Künstler besprühen Fassaden Das DOC und das Van-Ameren-Bad in Emden mögen’s kunterbunt
Sie sind kaum zu übersehen, wenn man in Emden zum Dollart-Center fährt oder am Freibad an der Kesselschleuse vorbeikommt: die neue Graffiti-Kunstwerke. Wer und was stecken dahinter?
Emden - Eine Krabbe winkt, ein Seemann im Friesennerz schaut ins Fernglas und eine Möwe brüllt „Moin!“: Das sind nur einige Motive, die der Graffiti-Künstler Mathias Andert an die Außenfassade des Einkaufszentrums Dollart Center (DOC) in Emden gesprüht hat. Am Montag, 25. März 2024, hat er damit auf der Fläche aufseiten der Einrichtungskette „Jysk“ begonnen.
Eben schnell ist das Kunstwerk nicht erledigt: Andert und sein Mitarbeiter haben eine 156 Quadratmeter große Fläche zu besprühen. Teils in luftiger Höhe aus einem Krankorb heraus tragen sie die Farbe auf. Dabei müssen sie das große Ganze immer im Hinterkopf behalten, damit die Motive zueinander passen. Etwa 60 Liter Fassadenfarbe zur Grundierung und rund 200 Sprühflaschen sind für das Kunstwerk nötig, wie Andert dieser Zeitung sagte. Die Fassade ist fast fertig: „Es sind noch ein paar Restarbeiten.“
Bei den Motiven habe man Wert darauf gelegt, dass es zum DOC, zu Emden und zur Umgebung passt, also maritim ist, so Irina Mettbach vom Centermanagement.
Wie kam es zudieser Idee?
Zum einen sei es eine Instandhaltungsmaßnahme für die Fassade des im Jahr 2000 eröffneten DOC. „Zum anderen sollen die Fassade und das Center dadurch für die Kunden aufgewertet und moderner gestaltet werden“, schreibt Mettbach.
Das scheint zu funktionieren. Auf die Frage, wie das bislang bei Kundinnen und Kunden ankommt, schreibt sie: „Absolut positive, begeisterte und erstaunte Reaktionen. Kunden machen Bilder und kommen teilweise täglich, um den Fortschritt der Gestaltung zu beobachten.“ Um auch bei Dunkelheit den Blick auf das Kunstwerk zu ermöglichen, sollen Außenstrahler eingesetzt werden.
Für die Außenfassade des Einkaufszentrums seien weitere Maßnahmen geplant, heißt es vom Centermanagement. Aber: „Zu Einzelheiten können wir noch keine Aussagen machen.“
Was entsteht beim Van-Ameren-Bad?
Mehr Farbe ins Spiel kommt nach buchstäblich schwarzer Zeit auch im Van-Ameren-Bad an der Kesselschleuse. Dort haben Mathias Andert und dessen Kollege am Donnerstag mit der künstlerischen Gestaltung der Fassade des Neubaus begonnen. Der Graffiti-Künstler hatte den bei dem verheerenden Brand am 11. Juli 2023 zerstörten Trakt bereits 2021 mit einer Strandlandschaft sowie einigen Details aus Emden und dem Freibad verziert. Das Kunstwerk war ebenfalls ein Raub der Flammen geworden.
Es wird jetzt wieder aufgetragen. „Im Prinzip so wie vorher, aber etwas verfeinert“. sagt der Künstler. Zu sehen sein werden unter anderem eine Strandlandschaft, in der unter anderem einige Motive aus Flora und Fauna, eine Flaschenpost, eine Szene aus dem Freibad oder der Emder Wasserturm als große Sandburg eingebettet werden. 25 Liter Fassadenfarbe und circa 70 Farbspraydosen benötigt das Graffiti-Duo für das etwa 70 Quadratmeter große Bild, das voraussichtlich noch an Ostern fertig wird.
Wer ist Graffiti-Künstler Mathias Andert?
Andert ist mit seinem Unternehmen „Farbspiel“ aus der Nähe von Potsdam (Brandenburg) auch sonst kein Unbekannter in Emden. Der Graffiti-Künstler und sein Team sind schon seit 2017 in der Stadt aktiv. Sie gestalteten viele Trafostationen im Auftrag der Stadtwerke. Die Station an der Larrelter Straße ziert die Larrelter Mühle, beim Altenheim am Wall ist ein großes Eichhörnchen auf dem Zweckgebäude abgebildet und am Schützenhof sieht man einen Ottifanten mit „Wattje“, dem Maskottchen der Stadtwerke.
Und bei der Kunsthalle ist eine Trafostation geschmückt mit – Motiven aus dem Museum natürlich. Zuletzt wurde auch das Hauptgebäude vom Freibad Borssum von „Farbspiel“ verschönert – unter anderem mit Motiven vom Baden im Wasser und in der Sonne.