Aufruf in Linksextremen-Forum  Antifaschist will Konzert von Heino in Ramsloh verhindern

Henrik Zein
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Von Henrik Zein
| 15.03.2024 15:22 Uhr | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Heino tritt am 1. Juni 2024 in Ramsloh auf. In einem Linksextremen-Forum wird nun dazu aufgerufen, das Konzert zu stoppen. Archivfoto: Schnackow/DPA
Heino tritt am 1. Juni 2024 in Ramsloh auf. In einem Linksextremen-Forum wird nun dazu aufgerufen, das Konzert zu stoppen. Archivfoto: Schnackow/DPA
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Auf einer Internet-Plattform ruft der Verfasser dazu auf, das Heino-Konzert am 1. Juni verhindern zu wollen – notfalls auch mit einer Gleitschirm-Attacke aus der Luft. Das sind die Hintergründe.

Ramsloh - Der Auftritt der Schlagerlegende Heino soll einer der Höhepunkte des zweitägigen Saterland Open-Air am 31. Mai und 1. Juni 2024 in Ramsloh werden. Heino soll gemeinsam mit seiner Band am zweiten Veranstaltungstag auf dem Sportplatz singen. Doch nun sorgt ein Aufruf auf der linksextremistischen Internet-Plattform „de.indymedia“ für Wirbel. Dort ruft der User mit dem Namen „mynona1312“ dazu auf, den Auftritt von Heino zu stoppen oder zu sabotieren. Als Grund nennt der Schreiber, dass es nicht zu tolerieren sei, „dass ein Sänger mit rechter Gesinnung auftreten darf“.

In seinem am 5. März 2024 erstellten Eintrag auf der Plattform wirft der Antifaschist dem 85-jährigen Sänger vor, eine rechte Gesinnung zu vertreten und mit seiner Musik Rassismus und Diskriminierung zu fördern. Er verweist dabei auf Heinos Betonung des Deutschen und das Singen von Volksliedern. Er schreibt unter anderem: „Es werden sogenannte Vaterlands- und Heimatlieder zum Besten gegeben sowie Jahrhundertmärsche. Das sind eindeutig Sachen, die Nazis machen. Aber wirklich eindeutig! Das ist wirklich extrem rechts.“

„Attacke mit einem Gleitschirm aus der Luft“

Am Ende seines Eintrags, in dem auch Polizisten beleidigt werden, ruft der Antifaschist dazu auf, mit „kreativen Aktionen zu verhindern, dass Heino auf dem Saterland Open-Air auftreten darf“. Und weiter: Falls es uns Antifas nicht gelingen sollte, den Auftritt zu verhindern, müssen wir diesen sabotieren. Dann sind kreative Störaktionen aller Art gefragt.“ Hier zählt er als Möglichkeit eine „Attacke mit einem Gleitschirm aus der Luft“ auf.

„Dem Heino darf man keine Bühne überlassen“ heißt es in dem Schreiben auf der linksextremistischen Plattform „de.indymedia“. Screenshot: Zein
„Dem Heino darf man keine Bühne überlassen“ heißt es in dem Schreiben auf der linksextremistischen Plattform „de.indymedia“. Screenshot: Zein

Wer hinter dem Nutzernamen „nymona1312“ steckt, ist nicht bekannt. Die Plattform „de.indymedia“ wird durch den Verfassungsschutz als „gesicherte linksextremistische Bestrebung“ beobachtet.

Heino: „Bin weder links noch rechts“

Heino selbst hatte in Interviews immer wieder betont, „weder links noch rechts“ zu sein. Er erklärte: „Im Grunde genommen bin ich Musiker. Ich bin überhaupt kein politischer Mensch.“ Trotzdem setze er sich gegen Rassismus – und gegen die AfD – ein: „Es ist kein Platz für solche rechtslastigen Politiker“, sagte er in einem Interview im Jahr 2019. Vorwürfe, er sei ein Nazi, wies der Sänger vehement zurück.

Die Gemeinde Saterland ist am Mittwoch, 13. März 2024, auf diesen Antifa-Aufruf aufmerksam geworden. Das teilte Bürgermeister Thomas Otto am Donnerstag, 14. März 2024, auf Nachfrage mit. Die Gemeinde sei diesbezüglich mit dem Veranstalter, VOS Eventservice, im Austausch. Otto betonte, dem „durch einen einzelnen, anonymisierten Verfasser getätigten Aufruf (...) keine größere Bühne oder mediale Aufmerksamkeit bieten“ zu wollen. Der Verfasser des Antifa-Eintrags wolle den geplanten Auftritt von Heino „aufgrund einer kruden politischen Zuordnung seiner Lieder oder seiner Person verhindern“, so der Bürgermeister.

Gemeinde wandte sich an die Polizei

Dennoch, so Otto, sei es auch nicht richtig, auf das Schreiben gar nicht zu reagieren beziehungsweise das bereits ausgearbeitete Sicherheitskonzept hierauf nicht nochmal gedanklich zu überprüfen. Otto sagte: „Da die Gemeinde Saterland in das Sicherheitskonzept der Veranstaltung mit eingebunden ist, wurde der Hinweis auf den Text auch von unserer Seite an die Polizei weitergegeben – erstens, um einen solchen Aufruf gegebenenfalls löschen zu lassen, und zweitens, um auch Seitens der Polizei deren Planungen für die Veranstaltung gegebenenfalls und im Dialog bereits frühzeitig überdenken und anzupassen zu können.“ Die Polizei wiederum erklärte, zuvor noch nichts von dem Antifa-Aufruf gehört zu haben und diesen Fall nun erst einmal begutachten zu wollen.

Kevin Vos, Geschäftsführer des Veranstalters VOS Eventservice, teilte auf Nachfrage mit: „Wir nehmen jede Form von geplanten Störaktionen ernst. Jegliche Aussage, dass der Auftritt von Heino rechtsextremes Gedankengut verbreitet oder schürt, weisen wir ganz klar zurück!“ Zudem könne Vos nicht verstehen, warum dem Verfasser des Eintrags in den Medien „überhaupt eine Plattform“ geboten werde und dieses Thema „medial hochgekocht“ werde. „Das finde ich sehr schade“, betonte Vos.

Abstruse Gedanken

Ein Kommentar von Henrik Zein

Der in einer linksextremen Internet-Plattform veröffentlichte Eintrag eines anonymen Antifaschisten über Schlagersänger Heino strotzt nur so von abstrusen und wirren Gedanken. Der Verfasser beschuldigt Heino unter anderem, aufgrund seiner Lieder ein Nazi zu sein. Beispiel: Weil Heino Schlager wie „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ und „Lustig ist das Zigeunerleben singt“, soll dieser angeblich eine rechte Gesinnung haben. Auch die vielen anderen „Argumente“, die der antifaschistische Schreiber aufführt, sind an den Haaren herbeigezogen.

Dass sich der Veranstalter und auch die Gemeinde Saterland durch solch einen Aufruf nicht verrückt machen lassen, ist richtig. Denn durch die Anonymität ist noch nicht einmal bekannt, wer dieses Schreiben überhaupt verfasst hat – und wie ernst es überhaupt zu nehmen ist.

Aber: Komplett ignoriert werden sollte es auch nicht. Die Antifa-Szene ist bundesweit gut vernetzt. Immer mal wieder nutzen Linksextreme öffentliche Veranstaltungen, um zu randalieren und ihre Abneigung gegen das „System“ durch Gewalttaten zu zeigen. Insofern ist es gut, dass die Polizei eingeschaltet worden ist, damit diese im Vorfeld des Konzertes in Ramsloh sensibilisiert wird und bei Bedarf die notwendigen Vorkehrungen für ein friedvolles Konzerttreffen kann.

Den Autor erreichen Sie unter h.zein@ga-online.de

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