Fast 60 neue Wohnungen Borkums Rat macht Weg für Wohnbauprojekt frei
Investor Burkhard Walter möchte auf dem Grundstück der ehemaligen Kuranstalt eine neue Wohnanlage errichten. Für das Vorhaben gab es nun Rückenwind aus der Politik. Einen Verlierer gibt es aber auch.
Borkum - Borkums Rat hat in seiner jüngsten Sitzung den Weg für ein großes Wohnbauprojekt an der Geert-Bakker-Straße geebnet. Bei einer Enthaltung stimmten ansonsten alle Mitglieder für die dafür notwendige Änderung des Bebauungsplans. Somit kann Investor Burkhard Walter auf dem Grundstück der ehemaligen Kuranstalt eine neue Wohnanlage errichten – vorbehaltlich des Abschlusses eines städtebaulichen Vertrags.
Diese wird – nach Angaben von Stephan Schneider (KS-Architekten Düsseldorf) aus dem letzten Bauausschuss – aus 56 Ein- bis Zwei-Zimmer-Appartements in einer Größenordnung von 34 bis 69 Quadratmetern bestehen. Wobei der Schwerpunkt auf Ein-Zimmer-Appartements unter 40 Quadratmetern liegen soll, aber auch Wohnungen zusammengelegt werden könnten. „Es handelt sich hierbei um sozialgeförderte Wohnungen. Das heißt, die Bewohner der Gebäude müssen einen Wohnberechtigungsschein vorweisen“, hatte Stadtbaumeister Volker Hosemann im Ausschuss erklärt. Voraussetzungen für einen Schein sind ein dauerhafter Erstwohnsitz auf Borkum und eine bestimmte Einkommensgrenze.
Ein Startschuss für mehr?
Das Projekt von Burkhard Walter, stellte Hosemann im Rat noch einmal klar, umfasse insgesamt sechs Wohneinheiten auf dem Areal, „zwei zweigeschossige direkt an der Geert-Bakker-Straße und der mittlere Riegel mit vier Wohneinheiten“. Bei den Gebäuden in der Mitte sind die beiden äußeren zwei-, die beiden inneren dreigeschossig. Das benachbarte Gebäude auf städtischem Grundstück an der Hindenburgstraße/Am Quabben ist nicht Teil des Walter-Projektes, verdeutlichte Hosemann. Mit der vom Rat beschlossenen Änderung sind aber auch für diesen Bereich die Voraussetzungen im B-Plan für künftige Bauaktivitäten – von wem auch immer – geschaffen.
Im Rat traf das Vorhaben, wie zuvor im Bauausschuss, auf ein positives Echo. Man spreche seit Jahren davon, so Björn Leidheiser (CDU), „dass wir dauerhaften, bezahlbaren und qualitativ ansprechenden Wohnraum brauchen, um Insulaner langfristig auf der Insel zu halten“. Das Projekt an der Geert-Bakker-Straße solle der Startschuss sein – „für das, was da hoffentlich noch kommt“. Dr. Monika Harms (CDU) ergänzte, dass auch viele Rentner die Kriterien für einen Berechtigungsschein erfüllten. Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) erklärte, wenn Menschen in die neue Wohnanlage einziehen, werde anderer Wohnraum auf der Insel frei, der dann zum Beispiel auch von Familien genutzt werden könne.
Geplant wird mit anderthalb Jahren Bauzeit
Ratsmitglied Hendrik Maisch (SPD) indes enthielt sich bei der Abstimmung. Er wisse einerseits um die Notwendigkeit von sozialem Wohnraum auf Borkum. Maisch verwies aber auch auf das Vereinsheim der Reservistenkameradschaft (RK) Borkum, das sich auf dem Gelände der Kuranstalt befindet und das ebenfalls einem Abriss zum Opfer fallen wird. „Es gibt Gewinner und Verlierer. Und die RK Borkum ist in dem Fall der Verlierer“, so das langjährige Vorstandsmitglied. Nach derzeitiger Planung, berichtete Investor Walter im Februar im Bauausschuss, werde vermutlich im Herbst 2025 mit dem Abriss begonnen. „Wir wollen versuchen, möglichst viel mit Fertigbauteilen zu arbeiten.“ Er gehe von ein bis anderthalb Jahren Bauzeit aus.
Im Rat tauchte auch nochmal die Frage auf, was mit den bisherigen Bewohnern im Gebäude der ehemaligen Kuranstalt passiert. Dazu hatte Burkhard Walter erklärt, dass man bei Vermietungen im Bestandsgebäude in den vergangenen Jahren nur Zeitmietverträge abgeschlossen habe. Für die (längerfristigen) Mieter solle Ersatz – in frei werdenden Wohnungen aus dem eigenen Bestand oder in Ferienwohnungen – zur Verfügung gestellt werden. Und die Umzugskosten würden übernommen, so Walter.