Osnabrück  Wer hat Angst im Dunkeln? ARD schickt neuen Bremer Tatort an Ostern ins Rennen

Frank Jürgens
|
Von Frank Jürgens
| 28.03.2024 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Fund einer Leiche führt die Bremer Ermittlerinnen Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Linda Selb (Luise Wolfram) in den Wald. Foto: Radio Bremen/Claudia Konerding
Der Fund einer Leiche führt die Bremer Ermittlerinnen Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Linda Selb (Luise Wolfram) in den Wald. Foto: Radio Bremen/Claudia Konerding
Artikel teilen:

Auch in einem kleinen Wald kann man sich verirren. Im neuen Bremer Tatort „Angst im Dunkeln“ bekommen es Jasna Fritzi Bauer und Luise Wolfram mit einem seltsamen Initiationsritus zu tun. Lohnt sich der Krimi?

Kennen Sie „Dropping“? Hinter diesem englischsprachigen Begriff, der so viel bedeutet wie „fallen lassen“, steckt ein Trend aus den Niederlanden, der seit einem Artikel in der „New York Times“ auch in anderen Ländern um sich greift. Eltern führen ihre Kinder mit verbundenen Augen nachts in den Wald und überlassen sie sich selbst. Eine Art Initiationsritus, der Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu Selbstständigkeit verhelfen soll und bei Helikopter-Eltern für Schnappatmung sorgen dürfte.

Nein, das ist kein Aprilscherz, sondern die Ausgangssituation im neuen Bremer Tatort „Angst im Dunkeln“. Nur dass es hier nicht die Kinder sind, die sich im Wald verirren, sondern deren Mütter. Um sicherzugehen, dass ihre Kinder auch wirklich wieder zurückfinden, lassen sich die drei Freundinnen Ayla Ömer (Pegah Ferydoni), Viola Klemm (Sophie Lutz) und Marlene Seifert (Inez Bjørg David) von ihren Kindern mit verbundenen Augen in den Wald führen. Am Ende ist eine von ihnen tot. Ermordet.

Wie konnte das passieren? Die Bremer Kommissarinnen Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Linda Selb (Luise Wolfram) tappen erst einmal komplett im Dunkeln. Hinter den heilen Fassaden der drei Familien im feinen Stadtteil Schwachhausen lauern Wohlstandsverwahrlosung und Streitereien.

Weiterlesen: „Zuschauer nicht verarschen“ – „Mord mit Aussicht“-Star Petra Kleinert redet Klartext

Klaus Seifert (Henning Baum), Ehemann der Toten, ist besonders verdächtig. Schließlich hat er ein Verhältnis mit Ayla. Wollte er seine Frau loswerden? Die war sowieso aus allerlei Gründen verhasst in der kleinen Siedlung, in der jeder jeden kennt. Oder geht der Mord doch auf das Konto eines ominösen „Handymanns“, der Frauen im Schlaf fotografiert?

Drehbuchautorin Kirsten Peters muss man erst einmal zu der Idee gratulieren, ausgerechnet einen Bremer Tatort zu schreiben, dessen Handlung zu weiten Teilen daraus besteht, dass sich Menschen im Wald verirren. Kein Bundesland hat weniger Waldfläche aufzuweisen als Bremen. Gerade mal ein Prozent Wald verteilen sich laut Statistischem Bundesamt auf die ohnehin kleine Bremer Landesfläche. Aber auch in einem relativ kleinen Wald kann man sich verirren, wie der aktuelle Tatort zeigt.

Weiterlesen: Quoten-Analyse: Wie Küstenkrimis den „Tatort“ blamieren

Die eigentliche Tätersuche zwischen Wald und Villen erweist sich aber auch mit diesem Hintergrundwissen über weite Strecken als spannend und vor allen Dingen äußerst attraktiv in der Umsetzung. Leah Striker beweist in ihrem Regiedebüt enormes Talent in der Bildgestaltung, was wohl auch der Tatsache geschuldet ist, dass sie bislang als Kamerafrau gearbeitet hat.

Hier schickt sie die Zuschauer nun auf zwei verschiedenen Zeitebenen in Rückblenden von 36 Stunden bis 20 Sekunden vor Marlenes Tod durch den überwiegend düsteren Wald, der dem Tatort dann auch völlig zu Recht den Titel „Angst im Dunkeln“ verleiht. Dabei waren vor allen Dingen die drei Episoden-Hauptdarstellerinnen gefordert, denen bei den Dreharbeiten einiges abverlangt wurde, wie die Regisseurin betont. „Jede Szene“, so Striker, „lebt auch von der Hitze, dem Schmutz und den Insekten, denen wir beim Dreh begegnet sind. Das war wirklich ganz toll“. Ob die Schauspielerinnen das auch so empfunden haben?

Leider leidet dieser Tatort wie auch viele seiner Vorgänger an seiner berühmt-berüchtigten letzten Viertelstunde. Da muss dann bis zur Auflösung noch mal richtig Gas gegeben und zum Finale auch noch unnötig dick aufgetragen werden. Vielleicht macht Jasna Fritzi Bauer in ihrer Schlusssequenz ja auch deswegen die Scheibenwischer-Geste in die Kamera? Denn ansonsten ist dies ein wirklich guter Krimi.

Der Tatort „Angst im Dunkeln“ läuft am Montag, 1. April, um 20.15 Uhr im Ersten und ist dann auch in der ARD Mediathek zu finden.

Ähnliche Artikel