Sicherheit für Wohnsiedlung „Kissen“ auf der Straße sollen Raser ausbremsen
Das Problem gibt es nicht nur im Meedenweg in Weener: In vielen Siedlungen mit verkehrsberuhigten Zonen wird gerast. Doch wie lassen sich Schnellfahrer effektiv ausbremsen? In Weener gibt’s eine Idee.
Weener - Helmut Timmer wohnt gerne mit seiner Familie im Meedenweg in Weener. Eine Sache nervt ihn aber gewaltig – und damit steht er nicht alleine da. „Die Autos rasen hier mit Tempo 50 und schneller durch“, bringt Timmer das Hauptproblem auf den Punkt. Dabei sind der Meedenweg und umliegende Straßen eine verkehrsberuhigte Zone.
Dort ist eigentlich nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt. Weil sich nach ihrer Beobachtung aber kaum jemand daran hält, hatten die Anwohner im vergangenen Jahr eine Unterschriftensammlung initiiert. Politik und Verwaltung verschafften sich bei einem Ortstermin einen Überblick über die Situation und sahen die Schilderungen der Anlieger bestätigt. Es wurde ein Arbeitskreis gebildet, der Vorschläge für mehr Sicherheit entwickeln sollte.
Was ist aus den Ideen geworden?
Die Bilanz in der Sitzung des Ausschusses für Bau- und Stadtentwicklung fiel ernüchternd aus. „Wir wollten möglichst Maßnahmen ohne Eingriff in die Infrastruktur umsetzen“, berichtete Bürgermeister Heiko Abbas. Piktogramme, sogenannte „Haifischzähne“ und größere Schilder, die auf den verkehrsberuhigten Bereich hinweisen, hätten sich ohne großen finanziellen Aufwand umsetzen lassen. Aber: „Der Landkreis als Verkehrs-Anordnungsbehörde will das nicht genehmigen“, machte der Bürgermeister deutlich. Weil es ähnliche Probleme gibt, will man offenbar kein Exempel statuieren. „Macht es Sinn, wenn wir mit dem Anliegen direkt auf den Landkreis zugehen?“, wollte Hartmut Timmer wissen. „Nach meiner Einschätzung wird das den Landkreis nicht von seiner Haltung abbringen und zum Umdenken bewegen“, so der Bürgermeister.
Was sagt der Landkreis?
Der Landkreis hat als untere Verkehrsbehörde umfangreiche Vorgaben, wann er welche Beschilderung anordnen darf. Daran ist er gebunden. „Die Anordnung von Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen ist nach der Straßenverkehrsordnung nur zulässig, wenn dieses aufgrund der besonderen Umstände zwingend erforderlich ist“, teilt Landkreissprecherin Maike Kuch auf Nachfrage mit. Einfach ausgedrückt: Schilder darf die Verkehrsbehörde nur anordnen, wenn es gar nicht anders geht. „Es muss eine Gefahrenlage bestehen, die das übliche Risiko im Straßenverkehr erheblich übersteigt“, erläutert die Landkreissprecherin. Eine besondere Gefahr bestehe dort, wo die Verkehrsteilnehmer im Vergleich zu anderen vergleichbaren Straßen in besonderes hohem Maß objektiv gefährdet seien. „Im Fall des Meedenwegs und der anderen Straßen dieser Siedlung müssten diese Straßen gegenüber anderen verkehrsberuhigten Bereichen und Tempo-30-Zonen besonders gefährlich sein“, so Kuch weiter, „hierfür sind aber objektiv keine Gründe erkennbar, so dass die gewünschte Beschilderung nicht angeordnet werden durfte.“
Welche Maßnahmen sind möglich?
Nach dem Vorschlag des Arbeitskreises sollen Verkehrsteilnehmer stattdessen mit sogenannten „Hamburger Kissen“ ausgebremst werden. Dass sind Schwellen, die auf der Fahrbahn montiert werden. Damit soll die Siedlung, die gern als Abkürzung in die Graf-Edazard-Straße genutzt wird, für den Durchgangsverkehr möglichst unattraktiv gemacht werden. „Wir nehmen für die weitere Verkehrsberuhigung in Kauf, dass wir in einen relativ neuen und intakten Straßenkörper eingreifen“, machte der Bürgermeister deutlich. Alternativen zu den „Hamburger Kissen“ gebe es zwar, die schließt Abbas aber aus. Sogenannte „Kölner Teller“ bergen für Fahrradfahrer nach seinen Worten eine zu hohe Sturzgefahr. „Und für das Aufstellen von Pflanzkübeln zur Geschwindigkeitsreduzierung ist die Straße zu schmal.“
Wie geht‘s weiter?
Nach dem Vorschlag des Bürgermeisters sollen für die Haushaltsberatungen 10.000 Euro für eine beliebige Zahl „Hamburger Kissen“ bereitgestellt werden. Aktuell kostet eine dieser Schwellen einen „niedrigen vierstelligen Betrag“. In die Straße eingebaut werden sollen zwei Kissen, in der Einfahrt der Dollartstraße und in der Ausfahrt in den Nedderweg. Dann soll beobachtet werden, wie sich die „Hamburger Kissen“ auf den Verkehrsfluss und auf die Situation im Nedderweg und in den umliegenden Straßen auswirken. „Über die Durchführung der Maßnahmen kann die Stadt Weener als Straßenbaulastträgerin selbst entscheiden, weil sie dafür keine verkehrsbehördliche Anordnung braucht“, teilt Landkreissprecherin Maike Kuch auf Anfrage mit. Allerdings sollte bei den Hamburger Kissen eine Aufpflasterung genau geprüft werden sollte. Dadurch könnte eine Lärmbelästigung für die Bewohner der unmittelbar anliegenden Grundstücke entstehen.