Vilnius Nach Anschlag auf Nawalny-Vertrauten Wolkow: In Litauen ermittelt die „Anti-Terror-Einheit“
Leonid Wolkow, einer der engsten Vertrauten des Putin-Gegners Alexej Nawalny, wurde in der Nacht auf Mittwoch in Vilnius überfallen. In Litauen ermittelt nun eine Spezialeinheit.
Der Täter schlug das Autofenster ein und attackierte den Dissidenten. Fotos in litauischen Medien zeigen Wolkows blutverschmierten Beine, ein Arm wurde gebrochen. Der 43-jährige Russe kündigte nach der Entlassung im Krankenhaus mit einer Video-Nachricht an, nicht aufzugeben und bezeichnete den Überfall als „Gangstergruß Putins“.
So wird die Attacke von den Exilrussen in Litauen wie auch von den litauischen Medien gesehen – als einen Einschüchterungsversuch des Kremls, adressiert an die Regimegegner im Baltikum kurz vor den russischen Präsidentschaftswahlen in dieser Woche. Russland ist dafür bekannt, seine Gegner auch im Ausland angreifen zu lassen.
In Litauen ist darum auch die „Anti-Terror-Einheit“ der Polizei für den Fall zuständig, der oder vielleicht auch die Täter konnten noch nicht gefasst werden.
Die Tat rief international Bestürzung hervor und erinnert an den Tod Alexej Nawalnys, welcher am 16. Februar vermutlich auf Anweisung des Kremls in einem russischen Straflager ermordet wurde.
Leonid Wolkow wirkte 2016 bis 2018 als Leiter für dessen Präsidentschaftswahlkampf. Der Mathematiker und IT-Unternehmer, welcher seit 2019 in Litauen zu den wichtigen Regimegegnern, wird in der Russischen Föderation mittlerweile offiziell als Terrorist gelistet. Gerade ein paar Stunden vor der Attacke hatte Leonid Wolkow der russischen Oppositionszeitung „Meduza“ ein Interview gegeben – „Das größte Risiko besteht darin, dass wir alle getötet werden.“ meinte er auf die Gefahren angesprochen.
Die Tat kann so als Teil des aktuellen Drohkampagne Russlands gesehen werden. In einem aktuellen gegenüber russischen Medien erwähnte jüngst Wladimir Putin, dass Russland aus „militärisch-technischer Sicht“ bereit für einen Atomkrieg sei.
Ein Ziel wäre sicherlich Litauen, das an die russische Oblast Kaliningrad grenzt, und als ein entschiedener Kreml-Kritiker wie Anwalt der Ukraine im In- wie Ausland auftritt.
Über 100 000 Migranten aus Russland, Belarus und der Ukraine, Oppositionelle und Kriegsflüchtige, kamen darum in den letzten Jahren in das baltische Land, das gerade mal 2,8 Millionen Einwohner zählt.
Glaubt man den Angaben des litauischen Inlandsgeheimdienstes VDK, sieht sich Russland von der „Stiftung für Korruptionsbekämpfung“ am meisten bedroht. Einige Mitglieder der 2011 von Nawalny gegründeten Organisation, darunter auch Wolkow, befinden sich nach ihrem Verbot 2021 in Litauen. Russlands Dienste seien letztens aktiver geworden, jene auszuspitzeln, die litauische Behörde.
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Dies entspricht wohl nicht ganz der Wahrheit. Die Psychologen haben in dem Land aufgrund der allgemeinen Kriegsangst viel zu tun, aber auch die Armee wird mit Fragen nach einem baldigen russischen Angriff bombardiert, so berichtet das öffentlich-rechtliche Fernsehen LRT.