Hamburg Rente: So schlecht sind Frauen gegenüber Männern gestellt
Frauen bekommen im Schnitt deutlich weniger Rente als Männer. Wie groß die geschlechtsspezifische Rentenlücke immer noch ist und wie sie sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat.
Laut dem aktuellsten deutschen Rentenatlas, den die Deutsche Rentenversicherung (DRV) jährlich herausgibt, liegt die Durchschnittsrente in Deutschland bei 1550 Euro brutto. Das gilt für alle, die mehr als 35 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben. Abzüglich der Krankenversicherung und Steuern kommt allerdings weit weniger bei den meisten Rentnern an.
Männer erhalten im Schnitt 1295 Euro Rente im Monat. Frauen müssen mit sehr viel weniger auskommen: Rentnerinnen beziehen nur 863 Euro Rente netto.
Natürlich gibt es auch Rentner, die eine höhere Rente von 1950 Euro und mehr erhalten. Aber auch hier ist die Ungleichheit groß: Das trifft auf mehr als 15 Prozent der Männer zu, aber auf nicht mal zwei Prozent der Frauen.
Mehr als 60 Prozent der Frauen beziehen dagegen eine Rente, die unter oder gerade im Durchschnitt liegt. Nur ein Drittel der Männer bezieht im Ruhestand genauso wenig Geld.
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Immerhin haben sich die Bezüge von Männern und Frauen seit 2005 minimal angeglichen. Während die durchschnittliche monatliche Nettorente aller Rentner um 304 Euro gewachsen ist, stieg die aller Rentnerinnen um 354 Euro.
Diese Statista-Grafik zeigt anschaulich, wie groß die Rentenlücke je nach Versicherungsjahren für Frauen ist:
Doch das ist nur ein schwacher Trost. Die durchschnittliche monatliche Rente einer Frau liegt noch immer 432 Euro unter der eines Mannes. Die Rentenlücke zwischen den Geschlechtern, auch Gender Pension Gap genannt, besteht also weiterhin.
Frauen können die geringere staatliche Rente auch nicht durch andere Alterseinkünfte ausgleichen. Nach den Ergebnissen einer repräsentativen Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen 2021 bezogen Frauen, die 65 Jahre und älter waren, in Deutschland jährlich Alterseinkünfte in Höhe von 17.814 Euro brutto. Bei Männern der gleichen Altersgruppe waren es 25.407 Euro. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) sind die Alterseinkünfte von Frauen damit durchschnittlich knapp ein Drittel niedriger als die von Männern.
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Die Ursachen für die Unterschiede sind vielfältig: So erwerben Frauen im Laufe ihres Erwerbslebens im Schnitt geringere Rentenansprüche, weil sie teilweise in schlechter bezahlten Branchen arbeiten als Männer. Frauen arbeiten zudem häufiger in Teilzeit, nehmen häufiger und längere Auszeiten für Care-Arbeit und sind seltener in Führungspositionen tätig.
Auch die aktuell erwerbstätigen Frauen müssen damit rechnen, dass sie in Zukunft weniger Alterseinkünfte haben als die Männer. Dafür spricht unter anderem die unterschiedliche Teilzeitquote von Männern und Frauen. 2021 gingen nach Ergebnissen des Mikrozensus 47,4 Prozent der erwerbstätigen Frauen im Alter von 15 bis 64 Jahren einer Teilzeittätigkeit nach, aber nur 10,6 Prozent der gleichaltrigen Männer.
Bei Erwerbstätigen, die Kinder haben, verstärkt sich dieser Unterschied: Hier betrug die Teilzeitquote bei Müttern 63,6 Prozent, bei Vätern lediglich 7,3 Prozent.
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