebensmittel der Nova-Klasse vier (hochverarbeitete, industriell hergestellte Lebensmittel, Anm. d. red.) sollten hoch besteuert werden „und mit dem Geld Nüsse, Pilze und Vollkornprodukte subventioniert werden“.

Würden die Menschen sich besser ernähren, wäre auch die Welt eine bessere. Davon ist Riedl überzeugt. Denn auch das Empathievermögen der Menschen würde durch Ernährung gesteuert – und durch eine gemüsereiche Ernährung mit genug Omega 3 und Magnesium begünstigt. „Das ist genau das, was die alle nicht essen. Und ja wir haben ein Empathieproblem“. Das zeige sich dieser Tage deutlich.

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