Besuch am Set Ein Blick hinter die Kulissen beim Dreh der Ostfrieslandkrimis
Seit mehreren Wochen werden in Ostfriesland weitere Teile aus der Klaus-Peter-Wolf-Reihe für das ZDF gedreht. Wie läuft so ein Drehtag ab? Wir haben uns am Set umgesehen.
Aurich / Ostfriesland - Für einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Set der Ostfrieslandkrimis beginnt der Tag bereits um sechs Uhr morgens. Dann werden die ersten Schauspielerinnen und Schauspieler abgeholt, damit sie pünktlich zu Drehbeginn mit Maske und Kostüm fertig sind. An diesem Mittwoch ist um 8.30 Uhr Drehstart am Auricher Landgericht. Auf dem Parkplatz an der Julianenburger Straße stehen jede Menge Camper, Produktionswagen mit Maske, Kostüm und Catering. Dort gibt es nicht nur etwas zu Essen, sondern auch frischen Kaffee und Ingwertee zum Aufwärmen - denn gedreht wird an diesem Tag draußen und bei Nieselregen.
In einem der Wagen auf dem Parkplatz sitzt Tom Radisch. Er ist der neue Darsteller von Kommissar Frank Weller, der an Seite von Ann Kathrin Klaasen (Picco von Groote) an den Mordfällen in Ostfriesland ermittelt. Radisch hatte Glück und konnte ausschlafen: „Ich wurde heute erst um zehn Uhr abgeholt“, sagt er. In seinem kleinen Camper hält er sich auf, wenn er gerade nicht drehen muss. Ein kleines Bett, zwei Stühle, ein Tisch und eine Garderobe. „Meistens lese ich hier, schaue Nachrichten oder bereite mich vor.“ Der Text muss nämlich sitzen. „Man muss immer wissen, worum es in den Szenen geht und was man wann sagen muss“, sagt Radisch. Das sei aktuell besonders wichtig, weil derzeit zwei Filme gleichzeitig gedreht werden.
So lernen die Schauspieler der Ostfrieslandkrimis ihren Text
Das heißt, Radisch kann am Vormittag eine Szene aus dem ersten Film und am Nachmittag eine Szene aus dem anderen Film drehen. Außerdem werden die einzelnen Szenen nicht in chronologischer Reigenfolge abgedreht. Wie behält man da den Überblick? „Das ist gar nicht so schwer, wie viele denken“, sagt Radisch. „Wenn man sich in der Vorbereitung die Szenen emotional mit Bildern im Kopf vorstellt, dann verankert sich der Text extrem schnell“, sagt er. „Bei Drehstart habe ich die Texte also alle schon im Kopf.“ Vor den jeweiligen Drehtagen reiche es dann meist aus, sich die Stellen noch einmal in Erinnerung zu rufen und sich genau durchzulesen, was im Drehbuch vor und nach der jeweiligen Szene passiert.
Seit fast drei Monaten arbeitet der 42-Jährige nun in Ostfriesland, nur an den Wochenenden fährt er nach Hause nach Berlin. Der Kontrast zu seiner Wahl-Heimat könnte also größer kaum sein. „Ich bin aber gerne auf dem Land“, sagt er. Probleme hätte er da eher mit dem Wetter gehabt: „Seit ich hier bin, gab es glaube ich drei Sonnentage. Also Respekt an diejenigen, die hier leben“, sagt er. „Die Menschen haben es zum Glück wett gemacht mit ihrer Freundlichkeit, wofür Berlin ja eher nicht bekannt ist.“ Ein Beispiel dafür sei das ‚Moin‘: „Das hat so etwas Beschwingtes. Das nehme ich auf jeden Fall mit nach Berlin.“
So viele Personen arbeiten am Set der Ostfrieslandkrimis
An diesem Mittwoch stehen für den 42-Jährigen nur kleinere Szenen und ein paar Setfotos für das ZDF und die Vermarktung der Filme an. An einem Drehtag sind neben den Schauspielern meist um die 40 Personen beteiligt, an manchen Tagen sogar noch mehr. Neben Kostüm, Maske und Catering gibt es etwa noch die Technik, Kamera, Ton, Licht oder Requisite. Weil die Szenen, die an diesem Tag gedreht werden, im Film den Sitz einer Firma in Bamberg darstellen sollen, mussten die Autos, die zu sehen sein werden, vorab mit Bamberger Kennzeichen ausgestattet werden. „Das frisst natürlich alles immer viel Zeit, dieser Setaufbau“, sagt Martin Lehwald bei einem kleinen Rundgang. Der Filmproduzent ist der Geschäftsführer der „Schiwago Film“, die Firma, die die Ostfrieslandkrimis für das ZDF produziert.
Die aktuelle Produktion geht in diesen Tagen auf die Zielgeraden zu. „Da haben wir natürlich viel Zeitdruck, nächsten Donnerstag muss alles fertig sein.“ Gedreht werden müssen noch zwei „Showdowns“, also die Finale der Filme, in denen die Spannung ihren Höhepunkt erreichen soll. Dazu wird dann auch ein Stuntkoordinator nach Ostfriesland reisen, verrät der Filmproduzent. Es dürfte also actionreich werden.
Nach Drehschluss gibt‘s ne Party
Gedreht werden aktuell „Ostfriesenhölle“ und „Ostfriesentotenstille“. Letzterer kommt eigentlich aus einer anderen Reihe, was die Filmemacher beim Schreiben des Drehbuchs vor Herausforderungen gestellt hat. Die Romanvorlage des Norder Autors Klaus-Peter Wolf ist nämlich aus der Sicht des Täters statt wie bisher aus Sicht der Ermittler geschrieben. „Da mussten wir dann hier und da ein bisschen schauen, wie wir es lösen können“, sagt Martin Lehwald.
Für eine Produktionsfirma wie die Schiwago sind Drehs dieser Art immer wieder eine Herausforderung, sagt er. Der Kostenrahmen werde vorab zwar mit dem ZDF abgesprochen. „Aber viele Dinge sind natürlich deutlich teurer geworden. Personal oder die Unterkünfte zum Beispiel. Deswegen drehen wir auch eigentlich immer in der Nebensaison.“ Nun freut er sich aber erst einmal auf die letzten Drehtage. Dafür wird die Filmcrew noch einmal in Emden, Norden und Aurich unterwegs sein. „Und dann gibt‘s natürlich eine Party“, so Lehwald.
Die Ostfrieslandkrimis, die aktuell gedreht werden, werden nicht vor 2025 zu sehen sein, denn der noch ausstehende Fall „Ostfriesennacht“ ist bereits abgedreht. Dort wird dann auch letztmalig Christian Erdmann als Frank Weller zu sehen sein.
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