Rentner vor Gericht  Kindesmissbrauch auf Borkum – das war der zweite Verhandlungstag

Rieke Heinig
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Von Rieke Heinig
| 15.03.2024 14:56 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vor dem Landgericht Aurich muss sich ein Mann aus dem Landkreis Leer verantworten. Foto: Ortgies/Archiv
Vor dem Landgericht Aurich muss sich ein Mann aus dem Landkreis Leer verantworten. Foto: Ortgies/Archiv
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Ein Mann aus dem Kreis Leer muss sich wegen sexuellen Missbrauchs einer Grundschülerin vor Gericht verantworten. Am zweiten Prozesstag forderte die Verteidigung ein psychologisches Gutachten.

Borkum/Aurich - Es ist der zweite Prozesstag für einen 79-Jährigen aus dem Landkreis Leer, als er am Freitag, 15. März 2024, auf der Anklagebank Platz nimmt. Der Rentner muss sich seit Ende Februar vor dem Landgericht Aurich wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten. Dem Rentner wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, „an nicht näher definierten Tagen“ im Zeitraum zwischen Juli und Dezember 2022 sexuelle Handlungen „an einer unter 14-Jährigen, also an einem Kind“, durchgeführt zu haben. Gelegenheit soll der Angeklagte dazu gehabt haben, als die Tochter seiner Nachbarin ihn alleine in seiner Wohnung auf Borkum besucht habe, hieß es am ersten Prozesstag in der Anklageschrift.

Wie die Mutter des Mädchens bereits ausgesagt hatte, war der 79 Jahre alte Mann in dieser Zeit zu einer Art Ersatz-Opa für die Grundschülerin geworden. Nach einem Besuch im Dezember sei die Stimmung jedoch gekippt. Ihre Tochter habe den Augenkontakt zum Rentner vermieden und nicht alleine zu ihm in die Wohnung gewollt. Letztlich habe das Mädchen sich der Mutter anvertraut, sagte diese aus. Der Beschuldigte selbst hatte sich nicht geäußert. Über seine Rechtsanwälte ließ der 79-Jährige die Vorwürfe in Form einer Verteidigererklärung allerdings bestreiten.

Verteidigung wollte psychologisches Gutachten der Grundschülerin

Zu Beginn des zweiten Prozesstages hatte einer der Verteidiger des Rentners, Arno Saathoff, einen Antrag auf Unterbrechung des Verfahrens gestellt, um ein psychologisches Gutachten des Mädchens erstellen zu lassen. Dieser wurde von der Kammer abgelehnt. Sowohl die Grundschülerin als auch ihr Therapeut sagten daraufhin vor Gericht aus. Um das Mädchen und deren Persönlichkeitsrechte zu schützen, fanden beide Aussagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Zudem war ein weiterer möglicher Vorfall Thema, der aktuell in einem anderen Verfahren verhandelt wird. Dabei werde dem Vater einer Freundin des Mädchens vorgeworfen, bei einem Übernachtungsbesuch der Kinder – ebenfalls im Dezember 2022 – beide sexuell missbraucht zu haben. Das berichtete die 43-jährige Mutter der Freundin nun vor Gericht. Sie lebe getrennt vom Kindsvater. „Wann genau das war, kann ich deshalb nicht sagen. Meine Tochter war immer alle zwei Wochenenden bei ihrem Vater“, sagte sie. Die entsprechende Akte wird nun vom Landgericht Aurich angefordert.

Polizist beschreibt Beschuldigten als kooperativ

Außerdem kamen zwei Polizeibeamte zu Wort. Sie sollten den Zustand des Rentners beschreiben, nachdem die Vorwürfe gegen ihn erhoben wurden und er sich das Leben nehmen wollte. Einer der Polizisten, der wegen der Suizid-Ankündigung in die Wohnung des Rentners gerufen worden war, erinnerte sich nur an wenige Details.

Etwas mehr zu sagen hatte ein anderer Beamter. „Der Angeklagte wurde ins Krankenhaus nach Emden gebracht. Wir hatten einen Durchsuchungsbeschluss und sind daher zu ihm gefahren“, sagte der Polizist aus. Dabei habe der Beschuldigte „ruhig, aber auch geknickt“ auf ihn gewirkt. „Er war sehr zugänglich und kooperativ, hat uns alle PINs und das Passwort für seinen Computer gegeben“, so der Beamte. Er habe mit dem 79-Jährigen nicht über die Vorwürfe gesprochen, der Rentner habe aber erwähnt, er wolle in Therapie gehen. „Was für eine, weiß ich nicht“, so der Polizist.

Vier weitere Prozesstage sind für das Verfahren anberaumt. Es sind Zeugen und ein Sachverständiger geladen. Die Termine sind voraussichtlich der 22. März und der 10. April, jeweils um 9 Uhr, sowie der 12. und 19. April ab je 10 Uhr.

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