Elf Prozent Anstieg  Deutlich mehr Straftaten im Kreis Leer und in Emden

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 15.03.2024 17:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Polizei hatte in diesem Jahr gut zu tun. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Die Polizei hatte in diesem Jahr gut zu tun. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
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Die Polizei aus Leer und Emden hat ihre Kriminalstatistik vorgestellt. Die Zahlen gehen in allen Bereichen nach oben. Hier die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick.

Leer - Die Polizeiinspektion Leer/Emden hat ihre Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2023 vorgestellt. Hier die wichtigsten Erkenntnisse:

Straftaten insgesamt

Die Zahl der Straftaten im Landkreis Leer und der Stadt Emden ist um elf Prozent gestiegen. Dabei gibt es keine Ausreißer in einzelnen Kriminalbereichen. Die Zahlen stiegen in der Regel überall oder blieben gleich. Da sowohl 2022 als auch 2023 Corona keine große Rolle mehr spielte, könne man den Anstieg nicht darauf zurückführen, erklärte Thomas Memering, Leiter der Polizeiinspektion Leer/Emden beim Pressegespräch. Eine konkrete Erklärung für die Steigerung konnte er aber auch nicht liefern. „Die Verrohung der Gesellschaft ist tatsächlich zu beobachten, aber dafür bräuchte es vermutlich eher einen Sozialwissenschaftler“, so Memering. Auch bundes- und landesweit sei die Zahl der Delikte gestiegen. 70 Prozent der Taten seien im vergangenen Jahr von der Polizei aufgeklärt worden. Der Anstieg der Straftaten dürfe auch nicht den Anschein erwecken, die Sicherheit in Leer und Emden sei nicht gewährleistet. Hochgerechnet auf die Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner sei man weiterhin unter Landesschnitt. Angestiegen ist die Zahl der Taten dabei allerdings auch um zwölf Prozent.

Mord und Totschlag

Elf Straftaten „gegen das Leben“ hat die Polizeiinspektion Leer/Emden im vergangenen Jahr abgeschlossen. Dabei ging es um versuchten Mord, versuchten und vollendeten Totschlag sowie um fahrlässige Tötung. Die Taten fanden dabei teilweise bereits 2022 statt, wurden aber erst 2023 an die Staatsanwaltschaft übergeben. „Die Ermittlungen sind in solchen Fällen langwierig und umfangreich“, erklärte Angelika Grüter, Leiterin des Zentralen Kriminaldienstes. Ein versuchter Mord fand im Mai 22 in Uplengen statt. Ein weiterer versuchter Mord war eine Tat im Oktober 2022 in Leer, als ein Obdachloser einen anderen Obdachlosen mit einem Messer schwer verletzte. Jugendliche warfen dabei Asphaltbrocken auf die Autobahn. Ein Totschlag ereignete sich im August in Moormerland, als ein 42-Jähriger seine Lebensgefährtin tötete. Ein versuchter Totschlag fand noch in Westoverledingen statt, wo 38-Jähriger auf seine Frau schoss, die verletzt überlebte.

Rohheitsdelikte

Bei den sogenannten Rohheitsdelikten gab es einen massiven Anstieg. Im Kreis Leer und in Emden gab es 14 Prozent mehr Delikte wie Raub, (gefährliche) Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung und Nachstellung. Insgesamt 2447 Taten, davon 1565 Körperverletzungen. Grüter zitiert aus einer Studie des Bundeskriminalamtes. Darin wurden Gründe wie vermehrte Tatgelegenheiten (die Menschen sind nach Corona wieder mehr unterwegs), Migration und soziale Unsicherheit genannt. Die wirtschaftliche Lage schlage sich demnach in den Straftaten wieder, so die Studie. Die Aufklärungsquote dieser Fälle ist in der Polizeiinspektion allerdings sehr hoch: 91 Prozent der Taten werden aufgeklärt, „vor allem, weil die Opfer uns meistens die Täter schon liefern“, so Memering.

Stellten die Kriminalstatistik vor: Thomas Memering, Leiter der Polizeiinspektion Leer/Emden, und Angelika Grüter, Leiterin des Zentrale Kriminaldienstes. Foto: Nording
Stellten die Kriminalstatistik vor: Thomas Memering, Leiter der Polizeiinspektion Leer/Emden, und Angelika Grüter, Leiterin des Zentrale Kriminaldienstes. Foto: Nording

Sexuelle Gewalt und Pornografie

Weiter steigend ist die Zahl der Ermittlungen wegen der Verbreitung pornografischer Inhalte – vor allem Pornografie mit Kindern und Jugendlichen. Dort arbeite man schon länger mit den Betreibern amerikanischer Server zusammen, wodurch die Zahl vermutlich auch weiterhin steigen werde. In Leer und Emden gehe es vor allem um den Besitz solcher Bilder. „Wir ordnen bei jedem Verdächtigen eine Durchsuchung an, um auszuschließen, dass auch pornografische Inhalte produziert werden“, so Grüter. 214 Taten von Vergewaltigung, sexueller Nötigung, sexuellem Missbrauch von Kindern und exhibitionistischen Handlungen gab es im Kreis Leer und Emden zudem. Die Anzahl der Taten im Bereich der häuslichen Gewalt steigt ebenfalls seit Jahren (9,65 Prozent in diesem Jahr).

Einbruch

Die Corona-Einschränkungen sind vorbei, viele kehren aus dem Homeoffice zurück ins Büro und damit steigt offenbar auch die Zahl der Wohnungseinbrüche mitten am Tag. Zumindest hat die Polizei doppelt so viele Einbrüche zwischen 6 und 22 Uhr verzeichnet als noch 2022. „Wir liegen allerdings noch weit hinter dem Vor-Corona-Niveau bei den Einbruchszahlen“, sagt Memering. (181 Taten in 2023, 232 Taten in 2019).

Betrug

Die Aufklärung hilft: Falsche Polizisten hatten es im vergangenen Jahr schwer in Leer und Emden. Deutlich weniger Menschen fielen auf ihre Tricks rein, allerdings bemerkt die Polizei auch, dass die Betrüger nicht aufgeben. Sie suchen sich andere Tricks, wandeln ihre Methode und gelangen dadurch immer wieder ans Ziel. Auffällig ist, dass der Tankbetrug, also das Tanken ohne zu bezahlen, deutlich gestiegen ist. „Das könnte mit der wirtschaftlichen Lage zusammenhängen“, vermutet Memering.

Diebstahl

Gelegenheit macht Diebe: Mehr als 4000 Diebstähle sind bei der Polizeiinspektion im Jahr 2023 angezeigt worden. In diesem Bereich gebe es aber vermutlich ein hohes Dunkelfeld. Memering kritisierte, dass es in vielen Fällen auch sehr einfach sei. Sowohl die Wertgegenstände, die im unverschlossenen Auto gelagert werden, als auch die Ware, die schlecht gesichert sei. Ein beunruhigender Trend: Immer mehr Mädchen klauen. Das sei auf die sozialen Netzwerke zurückzuführen. „Dort gibt es richtige Anleitungen, wie man richtig klaut“, sagt Angelika Grüter. Die Motive seien Geldnot, aber auch der Nervenkitzel beim Diebstahl. Immerhin: Die Fahrraddiebstähle gingen zurück.

Drogen

Einen Erfolg kann die Polizeiinspektion Leer/Emden in diesem Bereich vermelden. „Uns ist ein Schlag gegen die organisierte Rauschgiftkriminalität gelungen“, so Angelika Grüter. Fünf Hauptverdächtige aus der Stadt Leer, die einen Großteil des Rauschgifthandels im Landkreis Leer verantworteten, konnten festgenommen und verurteilt werden. Der Hauptangeklagte bekam sogar eine Strafe in Höhe von acht Jahren und zehn Monaten. Nach intensiven Ermittlungen konnte ihnen unter anderem der Handel mit einer ganzen Reihe harter Drogen nachgewiesen werden. Bei Durchsuchungen wurden auch Schusswaffen und Messer gefunden. „Wir gehen davon aus, dass die auch eingesetzt wurden“, so Grüter.

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