Geburtstag in Wiesmoor  100 Lebensjahre brachten viele Schicksalsschläge

| | 13.03.2024 09:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Marga Rademacher wird 100 Jahre alt. Fotos: Luppen
Marga Rademacher wird 100 Jahre alt. Fotos: Luppen
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Bis zu ihrem 99. Lebensjahr wohnte Marga Rademacher in Uplengen. Nun feiert sie in Wiesmoor den 100. Geburtstag. Das Leben hat ihr so manchen Schicksalsschlag verpasst, doch ihr Lächeln bleibt.

Wiesmoor - Ihr Lächeln hat sie sich bewahrt, auch wenn sie in ihrem langen Leben schon viele Schicksalsschläge verkraften musste. „Ich heiße Marga Rademacher“, sagt die freundliche weißhaarige Frau und gibt der Besucherin die Hand. Sie sitzt dort, wo sie den größten Teil des Tages verbringt: am Tisch im Aufenthaltsraum des Alten- und Pflegeheims Haus Büsing in Wiesmoor. Auch wenn das Gedächtnis nicht mehr richtig mitspielt: Dass sie an diesem Mittwoch, 13. März 2024, Geburtstag hat, das weiß Marga Rademacher (ehemals Görtemaker) genau. Sie wird 100 Jahre alt.

Beim Fototermin winkt sie ihrem Sohn zu.
Beim Fototermin winkt sie ihrem Sohn zu.

Fürs Foto schaut die Jubilarin in die Kamera, wirft dann einen Blick zu ihrem Sohn und winkt. Hajo Rademacher (77) ist das älteste von vier Kindern – und das einzige, das noch lebt. Auch ihren Mann hat Marga Rademacher schon vor mehr als 20 Jahren verloren. Doch ihre drei Enkel und fünf Urenkel leben. Ihr Sohn und ihre Schwiegertochter besuchen sie mehrmals in der Woche. Auch Enkel und Urenkel schauen regelmäßig vorbei. Wer weiß, vielleicht wird Marga Rademacher noch Ururgroßmutter. Ihr ältester Urenkel ist schon 28.

Im Alter von anderthalb adoptiert

Sie wurde am 13. März 1924 in Bremen geboren. Im Alter von anderthalb Jahren wurde sie vom Ehepaar Görtemaker adoptiert und wuchs in Jheringsfehn (Gemeinde Moormerland) als Einzelkind auf. „Sie hatte eine sehr glückliche Kindheit“, sagt ihr Sohn. Der Vater, von Beruf Schiffer, habe sie hin und wieder mit aufs Schiff genommen. Auch er erinnere sich noch gut an den freundlichen Großvater mit Pfeife im Mund, sagt Hajo Rademacher.

Als Marga Görtemaker 1945 heiratete, war der Zweite Weltkrieg noch nicht zu Ende. Ihr Ehemann Theodor Rademacher war zu dieser Zeit bei der Marine in Norwegen stationiert. Geheiratet wurde per Ferntrauung. Das heißt: Das Paar gab sich auf dem Postweg das Jawort. Nach dem Krieg holten die beiden die Trauung noch einmal in Präsenz nach. Kurz darauf zogen sie in das Heimatdorf des Ehemanns, nach Poghausen (Gemeinde Uplengen). Zunächst arbeitete der Ehemann in der Schmiede und Sattlerei seines Vaters mit. Mitte der 1950er Jahre bauten sie in Poghausen ein eigenes Haus und eröffneten ein Zweiradgeschäft.

Viele Bekannte im Schwarzwald

„Mein Vater war sozial eingestellt“, sagt Hajo Rademacher über den Schlosser- und Mechanikermeister. Arbeiter des Torfkraftwerks Wiesmoor hätten ihre Fahrräder und Mopeds zur Reparatur gebracht, ein Leihrad bekommen und hinterher beim Abholen von seiner Mutter noch eine Tasse Tee.

Der Name Rademacher ist Uplengenern bis heute ein Begriff. Hajo lernte Fernsehtechniker und eröffnete in Remels ein Fachgeschäft, das immer noch existiert. Seine Eltern gaben ihr Zweiradgeschäft auf, als der Vater 65 wurde. Die Räume dienen dem Sohn heute als Hobbywerkstatt. Viele Jahre lang machten Rademachers jedes Jahr Urlaub in Oppenau im Schwarzwald. „Dort hatten sie viele Bekannte, die hier auf Besuch kamen“, sagt ihr Sohn. Die meisten seien nicht mehr am Leben, doch vereinzelt gebe es noch Kontakt.

Erst mit 99 ins Altenheim

Bis weit über ihr 90. Lebensjahr hinaus war Marga Rademacher noch sehr selbstständig und wohnte in ihrer eigenen Wohnung in Poghausen, Tür an Tür mit den Kindern. Ihr Hobby war Stricken. Sie habe dem Kinderschutzbund Leer einmal 70 oder 80 Paar Socken gespendet, erinnert sich ihr Sohn. Sie habe außerdem regelmäßig die Familie bekocht. Erst im Mai 2023, im Alter von 99 Jahren, zog sie in das Altenheim nach Wiesmoor.

Der 100. Geburtstag wird am Mittwoch im kleinen Kreis gefeiert, mit zwölf Gästen. Auch der Pastor aus Marga Rademachers Heimatkirchengemeinde Ockenhausen kommt, außerdem ein Vertreter der Stadt Wiesmoor. Für die Bewohner und das Personal im Haus Büsing gibt es Kuchen vom Blech. „Sie war immer sehr herzlich“, sagt Hajo Rademacher über seine Mutter. Ihr herzliches Wesen, es blitzt noch immer auf.

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