Stockholm  Aktivistin mit fester Stimme: Kritik an Greta Thunbergs Protesten in Schweden

Jens Mattern
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Von Jens Mattern
| 28.03.2024 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die „Fridays for Future“ Gründerin Greta Thunberg wird immer unbeliebter in ihrem Heimatland Schweden. Foto: IMAGO / TT
Die „Fridays for Future“ Gründerin Greta Thunberg wird immer unbeliebter in ihrem Heimatland Schweden. Foto: IMAGO / TT
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Die Gründerin der Klimabewegung „Fridays for Future“, Greta Thunberg, wird immer unbeliebter in ihrem Herkunftsland Schweden. Ihre polarisierenden Meinungsäußerungen und Proteste sind für manche Menschen „ein Angriff auf die Demokratie“.

Greta Thunberg, eingewickelt mit einem Palästinenserschal und in Begleitung von Transparenten und Jugendlichen, steht im nordschwedischen Sundsvall vor dem Sitz des Holzverarbeitungs-Unternehmens SCA: Der Aktiengesellschaft wirft sie vor, die meisten Kohlendioxid-Ausstoß im Land zu verantworten.

„Wir gehen jetzt da rein und stellen ein paar unangenehme Fragen und verlangen Antworten.“ So die Aktivistin mit fester Stimme zu den Medienvertretern. Der Protest am vergangenen Wochenende ist eines von vielen Auftritten der global bekannten Schwedin in ihrem Land.

Doch die Aktionen der Gründerin der Klima-Bewegung „Fridays for Future“ (FFF) erfahren zunehmend Kritik im eigenen Land. Große Empörung löste sie und weitere Aktivisten vor zwei Wochen mit den mehrtägigen Versuchen aus, den Eingang des Nationalparlaments in Stockholm zu blockieren, in Richtung Polizei, welche sie davon tragen musste, zeigte sie mit beiden Händen den Stinkefinger. Die Proteste seien „erst der Anfang“ meinte sie.

Dies sahen viele Schweden als Angriff auf die Demokratie. Und ausgerechnet vor besagtem Parlamentsgebäude begann im August 2018 ihre große Popularität: mit dem selbstgemalten Pappschild „Schulstreik für das Klima“ machte die damals 15-jährige Schülerin mit den markanten Zöpfen auf sich und das von den Erwachsenen verschuldete Klimaproblem aufmerksam.

Auch interessant: Nach Protest vor schwedischem Parlament: Greta Thunberg von Polizei abgeführt

Mittlerweile steht auch sie, bereits 21 Jahre alt, auf der Anklagebank. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen des Landes musste sie Anfang der Woche bohrende Fragen der Moderatorin beantworten. „Wir haben alle anderen Protestformen ausprobiert“ verteidigte sie die Blockade, die sie als Kampf gegen die „Hoffnungslosigkeit“ ansah.

Auch die Kritik der deutschen Grünen Ricarda Lang und deutschen Mitgliedern der FFF, sie referiere nicht auf das Leid der Israelis, verteidigte sich Thunberg mit der hohen Opferzahl in Gaza und warf Israel erneut Völkermord vor. Thunbergs Haltung zum Krieg zwischen der Hamas und Israel führte zu einer Spaltung und Marginalisierung der Klimabewegung weltweit.

Was die junge Schwedin mit autistischer Veranlagung einst zu einer Heldin für die Klimabewegung machte, das unbeirrte Beharren auf ihrem Standpunkt, macht sie nun für viele zu einer negativen Figur. Auch dies zeigte ihr Auftritt im Fernsehen, sie lenkte nie ein, sah sich stets im Recht. „Uns hört niemand zu“ begründete sie die Radikalisierung des Protests. Richtig ist wohl, dass ihr immer weniger zu hören. Die Aktivistin hat auch ihre Strategie geändert.

Traf sie sich zu Anfang ihrer Karriere mit den „Großen“ der Welt, setzt sie nun auf Blockaden für die „gerechte Sache“, die Anzeigen und Gerichtsurteile nach sich ziehen. Doch in Schweden formiert sich auch die Gegnerschaft. Darunter ist Tobias Andersson, der Parlamentssprecher der rechten Schwedendemokraten, welche die bürgerliche Minderheitsregierung toleriert.

So lief der rechte Politiker demonstrativ über das Transparent der Parlamentsblockierer. Beobachter sehen auch einen zunehmenden Hass in den sozialen Medien gegen die Klimabewegung in Schweden. Wohl nicht im Stil, jedoch in der Sache hat „Fridays for Future“ 75 Prozent der Bevölkerung hinter sich:

So viele glauben, dass die Regierung viel mehr tun müsste, um die Klimaziele zu erreichen. Die 2022 gewählte Führung in Stockholm hat die Benzinpreise gesenkt und will die Klima-Einschränkungen der EU-Kommission in der Forstpolitik nicht hinnehmen

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