Berlin Wie Friedrich Merz beim Taurus-Rodeo aus dem Sattel flog
CDU-Chef und Möchtegern-Kanzlerkandidat Friedrich Merz wollte Kanzler Olaf Scholz zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine zwingen. Aber Merz hat auf den falschen Stier gesetzt.
Im Streit darüber, ob Deutschland der Ukraine mit Taurus-Geschossen helfen soll, sich gegen Aggressor Wladimir Putin zu verteidigen, sind in der Politik-Blase zwei Herden losgaloppiert.
Der eine Herdentrieb lässt sich so beschreiben: Olaf Scholz knickt vor Putin ein, risikiert durch sein Nein zu Taurus-Lieferungen den Untergang der Ukraine, und muss durch den Taurus-Befürworter Friedrich Merz als Kanzler ersetzt werden.
Bemerkenswert: Diese Herde wird von der „Zeit“ und dem „Spiegel“ angeführt, Leitmedien, die eher im linksliberalen Spektrum, also eher bei Scholz statt Merz, zu verorten wären.
Die zweite Herde hat Scholz zum Friedenskanzler ausgerufen, weil er durch sein Nein zu Taurus-Lieferungen den dritten Weltkrieg verhindert. Erstmal ist er so stark wie Gerhard Schröder, der Nein zum Irak-Krieg sagte. Bald wird Scholz wohl auf die Schultern von Willy Brandt gehoben, dem großen Versöhner zwischen Ost und West.
Bemerkenswert: Die zweite Herde wird von einer illustren Mischung von eher rechten Leitmedien wie der „Welt“ und von unverbesserlichen Putin-Verstehern von links und rechts angeführt.
Friedrich Merz hat sich bekanntlich an die Spitze der ersten Herde gesetzt. Nur ist sein Versuch gescheitert, mit einer Bundestagsabstimmung über die Taurus-Lieferungen Scholz‘ Ampel zu schrotten. Übrigens war er von eigenen Leuten davor gewarnt worden, in dieser Woche den Taurus-Showdown zu suchen.
Scholz hat es nicht so mit Herdentrieben. Er ist sich sozusagen selbst Stier genug. Und er weiß, wie Friedrich Merz übrigens auch, dass Putin in Sibirien gut gefüllte Silos mit nicht zu stoppenden Hyperschallraketen hat, die er bisher „nur“ zweimal abfeuern ließ.
Ein Kabinettsmitglied äußerte kürzlich die Vermutung, Scholz sei die Sicherheit Deutschlands wichtiger als seine Wiederwahl. Wird er deswegen am Ende vielleicht doch wiedergewählt?
Merz wird sich jedenfalls fragen müssen, ob er im Taurus-Rodeo wirklich Kanzlerformat gezeigt hat – oder ob er vielleicht gerade aus dem Sattel geflogen ist.