Berlin  Demos gegen Rechts: Sie haben doch etwas bewirkt

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 03.04.2024 15:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Demos gegen Rechts ebben langsam ab. Was bleibt von einer der größten Protestbewegungen in der Geschichte? Foto: Oliver Berg/dpa
Die Demos gegen Rechts ebben langsam ab. Was bleibt von einer der größten Protestbewegungen in der Geschichte? Foto: Oliver Berg/dpa
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Nach drei Monaten ebben die Proteste gegen Rechts langsam ab. War alles nur ein Strohfeuer? Nein, sie haben etwas Entscheidendes verändert.

Es verwundert nach wie vor, dass ausgerechnet der Bericht über das Treffen mit Rechtsradikalen in Potsdam der Auslöser für die bundesweiten Massenproteste war. Anlässe hätte es schon vorher gegeben, Tabubrüche durch Vertreter der AfD finden immer wieder statt. Die Aufmachung des Correctiv-Berichts und die mediale Aufmerksamkeit, die er fand, können die Größe der Bewegung nur zum Teil erklären.

Ganz offensichtlich hatte der Widerstand gegen einen unaufhaltsam erscheinenden Aufstieg der Rechtspopulisten sich lange angestaut – und brauchte dieses Momentum, um sich auf den Straßen und Plätzen Bahn zu brechen. Waren die Demos also nicht mehr als ein kollektives Dampfablassen, um dann mit gutem Gefühl wieder nach Hause zu gehen? 

Für manche mag das zutreffen. Ganz sicher aber haben vor allem die vielen Menschen in kleineren Orten in Ostdeutschland Respekt verdient, die Demos organisiert und sich beteiligt haben. Das erforderte deutlich mehr Mut, als sich mit Hunderttausenden am Brandenburger Tor zu versammeln. Ihnen hat der bundesweite Protest Auftrieb gegeben. Er war die Bestätigung, dass sie nicht allein sind mit ihrem Unbehagen über den Rechtsdrift, dem sie bereits in ihrem Alltag gegenüberstehen. 

Letztlich ist der Besuch einer Demonstration aber noch kein nachhaltiges Engagement für die Demokratie. Sie findet tagtäglich in den Gemeinderäten, Vereinen, Schulen und am Arbeitsplatz statt. Und dort müsste es weitergehen: Man könnte widersprechen und diskutieren, wenn der Kollege gegen Ausländer hetzt. Man könnte sich beim Elternabend einen Ruck geben und den ungeliebten Sprecherposten selbst übernehmen, statt ihn dem AfD-Mann zu überlassen. Das erscheint banal? Das ist es mitnichten.

Jeder kann in seinem Umfeld darauf achten, dass Demokratie und ihre Umgangsformen nicht schleichend unter die Räder kommen. Wenn die Demos dieses Bewusstsein gestärkt haben, dann haben sie sehr wohl etwas bewirkt.

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