Zukunft stand auf dem Spiel Einigung im Arbeitskampf bei Opti in Westrhauderfehn
Die IG Metall und der Betriebsrat kämpften seit Monaten um jeden Arbeitsplatz beim Reißverschlusshersteller Opti Germany in Westrhauderfehn. Nun gibt es eine Einigung, mit schmerzhaften Einschnitten.
Westrhauderfehn - Beim Reißverschlusshersteller Opti Germany GmbH an der 1. Südwieke in Westrhauderfehn ist ein mehrmonatiger Arbeitskampf um den Erhalt des Standortes beendet, zumindest vorerst. Nach der Übernahme des Unternehmens durch den Münchner Finanzinvestor Aequita im Herbst 2023 sahen Belegschaft, Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall die Zukunft des Werks in Gefahr. Von einem massiven Stellenabbau war die Rede. 35 der 156 Stellen sollten abgebaut werden. Die Zukunft des Standortes habe der Investor nicht garantieren wollen. Nun sind die Verhandlungen zwischen den Vertretern des Münchner Unternehmens Aequita und den Rechtsanwälten beider Seiten beendet. Es wurde eine Einigung erzielt. Mit schmerzhaften Kompromissen auf beiden Seiten. Das sagte der Vorsitzende Marcel Taubert vom Opti-Betriebsrat am Mittwoch, 20. März 2024, bei einem Termin im Werk.
Statt der 35 angekündigten Entlassungen wird es elf betriebsbedingte Kündigungen geben. Zudem verlassen sieben Mitarbeiter in einem freiwilligen Programm das Unternehmen. Sie werden den Weg in die Rente gehen. Außerdem gibt es eine Standortsicherung bis Dezember 2025. „Den Standort Rhauderfehn zu sichern, war unsere wichtigste Forderung in den Verhandlungen“, sagte Thomas Gelder, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, „Das war auch einer der schwierigsten Punkte in den Verhandlungen.“ Gut zwei Jahre seien nicht viel, aber immerhin gebe es für die Mannschaft eine Perspektive.
„Es waren schwierige Verhandlungen“
Nach dem jetzt beschlossenen Stellenabbau und einer kleinen Fluktuation geht es vorerst mit rund 120 Beschäftigten in Westrhauderfehn weiter. Anfang der 1960er Jahre ist das Werk dort entstanden. Zu Boomzeiten waren dort mehr als 1200 Mitarbeiter tätig. „Opti gehört zur DNA von Rhauderfehn, darum sind wir froh, dass es weitergeht“, sagte Thomas Gelder. „Es waren schwierige Verhandlungen, schwieriger als mit dem Coats-Konzern“, berichtete Gelder. „In Anbetracht dessen, was die Investoren vorhatten, ist es aber ein akzeptables Ergebnis.“
Großer Zusammenhalt
Gelobt wurde von Marcel Taubert der Zusammenhalt im Unternehmen. „Betriebsrat und IG Metall haben sich in einer Betriebsversammlung und einer Mitgliederversammlung die Zustimmung für das Verhandlungsergebnis geholt. Mit einer überwältigenden Mehrheit wurde dem zugestimmt“, so Taubert.
Davon zeugt auch ein Schild, das Mitarbeiter an der Tür des Betriebsratsbüros aufgehängt haben: „Danke für den Kampf um unsere Arbeitsplätze. Das habt Ihr richtig gut gemacht“, steht darauf.
Mitte Februar hatten die Beschäftigten vor dem Werksgelände ein großes Banner aufgehängt, das von der Stimmung im Unternehmen zeugte: „Wir kämpfen um die Zukunft des Standortes und um unsere Arbeitsplätze“, stand darauf. Am Mittwochvormittag wurde es wieder abgenommen. Aber die Bereitschaft zum Arbeitskampf ist weiterhin hoch. „Wir würden es ein zweites Mal machen“, beschreibt Taubert die Stimmung in der Belegschaft.
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