Kriminalstatistik Leer  Jugendliche stehlen immer mehr – Anleitungen kursieren auf TikTok

Rieke Heinig
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Von Rieke Heinig
| 02.04.2024 07:57 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Drogerien in Leer und umzu wird immer mehr geklaut. Foto: Katharina Heimeier/dpa
In Drogerien in Leer und umzu wird immer mehr geklaut. Foto: Katharina Heimeier/dpa
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Immer mehr junge Menschen, besonders Mädchen, klauen. Die Leeraner Polizeiinspektion nennt vor allem eine Ursache: Online gibt es Anleitungen für Ladendiebstahl.

Leer - Immer mehr junge Menschen klauen in Läden. Zu diesem Ergebnis kam die Polizeiinspektion Leer/Emden und stellte die Auswertung kürzlich in Leer in Form der Kriminalstatistik 2023 vor. Gab es 2022 noch 862 Fälle, waren es im vergangenen Jahr schon 1100 Ladendiebstähle. Der sprunghafte Anstieg um etwa 57 Prozent sei bereits für sich genommen ein großes Problem.

Auch in Klamottenläden werde vermehrt gestohlen. Foto: Martin Schutt/zb/dpa
Auch in Klamottenläden werde vermehrt gestohlen. Foto: Martin Schutt/zb/dpa

Ein anderes liegt in der Altersstruktur der Täterinnen und Täter. Insgesamt 864 Verdächtige seien gefasst worden, berichtet die Polizei. Fast die Hälfte davon seien Jugendliche, insbesondere Mädchen. Konkret: Von 407 Tatverdächtigen unter 21 seien 189 männlich und 218 weiblich gewesen, so die Beamten. Auch hier ist der Vergleich zum Vorjahr besorgniserregend. Denn 2022 konnten insgesamt 267 Kinder, Jugendliche und Heranwachsende von den Beamten als mögliche Ladendiebe ausfindig gemacht werden. Unter ihnen befanden sich 149 männliche und 118 weibliche Verdächtige.

Soziale Medien bieten Anleitungen

Die Polizei sieht die wachsende Zahl junger Täterinnen und Täter mit Sorge und macht insbesondere die sozialen Netzwerke als einen Brandbeschleuniger aus. Die Polizei verwies bei der Präsentation der aktuellen Kriminalstatistik für die Region auf problematische Entwicklungen. Im Fokus steht dabei insbesondere die Video-Plattform TikTok, die bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt ist. Dort gebe es tatsächlich Videos, die eine Anleitung zum Ladendiebstahl zeigen, erklärte die Polizei. Junge Täter würden aus diesen Videos lernen. Eine kurze Suche im Internet reicht aus, um diverse solcher Videos zu finden. Oftmals werden sie unter dem verharmlosenden Hashtag „borrowing“ – englisch für ausleihen – präsentiert.

Auf TikTok kursieren Anleitung zum Stehlen. Foto: Robert Michael/dpa
Auf TikTok kursieren Anleitung zum Stehlen. Foto: Robert Michael/dpa

Zu sehen sind aber nicht nur Hinweise darauf, auf was die Diebe im Geschäft achten, wie sie sich verhalten oder was sie anziehen sollten. Zahlreiche Videos zeigen, wie die jungen Menschen die geklauten Dinge präsentieren: Eine Mascara für 20 Euro, ein Lipgloss für 8 Euro oder ein Concealer für 6 Euro. Bei der Art der Beute wird auch deutlich, warum gerade Mädchen vermehrt klauen. Teure Schminke, die im Internet hoch gehandelt wird, könnten sie sich von ihrem Taschengeld oft nicht leisten, sagt die Polizei. Hierfür spreche, dass nach aktuellen Zahlen neben Lebensmittelmärkten insbesondere in Drogerien und Bekleidungsketten immer häufiger gestohlen wird.

Was Eltern tun können

Auch der Kreisjugendpflege des Landkreises Leer sei der „Borrowing“-Trend unter Jugendlichen durchaus schon bekannt, teilt Kreissprecherin Annika Krämer auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Veranstaltungen zur Prävention seien zu diesem konkreten Thema aber noch nicht in Planung.

Die Kreisjungendpflege hat jedoch Tipps, wie Erziehungsberechtigte bereits zu Hause vorbeugen können, so Krämer. „Eltern sollten stets im engen Austausch mit ihren Kindern bleiben, Probleme wahrnehmen und jedes Problem ernst nehmen“, sagt sie. Es sei zudem hilfreich, den Freundeskreis des Kindes zu kennen, um sich gegebenenfalls mit deren Erziehungsberechtigten über mögliche illegale Aktivitäten austauschen zu können.

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