Osnabrück  Gesellschaftskritik in Schwarzweiß: Diesen Film empfiehlt die Cinema Arthouse-Chefin

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 03.04.2024 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Jannah Elfert aus der Geschäftsführung des Cinema Arthouse empfiehlt diese Woche den Neustart des italienischen Erfolgsfilms „Morgen ist auch noch ein Tag“, der in Italien erfolgreicher als „Barbie“ und „Oppenheimer“ lief. Foto: Philipp Hülsmann
Jannah Elfert aus der Geschäftsführung des Cinema Arthouse empfiehlt diese Woche den Neustart des italienischen Erfolgsfilms „Morgen ist auch noch ein Tag“, der in Italien erfolgreicher als „Barbie“ und „Oppenheimer“ lief. Foto: Philipp Hülsmann
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Gleich sechs neue Filme starten in dieser Woche in den Osnabrücker Kinos. Wem die Auswahl schwerfällt: Cinema Arthouse-Chefin Jannah Elfert empfiehlt einen Überraschungserfolg aus Italien als Film der Woche.

Frage: Frau Elfert, diese Woche starten gleich mehrere Filme, die das Prädikat „Film der Woche“ verdient hätten. Welcher ist Ihr Favorit?

Antwort: Für mich ist das „Morgen ist auch noch ein Tag“.

Frage: Worum geht es da?

Antwort: Das ist eine Geschichte, die im Rom der Nachkriegszeit spielt und die Geschichte einer Mutter erzählt, Delia heißt sie, die drei Kinder aufzieht und sich gleichzeitig auch noch um ihren kranken Schwiegervater kümmert. Dabei leidet sie sehr unter dem Patriarchat und vor allen Dingen unter ihrem Mann, von dem sie sowohl psychisch als auch physisch misshandelt wird und sehr unter häuslicher Gewalt leidet. Aber im Hintergrund zieht sie die Fäden.

Frage: Hat dieser Film eine besondere Message?

Antwort: Es ist ein sehr feministischer Film, der diese eigentlich sehr schweren Themen auf eine leichte und unterhaltsame Art porträtiert und viele Momente hat, in denen man auch lachen muss. Wobei einem das Lachen manchmal auch im Halse stecken bleibt. Aber der Film schafft es, dass man sehr optimistisch aus dem Kino herausgeht und darüber hinaus eine tolle Message mitbekommen hat.

Frage: Was macht diesen Film sonst noch besonders?

Antwort: Der Film war in Italien ein unheimlicher Publikumserfolg. Er hat es dort sogar geschafft, „Barbie“ und „Oppenheimer“ zu verdrängen. Es ist das Regiedebüt der Hauptdarstellerin Paola Cortellesi, die damit den Nerv der Zeit getroffen hat. Er ist ganz toll erzählt, in schwarzweiß gedreht und setzt auch sehr wirkungsvoll auf überraschende Stilmittel wie Tanz und Musik.

Frage: Lässt sich der Film auch als eine Art moderner Neorealismus einordnen?

Antwort: Ja, wenn man will, schon. Als der Film in Italien in die Kinos kam, war das Thema Femizid leider auch wieder sehr aktuell. Der Film bringt sehr aktuelle Themen auf den Punkt.

Frage: Obwohl er in der Vergangenheit spielt?

Antwort: Ja, auf jeden Fall.

Frage: Was gefällt Ihnen denn an der Leistung von Cortellesi als Hauptdarstellerin besonders gut?

Antwort: Wie sie es schafft, die Balance zu halten. Zu Hause so eingepfercht zu sein und sich trotzdem nicht klein kriegen zu lassen. Man merkt die ganze Zeit, was für eine Stärke, was für ein Potenzial in dieser Frau steckt und dass da auch noch mehr kommt.

Frage: Wenn Sie den Film mit maximal fünf Sternen für sehr gut bewerten würden, wie würde er bei Ihnen abschneiden?

Antwort: Viereinhalb von fünf hat der Film auf jeden Fall verdient. Er spricht sowohl jüngere als auch ältere Generationen an und besticht durch eine sehr moderne Erzählweise, hat tolle Musik und spielt mit witzigen Unterbrechungen, mit denen niemand rechnet.

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