Katholische Kirche wird abgerissen So werden die Kirchenbänke aus Pewsum jetzt wiederverwendet
Weil die katholische Kapelle im Krummhörner Ort Pewsum abgerissen werden soll, war am Samstag „Räumungsverkauf“. Wer schnappte sich eine Kirchenbank und was macht man eigentlich damit? Was gab es sonst noch?
Pewsum - Ein bisschen Wehmut liegt in der Luft, als es am Samstag, 9. März 2024, ans Ausräumen der kleinen katholischen Kapelle St. Hedwig im Krummhörner Ort Pewsum geht. „Ich hatte meine Erstkommunion hier. Seit meinem sechsten Lebensjahr war ich immer hier“, sagt die Pewsumerin Nicola Brüggemann. Sie ist zum Helfen gekommen. Es sei schade, dass sich die Kirche den Weiterbetrieb nicht mehr leisten könne. Schon die vergangenen Jahre, spätestens seit der Corona-Pandemie, war sie nach Emden zum Gottesdienst gegangen. St. Hedwig war ungenutzt, weil sie zu klein für das Einhalten von Corona-Auflagen war.
Als wir vor 10 Uhr in der kleinen Kapelle an der Woltzetener Straße stehen, sieht alles auf den ersten Blick noch so aus, als könnte jeden Moment die Messe starten. Auf der kleinen Orgel liegen noch Noten, ein paar Stifte, eine Brille. Die große Kerze neben dem Altar wartet darauf, angezündet zu werden. Die Sonne scheint warm durch die bunten Kirchengläser. Doch wer genauer hinsieht, merkt, dass die Kapelle in die Jahre gekommen ist. Von den Wänden blättert die Farbe. Dann ist es 10 Uhr und der „Räumungsverkauf“ beginnt.
Was passiert mit den Kirchbänken?
Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, kann mitgenommen werden. Ein älteres Paar, das namentlich nicht genannt werden möchte, hat sich vier der Kirchenbänke ausgesucht. Diese sind rund 2,30 Meter lang und noch in sehr gutem Zustand. Sie sollen in einem privaten Gebetsraum wieder aufgestellt werden, sagt die Frau. Auch entscheidet sie sich für die an der Wand aufgehängten 14 Bildnisse des Kreuzwegs Jesu.
Eine ganze andere Idee hat ein Freundeskreis aus Pewsum. Auch hier werden vier Bänke mitgenommen - für einen Partyraum. Und warum auch nicht? Ansonsten würden die Möbel womöglich auf dem Müll landen. Mit schnellen Handgriffen sind die Bänke auf den Anhängern befestigt. Auch noch Hängelampen aus der Kapelle und Hocker finden Platz.
Gute Idee für die Kirchenglocke
Alfred Dellwisch hat einen ganz anderen Auftrag. Er kommt von der katholischen Kirche aus Aurich und unterstützt Bekannte aus Litauen. Die Kongregation der Schwestern der Heiligen Elisabeth wolle dort eine Kapelle aufbauen, erklärt er. Geeignet dafür wäre die Kirchenglocke aus Pewsum und das Tabernakel. Das ist die Bezeichnung für den Aufbewahrungsort, der in der Eucharistiefeier, also Messe, geweihte Hostien enthält, also das zum Abendmahl verwendete Brot.
Rund 1500 Kilometer sollen Glocke und Tabernakel reisen. Als wir die Kirche verlassen haben, war aber noch nicht klar, wie die Glocke vom Dach der kleinen Kapelle geholt werden sollte. Auch waren zu der Zeit noch einige Bänke und andere Dinge, wie etwa ein großer Adventskranz-Ständer, Schränke und anderes in der Kapelle.
Wie geht es jetzt weiter?
Weil die Mitgliederzahlen weiter sinken und die katholische Kirche die Kapelle in Pewsum nicht mehr finanzieren kann, soll sie abgerissen werden. „Kirchorte aufgeben ist sicher mit Traurigkeit verbunden. Viele Menschen haben in St. Hedwig Gottesdienst gefeiert und Zeit mit Gott verbracht“, heißt es im Pfarrbrief für Februar/März. „So wollen wir uns in einem besonderen Gottesdienst im Sommer von St. Hedwig in Pewsum verabschieden“, schreibt die Gemeinde weiter. Der genaue Termin stehe aber noch nicht fest.
Ebenso steht noch nicht fest, wann die Kapelle abgerissen wird, sagt Pfarrer Georg Pützer vor Ort in Pewsum. Das Problem: Der Zeitpunkt hängt von der Neubesetzung des Bischofsstuhls in Osnabrück ab. Er ist vakant, seitdem Bischof Franz-Josef Bode im März 2023 seinen Rücktritt erklärt hatte. Nach den Statuten der katholischen Kirche darf die Profanierung, also Entweihung, einer Kirche nur der residierende Bischof vornehmen. Seniorenwohnungen und ein Andachtsraum sollen auf dem Grundstück nach Abriss entstehen.
Kirchenbänke auch in Emden abholen
Wer noch Kirchenbänke haben möchte, kann sich auch in Emden einen Termin im Kalender eintragen. Denn: Auch die Kirche St. Walburga im Stadtteil Barenburg soll aufgegeben werden. Sie soll ebenfalls profaniert und Wohnraum für Menschen unterschiedlicher Altersstufen weichen. Die Kirche St. Michael in Groß Faldern soll saniert werden, „um die Stabilität des Seitenschiffes zu gewährleisten. Im Zuge der Stabilisierung wird auch das Innere der Kirche erneuert“, heißt es im Pfarrbrief.
Dafür muss die Kirche einmal komplett ausgeräumt werden. Einige Kirchenbänke würden auch hier nicht mehr gebraucht. Sie können am 6. April, ab 10 Uhr, abgeholt werden. Allerdings: Sie sind etwas größer als die aus St. Hedwig. Die großen Bänke in St. Michael sind nämlich 4,15 Meter lang, 80 Zentimeter breit und gut einen Meter hoch. Die kleineren sind immerhin fast 2,7 Meter lang.