Wegen krimineller Jugendbande Polizei und Stadt erhöhen massiv Kontrollen in Leer
Eine Jugendbande sorgt in der Leeraner Innenstadt für Ärger. Die Gruppe aus Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist auch gewalttätig. Jetzt greifen Stadt und Polizei durch.
Leer - Diebstähle, Prügeleien, Drogen – eine Gruppe Jugendlicher sorgt in der Leeraner Innenstadt für Unruhe. Die rund 15 Mitglieder der Bande zwischen 13 und 20 Jahren hat in den vergangenen Wochen diverse Straftaten begangen. Der Leiter der Polizeiinspektion Leer/Emden, Thomas Memering, bestätigte bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2023, dass die Polizei in Leer die Präsenz in der Innenstadt erhöht habe. „Diese Gruppe hat ein Aufenthaltsverbot für die Innenstadt und den Bahnhofsbereich“, sagt Memering.
Auch die Stadt Leer hat die Kontrollen in diesem Bereich mittlerweile verstärkt. Ein privater Sicherheitsdienst, mit dem die Stadt bereits lange zusammenarbeite, sei nun mehr in der Stadt unterwegs, bestätigte Stadtsprecher Edgar Behrendt auf Nachfrage.
Stadt setzt Sicherheitsdienst ein
Seit Wochen kommt es in Leer immer wieder zu Gewalttaten im Zusammenhang mit einer Gruppe Jugendliche. Es seien gezielte Taten, aber teilweise auch arglose Opfer, die die Gruppe attackiere, so Memering. Hinzu kämen Ladendiebstähle und der Besitz von Drogen. Die Gruppe bestehe aus 15 Personen, in wechselnder Zusammenbesetzung. Es seien Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund beteiligt. „Die Jugendlichen sind teilweise massiv auffällig“, sagt Memering. Das gelte auch für die 13-Jährigen, die noch nicht strafmündig seien, und das ganz genau wüssten. Die Polizei beobachtet, dass die Jugendlichen sich in der Gruppe gegenseitig hochschaukelten und die Taten auch mit einer Art Status versehen werden. „Die Brutalität ist ein großes Problem“, so Memering. Einige würden auch als Intensivtäter eingestuft.
Deswegen greife die Polizei jetzt hart durch. Wenn die Jugendlichen in der Stadt angetroffen würden, kommen sie direkt mit aufs Polizeirevier. „Die müssen begreifen, dass sie das nicht dürfen“, so Memering. Vom Revier würden sie von den Eltern oder dem Jugendamt abgeholt – mit entsprechenden Konsequenzen. Jeder Zugriff koste die Eltern Geld und auch ein Bußgeld für den Verstoß gegen das Aufenthaltsverbot in der Innenstadt werde fällig. Die Personalstärke im Kinder- und Jugendkriminalitätsbereich der Polizei sei erhöht worden. Die Maßnahmen zeigten erste Erfolge, so Memering.
1000 Kinder und Jugendliche tatverdächtig
Die Bande ist ein Ausdruck eines für den Polizeichef beunruhigenden Trends: Die Zahl der tatverdächtigen Heranwachsenden, Jugendlichen und Kinder ist im vergangenen Jahr nämlich um fast 30 Prozent gestiegen. Rund 1000 Kinder und Jugendliche waren im Landkreis Leer und der Stadt Emden Verdächtige in Straftaten verwickelt. Hauptsächlich ging es um Ladendiebstähle, aber auch bei den Rohheitsdelikten wie Körperverletzung war ein Anstieg zu verzeichnen. „Und ich gehe davon aus, dass das im nächsten Jahr noch mehr wird“, so Memering. Im vergangenen Jahr war es in Leer immer wieder zu Problemen mit Jugendgruppen gekommen. Das Sicherheitsgefühl der Bürger im Innenstadtbereich habe darunter gelitten, so der Polizeichef. Auch die verstärkte Polizeipräsenz trage nicht zum Wohlbefinden der Leeraner bei.
Insgesamt stieg die Zahl der Straftaten im Landkreis Leer und der Stadt Emden um elf Prozent auf rund 14.500 Taten. Es ist der höchste Wert seit 2015. Die Polizei teilte mit, davon 70 Prozent aufgeklärt zu haben.