Appen Intervallfasten und Co: Ernährungs-Doc erklärt, wieso wir uns nicht intuitiv ernähren können
Ist Pizza wirklich so eine Sünde? Wie nehme ich richtig ab? Und was bringen Proteinshakes? In unserer sechsteiligen Serie mit Ernährungs-Doc Matthias Riedl nehmen wir Food-Trends unter die Lupe. Diesmal geht es um Intervallfasten und intuitive Ernährung.
Seit sie intuitiv essen, sei alles besser, versprechen zahlreiche Influencer auf TikTok, Instagram und Co. Sie würden ihr Gewicht halten, müssten auf nichts verzichten und einfach sei es obendrein. Ja, das Internet ist voll von Tipps, wie es gelingen soll, sich diese Ernährungsform anzueignen. Sogar das AOK-Gesundheitsmagazin hat auf seiner Seite einen Artikel zu dem Thema. Dabei könnte die Aussage von Ernährungs-Doc Matthias Riedl kaum deutlicher sein: „Heutzutage sind Menschen überhaupt nicht in der Lage, intuitiv zu essen.“ Wieso, hat er unserer Redaktion erklärt.
Um zu verstehen, warum intuitives Essen für Menschen nicht mehr funktioniert, muss man das Prinzip dahinter kennen. Ziel der Ernährungsform ist, sich ein natürliches Essverhalten, das sich an den eigenen Körpersignalen orientiert, anzueignen, anstatt sich beispielsweise nach den Tageszeiten und klassischen Essenszeiten zu richten.
„Jedes Tier kann intuitiv essen, jedes Tier kennt seine artgerechte Ernährung. Das ist bei uns Menschen genau das Gleiche“, sagt Riedl. Was folgt, ist ein großes Aber.
Denn: Intuitives Essen funktioniert laut des Experten nur in freier Wildbahn. Und davon sind Menschen in Deutschland weit entfernt. „Wir können uns nicht auf intuitives Essen verlassen, weil wir unsere Nahrung aus dem Supermarkt holen, wo 80 Prozent der Produkte nicht empfehlenswert sind und falsche Essensanreize gesendet werden“. Kurz: „Wir leben in einer ernährungsfeindlichen Umgebung und die setzt das intuitive Essen weitestgehend außer Kraft.“
Intuitives Essen würde demnach nur noch bedingt stattfinden. Wenn man krank ist zum Beispiel und keinen Hunger hat. Oder bei einem Kater Lust auf Salziges hat.
Riedl erklärt auch: Beim intuitiven Essen gehe es mehr um das Was und weniger um das Wann. Anders sieht das bei einem anderen „Trend“ aus: Dem Intervallfasten. Das sei, laut Riedl, sogar Teil der artgerechten Ernährung und nicht, wie oft fälschlicherweise dargestellt, eine Form der Diät.
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Der Mensch braucht Pausen. Auch beim Essen, „damit der Stoffwechsel zu Ruhe kommt und das Immunsystem arbeiten kann“. Zwischenmahlzeiten würden die Autophagie, also die Selbstheilung, belasten. Das ist auch der Grund dafür, dass Menschen, wenn sie krank sind, weniger Hunger haben: Der Körper muss sich auf die Bekämpfung der Krankheit konzentrieren – das Immunsystem darf also nicht zusätzlich durch die Aufnahme von Nahrung abgelenkt werden.
Sowohl das Zwei-bis-drei-Mahlzeiten-Prinzip als auch Fasten und Intervallfasten würden demnach zu einer gesunden Ernährung gehören und dem Körper die Pausen gönnen, die er braucht. Dass das Intervallfasten so häufig mit der Abnahme in Verbindung gebracht wird, liegt schlicht daran, dass der Insulinspiegel sinkt. Ständiges Snacken hält diesen nämlich hoch – „und das macht dick“.
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