Protest gegen Gesundheitspolitik  Erneut bleiben in Ostfriesland Zahnarztpraxen zu

| 18.03.2024 14:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Am 28. März sollen erneut viele Zahnarztpraxen in Ostfriesland geschlossen bleiben. Foto: Vennenbernd/DPA
Am 28. März sollen erneut viele Zahnarztpraxen in Ostfriesland geschlossen bleiben. Foto: Vennenbernd/DPA
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Zu viel Bürokratie, eine veraltete Vergütungsordnung: Zahnärzte in Ostfriesland setzen ihren Protest gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung fort.

Ostfriesland - Ostfrieslands Zahnärzte setzen ihren Protest gegen die ihrer Ansicht nach veralteten Vergütungsordnung mit strikter Budgetierung fort: Am 28. März sollen erneut zahlreiche Zahnarztpraxen in ganz Ostfriesland geschlossen bleiben. Das kündigt die Bezirksgruppe Ostfriesland des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte (FVDZ) an. Der FVDZ ist nach eigenen Angaben der größte unabhängige zahnärztliche Berufsverband in Deutschland.

Die niedergelassenen Zahnärzte fordern, dass die durch sie erbrachten zahnärztlichen Leistungen vollständig vergütet werden, dass die Budgetierung abgeschafft und die 35 Jahre alte Gebührenordnung modernisiert wird. Außerdem erwarten sie, dass der bestehende bürokratische Aufwand sofort reduziert wird.

Insgesamt vier Protesttage geplant

Ein erster Aktionstag, an dem viele Praxen auch in Ostfriesland geschlossen blieben, fand am 1. Februar statt. Insgesamt sind vier Aktionstage geplant – nach dem 28. März sollen noch Praxisschließungen am 8. Mai und am 21. Mai folgen. „Durch die Wiedereinführung von Budgets, Regressen, Personalmangel und eine auf dem Niveau von 1988 eingefrorene privatzahnärztliche Vergütung ist die Lage der Zahnartzpraxen seit Jahren angespannt“, heißt es in der Mitteilung von FVDZ-Vorsitzendem Dr. Stephan Gebelein, Zahnarzt in Wittmund. Das Finanzstabilisierungsgesetz des Gesundheitsministers schlage „einen weiteren Sargnagel in die flächendeckende wohnortnahe Patientenversorgung“.

Denn die Gesundheitspolitik der Bundesregierung blockiere alle notwendigen Anreize für junge Kollegen, eine Zahnarztpraxis im ländlichen Bereich zu übernehmen, ergänzt Dr. Armin Roß, er ist stellvertretender Vorsitzender der Kreisstelle Aurich/Norden. Der derzeit bestehende Zahnärztemangel in vielen ländlichen Regionen führe schon jetzt dazu, dass Patienten länger auf Termine warten müssen oder erst gar keinen Hauszahnarzt finden, beklagt die Bezirksgruppe Ostfriesland des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte.

Schon jetzt 20 Prozent weniger Zahnärzte

Zusätzlich sei die Versorgung der vielen Urlauber in der Touristenregion Ostfriesland gefährdet, da sich die Anzahl der Zahnärztinnen und Zahnärzte in den letzen Jahren niedersachsenweit um 20 Prozent reduziert hat, sagt Dr. Michael Debbrecht (Papenburg). Er ist Vorsitzender der Bezirksstelle Ostfriesland der Zahnärztekammer Niedersachsen. Und: „In den nächsten fünf Jahren bleibt zu befürchten, dass weitere 30 Prozent der Kollegen ohne Nachfolger in den Ruhestand gehen werden.“

Bürokratieabbau sei dringend notwendig, weil die Belastung durch Dokumentationspflichten mittlerweile für die Kollegenschaft und das Fachpersonal in den Zahnarztpraxen so hoch sei, dass notwendige Behandlungszeiten darunter leiden.

Mit ihrem erneuten Protesttag fordert die Zahnärztschaft die Bundesregierung auf, dringend die Rahmenbedingungen und die finanzielle Ausgestaltung der Zahnarztpraxen zukunftsgerecht anzupassen und eine dauerhafte Planungssicherheit zu schaffen. Am Protesttag am 1. Februar hatten sich in ostfriesland etwa die Hälfte der Zahnarztpraxen beteiligt, im Bereich Aschendorf-Hümmling sogar zwei Drittel.

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