Kickers gegen Meppen II Vom Profi zum Studenten – Steinwenders besonderer Weg
Pascal Steinwender war mehrere Jahre Fußball-Vollprofi. Doch er wollte zurück an die Uni. Ein Glücksfall für Kickers Emden, für das der 27-Jährige immer wichtiger wird.
Emden - Pascal Steinwender fällt bei Kickers Emden allein schon optisch auf: orangene Schuhe, passend zur Haarfarbe, dazu quietschgrüne Handschuhe bei einem ansonsten klassisch blauen Kickers-Dress. „Die Handschuhe sind schon einen Tick älter. Irgendwann wurden sie zum Gag und Glücksbringer“, sagt der 27-Jährige. „Ich habe halt schnell kalte Hände“, versucht sich der Emder Flügelspieler ein wenig zu rechtfertigen – für etwas, wofür es gar keine Rechtfertigung braucht. In allen vier Fußball-Oberliga-Spielen in diesem Jahr lief der stark aufspielende Steinwender im beschriebenen Look auf. In jeder Begegnungen war er an mindestens einem Treffer direkt beteiligt. „Die Serie kann gerne weitergehen“, sagt Steinwender vor dem Spiel an diesem Mittwoch gegen den SV Meppen II.
Um 19 Uhr wird die Partie im Ostfrieslandstadion angepfiffen. Bei uns gibt es wie gewohnt einen Liveticker mit integriertem Stream. „Es ist ein Derby. Ich gehe davon aus, dass noch ein Schwung mehr Menschen ins Stadion strömen als sonst und wir eine tolle Kulisse haben werden“, sagt Pascal Steinwender voller Vorfreude auf das Nachholspiel der beiden Klubs, die eine Fanfreundschaft pflegen. Es ist der Auftakt von anstrengenden Wochen für die Emder Fußballer. Schon am Samstag wartet gegen den STK Eilvese das nächste Heimspiel, ehe Kickers von Gründonnerstag (28. März) an binnen 21 Tagen fünfmal auswärts ran muss.
Kickers Emden muss gegen Meppen Offensive umbauen
Der Spitzenreiter aus Emden geht personell bestens bestückt in die heiße Phase der Saison. Alle Spieler sind fit. Die wiedergenesenen Marcell Sobotta und Janek Siderkiewicz sind laut Trainer Stefan Emmerling bereits wieder Kandidaten für die Startformation. Auch die Defensivspieler Julian Stöhr und Dennis Engel drängen nach abgesessener Gelbsperre wieder in die erste Elf. Das Kickers-Trainerteam hat also die Qual der Wahl. Nur auf einen Spieler muss es an diesem Mittwoch definitiv verzichten: Tobias Steffen. Der Standardspezialist sah beim 4:0 in Heeslingen die fünfte Gelbe Karte und muss ein Spiel aussetzen. Erstmals in diesem Jahr muss die Offensive um Pascal Steinwender, Tobias Steffen, Tido Steffens und David Schiller umgebaut werden. „Da mache ich mir gar keine Sorgen“, betont Emmerling. „Wir haben mehrere Optionen und müssen schauen, wie wir am besten durch die Englischen Wochen kommen.“
Auch Pascal Steinwender, der im Team nur „Calli“ genannt wird, ist bestens gestimmt. „Wir haben einen qualitativ breiten Kader. Die Spieler, die zuletzt reinkamen, haben Akzente gesetzt. Genau das wünschen wir uns“, sagt Steinwender. Trainer Stefan Emmerling bescheinigt ihm eine „sehr gute Verfassung“. Er sei „gefühlt noch stärker als in der Hinserie“. Als Grund hat Emmerling unter anderem ausgemacht, dass der Neuzugang von Teutonia Ottensen seit Längerem verletzungsfrei ist. In der Tat hatte Steinwender bei seinem Start in Emden einiges aufzuarbeiten. „Ich musste erstmal fit werden und wieder Vertrauen in meinen Fuß zurückgewinnen. Die Bewegung war noch nicht so da“, sagt Steinwender, der sich zum Ende seiner Zeit in Ottensen einen doppelten Außenbandriss im Sprunggelenk zugezogen hatte.
Unser Tipp
Kickers Emden – SV Meppen II 2:0. Kickers Emden ist in einer starken Verfassung, wirkt ungemein stabil. Da dürfte gegen Meppen, das höchstwahrscheinlich auf Top-Torjäger und Kapitän Martin Raming-Freesen verzichten muss, die Erfolgsserie ausgebaut werden. Vielleicht bleibt Kickers ja weiterhin in 2024 ohne Gegentor.
Das Lehramts-Quintett von Kickers Emden
Steinwender wollte im vergangenen Sommer wieder in seine Heimat Oldenburg – und auch zurück an die Universität. Bei seinen vorherigen Klubs SC Paderborn, SC Verl und auch bei Teutonia Ottensen ist Steinwender Vollprofi gewesen. „Irgendwie hat es mir als Ausgleich gefehlt, auch den Kopf anzustrengen. Ich wollte mich nicht nur um Fußball kümmern.“ Also begann Steinwender sein Master-Lehramtsstudium in Oldenburg, arbeitet mittlerweile auch als Vertretungslehrer an einer Grundschule in Zetel.
Mit Fabian Herbst, Kai Kaissis, Efkan Erdogan und David Schiller studieren fünf weitere Emder Kicker in Oldenburg auf Lehramt. „Ich habe mit den Jungs keine Kurse gemeinsam, da ich schon etwas weiter bin. In den Pausen sehen wir uns aber nahezu täglich“, schildert Steinwender. Zum Training bilden die Oldenburger Fahrgemeinschaften. „Wir lachen viel im Auto“, sagt Steinwender. Er fühle sich bei Kickers ohnehin sehr wohl. „Wir sind eine echte Einheit.“ Er selbst wurde zuletzt ein immer wichtigerer Erfolgsfaktor. Fünf seiner vielen Hereingaben wurden schon zu direkten Torvorlagen in diesem Jahr. „Mittlerweile sind wir gut aufeinander abgestimmt, unsere Stürmer wissen, wie ich die Flanken bringe“, sagt Steinwender. Ob er auch am Mittwoch mit seinen Glücksbringer-Handschuhen aufläuft? „Schauen wir mal, was das Thermometer sagt.“